Ein Wort

Ein Wort

Wenn wir alle ein WORT hätten,

ein genaues WORT, nur ein einziges,

ein WORT in Annahme und Gehorsam

ein Lichterstrahl für den einzigen Namen

jeglichen Dinges

– Erde, Frieden, Freiheit,

heute, morgen, Zukunft, Krieg, Angst –

und wenn wir es alle aussprechen könnten

im selben Sinn, am Ufer eines Flusses,

dann ist es wirklich wahr,

daß die erste Wahrheit die unsrige ist

und daß die große Gefahr aufhört.

Wo aber werden wir das WORT der Menschen

finden,

die liturgische Vokabel,

einmütig von allen,

wie ein Baum eines stattlichen Waldes,

an einem klarem Tag?

Dieses WORT lebt

und wir müssen es ohne Unterlaß suchen

Tag und Nacht, Hoffnung!

Celso Emilio Ferreiro

Brief eines zum Tode Verurteilten

Das Kriegsgericht hat mich zum Tode verurteilt. Ich schreibe diese Zeilen wenige Minuten vor dem Sterben. Ich fühle mich gesund, voller Tatkraft, voll unbegrenzter Lebenslust … Aber es gibt keine Möglichkeit der Rettung. Ich muß sterben. Ich gehe jedoch mit Festigkeit, mit Mut in den Tod, wie es sich für Menschen unseres Schlages gehört. Ich habe 41 Jahre gelebt, 20 davon habe ich der Sache der Armen gewidmet, Mein ganzes Leben lang war ich ein ehrlicher, treuer, unermüdlicher Kämpfer ohne persönliche Interessen. Nie war ich unaufrichtig. Und wie ich gelebt habe, so sterbe ich, da ich weiß, daß unsere Sache gerecht ist, und daß der Sieg unser sein wird. Das Volk wird mich nicht vergessen, wenn bessere Zeiten kommen, Eines Tages wird die Geschichte die Wahrheit erzählen, auch in Bezug auf meine bescheidene Person. Ich sterbe, und ich werde leben.

Brief eines zum Tode Verurteilten