Drei Stimmen, eine Wahrheit
Strophe 1 – Eva
Eva würde sagen:
Ich war nie die, die gefallen ist.
Ich war die, die gegangen ist.
Nicht aus Trotz,
sondern aus Neugier.
Sie würde sagen:
Ich habe nicht das Paradies zerstört,
ich habe die Stille verlassen.
Ich habe die Frage gestellt,
die niemand hören wollte.
Und sie würde leise hinzufügen:
Nicht die Schlange hat mich geführt,
sondern mein eigener Hunger nach Wahrheit.
Strophe 2 – Maria
Maria würde sagen:
Ich kenne diesen Blick.
Dieses Hochheben,
damit man nicht mehr sehen muss,
dass ich eine Frau war.
Sie würde sagen:
Ich habe kein Dogma geboren.
Ich habe ein Kind geliebt.
Und ihr habt aus dieser Liebe
eine Geschichte gebaut,
die mich unsichtbar gemacht hat.
Und sie würde sagen:
Heiligkeit war nie mein Wunsch.
Nähe war es.
Strophe 3 – Jesus
Jesus würde sagen:
Ich war nie euer Opfer.
Ich war euer Spiegel.
Er würde sagen:
Ich wollte leben.
Reden.
Lachen.
Widersprechen.
Und er würde ruhig sagen:
Das Kreuz war nicht mein Ziel.
Es war die Angst derer,
die Freiheit nicht ertragen konnten.
Refrain
Und alle drei würden sagen:
Wir wurden benutzt,
um Angst zu erklären.
Schuld zu verteilen.
Macht zu sichern.
Aber wir sind nicht eure Geschichten.
Nicht eure Symbole.
Nicht eure Rollen.
Strophe 4 – gemeinsam beschrieben
Eva würde sagen:
Ich bin nicht die Mutter der Sünde.
Ich bin die Mutter der Freiheit.
Maria würde sagen:
Ich bin nicht die Mutter der Reinheit.
Ich bin die Mutter der Liebe.
Und Jesus würde sagen:
Ich bin nicht der Sohn des Opfers.
Ich bin der Sohn des Bewusstseins.
Bridge
Und vielleicht,
würden sie sagen,
wurden wir getrennt,
damit niemand sieht,
dass wir dieselbe Wahrheit tragen:
Dass kein Leben geopfert werden muss,
damit ein anderes leben darf.
Dass kein Mensch klein sein muss,
damit ein anderer groß wirkt.
Dass kein Körper heilig sein muss,
um würdig zu sein.
Dass kein Gott Blut braucht,
um Licht zu sein.
Outro
Und wenn sie heute sprechen würden,
dann nicht laut.
Nicht anklagend.
Sondern klar.
Sie würden sagen:
Wir sind nicht gefallen.
Wir sind gegangen.
Und wir sind geblieben.
Als Erinnerung
an das Menschliche
im Göttlichen.
