Kenne deinen Körper

Kenne Deinen Körper

Du bist dein eigenes Universum, du hast deinen eigenen Mikrokosmos.
Betrachte nur deinen Körper, denn du besitzt eine Fülle des Lebens, von der du kaum etwas ahnst.

Dein Herz … Es schlägt, ob du schläfst oder wachst, dreißig Millionen Takte im Jahr, und ein Blut pulsiert durch über neunzigtausend Kilometer Arterien und Venen in die Gefäße des Lebens.

Deine Augen … Tausend winzige Rezeptoren zeigen dir das Lachen eines anderen Menschen, den Sonnenaufgang und den Himmel mit Myriaden von Sternen.

Deine Ohren … zwanzigtausend feine Teilchen lassen dich den Gesang der Vögel und den Herzschlag der Geliebten hören.

Deine Lungen … fünfhundert Millionen fleißige Bläschen filtern für dich aus der Luft den Sauerstoff, den Atem des Lebens.

Dein Gehirn … Zehn Milliarden Nervenzellen machen, dass du denken, wissen und fühlen kannst.

Deine Beine … Dreihundert Muskeln bringen dich dahin, wo dein Liebster ist.

Dein Mund … mit dem du lachen und singen kannst und deinen Freunden sagen, dass du sie liebst.

Deine Hände … mit denen du musizieren kannst, Gedichte schreiben und Bilder malen, die deine Gefühle ausdrücken und deine Welt beschreiben.

Es ist wunderbar, ein Mensch zu sein

Kurt Tucholsky – Mutterns Hände

altermann02

Hast uns Stulln jeschnitten
un Kaffe jekocht
un de Töppe rübajeschohm –
un jewischt und jenäht
un jemacht und jedreht…
alles mit deine Hände.

Hast de Milch zujedeckt,
uns Bonbongs zujesteckt
un Zeitungen ausjetragn –
hast die Hemden jezählt
und Kartoffeln jeschält…
alles mit deine Hände.

Hast uns manches Mal
bei jroßen Schkandal
auch’n Katzenkopp jejeben.
Hast uns hochjebracht.
Wir wahn Stricker acht
sechse sind noch am Leben…
alles mit deine Hände.

Heiß warn se un kalt
Nu sind se alt
nu bist du bald am Ende.
Da stehn wa nu hier,
und denn komm wir bei dir
und streicheln deine Hände.

(Kurt Tucholsky, Arbeiter Illustrierte Zeitung 30, 1929)