Neue Bach-Orgel für den Dom in Bardowick

von Sandra Bengsch – Hamburger Abendblatt

Klosterkammer und Gemeinde investieren 660 000 Euro

Ende 2011 soll das Instrument in der Stiftskirche erklingen. In Handarbeit werden die Teile derzeit gefertigt.

Bardowick. Wie das “heulende Elend” klinge die Orgel im Bardowicker Dom. So beschreibt zumindest Pastor Derik Mennrich den Zustand des Kircheninstrumentes: “Wenn wir Sie einschalten, kommen nur pfeifende Töne heraus.” Derzeit behilft sich der Kantor und Organist Peter Agge daher mit einer elektronischen Orgel.

“Doch natürlich erreichen wir damit nicht die klangliche Fülle einer echten Orgel”, sagt Pastor Mennrich. Seit Jahren setzt sich die Gemeinde daher für den Bau einer neuen Orgel ein. Jetzt ist das Projekt “Bach-Orgel” beschlossene Sache. Orgelbauer Matthias Schuke aus Potsdam und sein sechsköpfiges Team bauen seit Wochenbeginn die alte Orgel aus. Schuke ist ein echter Experte in Sachen Orgelbau, das Handwerk wurde im sozusagen in die Wiege gelegt: “Unsere Familie betreibt die Firma jetzt bereits in der dritten Generation – und die vierte arbeitet hier in Bardowick bereits mit”, sagt der 55-Jährige.

Etwa 3000 Orgelpfeifen, die größten messen knapp fünf Meter Länge, müssen die Handwerker ausbauen und verpacken. Dazu kommen die Windladen, das sind die Kästen, auf denen die Orgelpfeifen stehen, und die mechanischen Verbindungen zwischen Tasten und Windladen. “Nahezu jeder Schritt muss in Handarbeit erfolgen, das macht die Angelegenheit so kostspielig”, erklärt Schuke. Insgesamt 660 000 Euro kosten Abbau, Planung, Konstruktion und Bau des neuen Instruments im Stile einer mitteldeutschen Stadtkirchen-Orgel. Dreiviertel der Kosten trägt die Klosterkammer, den Rest muss die Gemeinde aus eigener Tasche finanzieren. Mennrich erklärt: “Rund 95 Prozent haben wir bereits zusammen. Aber wir freuen uns weiterhin über Spenden.” Der Pastor ist überzeugt, dass die Investition sich lohnt, “denn wir bekommen endlich eine Orgel, die unsere große und bedeutende Kirche klanglich füllen kann.”

Geplant ist, die Orgel in die ursprüngliche Position auf der Empore vorzurücken. So sollen die Proportionen aus der Erbauungszeit sichtbar gemacht werden. Das neue Instrument wird mit drei Manualen – das sind klavierähnliche Tastaturen – einem Pedal und 45 Registern ausgestattet. Letztere sind verantwortlich für verschiedene Klangvarianten der Orgel.

So gibt es etwa ein Register für eine Trompete oder eines für eine Rohrflöte. “Sicher werden wir mit der neuen Orgel auch unser Konzertangebot im Dom verändern”, sagt Mennrich. Er hofft, über die Orgel neue Besucher in seine Kirche zu locken. Ende 2011 soll die neue Orgel erstmals im Dom erklingen.

Hamburger Abendblatt

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