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Rembrandt Harmenszoon van Rijn zum 400. Geburtstag

Zeichnungen

Hier handelt es sich um "Lauf"-Bilder, die Maus darf nicht im Feld sein, sonst halten die Bilder an.

 

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DIE ZEIT 29.12.2005 Nr.1 - »Rembrandt war kein Maler«

Aber was dann? Ein Entertainer, ein Ketzer und der Bill Gates seiner Zeit – sagt der Regisseur Peter Greenaway. Er dreht zum 400. Rembrandt -Geburtstag 2006 einen Film über die »Nachtwache«

DIE ZEIT: Herr Greenaway, war der Rembrandt-Wahn jemals größer als heute?

Peter Greenaway: Was soll ich da sagen? Ich bin ja einer von diesen Wahnsinnigen, die den Wahn mit großer Begeisterung produzieren. Doch stimmt es schon, in stillen Momenten gruselt es mich auch. Allein hier in Holland laufen im kommenden Jahr 17 Rembrandt-Ausstellungen, es gibt zig neue Bücher, zig Konferenzen, auch eine Rembrandt-Oper machen wir und dann natürlich den Film.

ZEIT: Gibt es denn über Rembrandt überhaupt noch Neues zu sagen?

Greenaway: Oh, mir sagt Rembrandt eigentlich jeden Tag etwas Neues. Schauen Sie nur mal aus dem Fenster, da sehen Sie das Reichsmuseum, direkt vor meiner Haustür. Ich gehe da bestimmt zweimal die Woche rüber, für eine halbe Stunde vielleicht. Vor allem Rembrandts Nachtwache ist für mich so etwas wie ein guter Nachbar.

ZEIT: Und was erzählt Ihnen dieser Nachbar?

Greenaway: Na, zum Beispiel, dass Rembrandt gar kein Maler war.

ZEIT: Wie bitte?

Greenaway: Ja, Rembrandt war kein Maler. Und die Nachtwache ist auch kein Gemälde. Sie müssen nur genau hinschauen, dann sehen Sie, dass sich Rembrandt von allen klassischen Bildtraditionen verabschiedet. Er reiht die Soldaten nicht in Reih und Glied, wie es üblich war. Stattdessen bricht er den Bildraum auf und macht daraus eine Bühne. Genau das ist die Nachtwache: ein Stück Theater, eine irrwitzig lebendige Aufführung. Das sieht man schon an den Schatten der Leute, die mal in die eine, mal in die andere Richtung fallen. So etwas geht nur auf der Bühne, da gibt es zehn Sonnen auf einmal. Übrigens ist das bei vielen Rembrandt-Bildern ganz ähnlich. Sie wollen alles sein, nur keine Malerei. Sie negieren sich selbst.

ZEIT: Dann wäre Rembrandt also in Wahrheit das gewesen, was Sie sind: ein Regisseur?

Greenaway: Sie müssen wissen, dass die Theater in Holland spätestens seit den 1630er Jahren eine ungeheure Wiederbelebung erfuhren. Hier spielte sich das gesellschaftliche Leben ab, und natürlich waren viele Maler eifersüchtig auf den Erfolg der Theaterleute. Sie wurden selbst theatralisch, sie inszenierten Bühnenszenen. Schließlich stand das Bildermalen ohnehin nicht im besten Ruf, denken Sie an den Calvinismus und an das Gebot »Du sollst dir kein Bildnis machen«. Gerade Rembrandt, der viele jüdische Freunde hatte, war das sehr bewusst.

1642 Die Nachtwache

ZEIT: Und was für ein Stück inszeniert er mit seiner Nachtwache?

Greenaway: Die Nachtwache ist ja nach der Mona Lisa von da Vinci und nach Michelangelos Fresken für die Sixtinische Kapelle das bekannteste Bild überhaupt. Paradoxerweise ist es auch eines der unbekanntesten und so unverstanden wie kaum ein anderes. Die Nachtwache hat Rembrandt erst so richtig berühmt gemacht, und es hat ihn zugleich ruiniert – ein großes Rätsel.

ZEIT: Und Sie lösen es nun?

Greenaway: Ja, in meinem Film über die Nachtwache, den ich gerade drehe, werde ich zeigen, wie und warum Rembrandt dieses Bild zum großen Verhängnis wurde.

ZEIT: Wie und warum denn?

Greenaway: Weil er einen Mord zeigt.

ZEIT: Einen Mord?

Greenaway: Ja, genau, das Bild wimmelt vor lauter Hinweisen auf Mord. Sie müssen sich nur den Soldaten in der weißen Uniform ansehen, und Sie werden links neben seinem Hut das Ende eines Gewehrs sehen. Aus diesem Gewehr wird ein Schuss abgegeben. Es wird jemand ermordet, und alle, die auf dem Bild zu sehen sind, wissen davon. Sie decken den Mord, es sind lauter Verschwörer.

ZEIT: Rembrandt also ein Krimiautor?

Greenaway: Sie täuschen sich. All diese Männer hat es ja gegeben, sie waren Mitglieder einer Bürgerwehr, die allerdings ihre Macht lange verloren hatte. Trotzdem versammeln sie sich hier, lauter reiche Kaufleute, die sich als Soldaten verkleiden. Und die Rembrandt viel Geld dafür geben, dass er sie in dieser stolzen Rolle malt. So verschaffen sie sich etwas vom Glanz jener heroischen Zeit, als die Holländer gegen die Spanier kämpften.

ZEIT: Oft ist das Bild ja als Huldigung auf das Soldatenwesen gedeutet worden.

Greenaway: Von wegen. Das ist ein Spottbild. Rembrandt macht sich lustig über all diese Möchtegerngrößen, er zeigt sie als Trottel, als Idioten. Er zeigt, was unter dem Gold des Goldenen Zeitalters lag, den ganzen Mist einer oligarchischen, erstarrten Gesellschaft, den ganzen Mafia- Sumpf, der schlimmer war als im berüchtigten Chicago.

ZEIT: Aber warum hätte Rembrandt das tun sollen? Warum seine Auftraggeber brüskieren?

Greenaway: Oh ja, er hat sie tatsächlich brüskiert. Sie waren geschockt, als sie das Bild sahen. Und sie haben prompt reagiert. Nicht zufällig fehlen ja heute Teile des Gemäldes, sie wurden seitlich abgeschnitten. Die meisten Kunsthistoriker sagen, man habe das Gemälde verkleinern müssen, um es den Ausstellungsräumen anzupassen. Dabei gab es durchaus sinistere Motive, Leute aus dem Bild verschwinden zu lassen. Und das war bei weitem nicht alles: Die Verschwörer begannen, Rembrandt systematisch zu ruinieren. Als er die Nachtwache malte, war er unbeschreiblich reich, er war der Bill Gates des 17. Jahrhunderts. Als er starb, war er bitterarm. Er hätte sich lieber nicht mit den Granden der Amsterdamer Gesellschaft anlegen sollen.

ZEIT: Warum hat er es dann getan?

Greenaway: Er dachte, er sei unangreifbar. Er war überheblich, ein Außenseiter, der vor nichts zurückschreckte. Er scheute sich nicht, irgendwelche Lümmel von der Straße ins Atelier zu holen, Vagabunden und Landstreicher. Er selbst war ja auch so eine Art Bauer, wahrscheinlich nicht sehr gut gewaschen und mit ziemlich übel riechender Unterwäsche. Er war der Sohn eines Müllers und eben keiner dieser hochstehenden Bürger oder Aristokraten.

ZEIT: Und Sie meinen, das hat seine Kunst geprägt?

Greenaway: Aber natürlich. Sein großer Held war Rubens, ein Maler, der allgemein hohes Ansehen genoss, auch an den Königshöfen, und der dafür von Rembrandt sehr beneidet wurde. Er hoffte, es auch irgendwann so weit zubringen, indem er viel Geld verdiente. Das tat er dann später auch, doch besaß er nie die richtigen Manieren oder die Eleganz oder die Anmut eines aristokratischen Malers wie Rubens. Er hatte sein ganzes Leben einen gewaltigen Minderwertigkeitskomplex.

ZEIT: Sie begreifen Kunstgeschichte, so kommt es mir vor, eher als die Kunst der Einfühlung. Oder sind Sie tief in die Archive gestiegen?

Greenaway: Ich forsche eigentlich nie. Das ist mir zu gefährlich, schließlich sind Fiktionen immer interessanter als die Wahrheit. Ich weiß schon, alle werden sie meinem Film widersprechen. Aber das kann ich genießen. Denn der Streit wird das Bild, das wir alle von Rembrandt haben, neu beleben.

ZEIT: Das hört sich an, als würden Sie selbst zu einem Nachtwachen-Rembrandt werden, zu einem Künstler, der gegen eine Verschwörung polemisiert, in diesem Fall gegen die vermeintliche Verschwörung der Kunsthistoriker.

Greenaway: Ich will nur zeigen, dass das Leben doch weit komplexer ist, als wir uns das so gemeinhin vorstellen. Und wenn man sich die Lebensgeschichte von Rembrandt genau ansieht und seine Bilder unter die Lupe nimmt, dann weiß man: Er war ein Zyniker, er veralberte die Aristokraten, er hatte sehr viel Humor. Da müssen Sie sich nur mal den Raub des Ganymed anschauen, wo der kleine Junge von einem Raubvogel geschnappt wird und in seiner Panik zu pinkeln beginnt. So ist Rembrandt oft, ein echter Schalk.

ZEIT: Erkennen Sie sich manchmal in ihm wieder?

Greenaway: Nein, eigentlich nicht. In meinem Herzen wäre ich lieber wie Vermeer. Der war ein viel besserer Maler als Rembrandt, viel ökonomischer, kontrollierter. Kaum ein anderer Künstler besaß ein so ausgeprägtes Gespür für Menschen und verlieh ihnen so viel Würde. Er spottete nicht über sie, er moralisierte nicht. Rembrandt hingegen war meist ein Kommentator des sozialen Lebens.

ZEIT: Aber sind Sie das nicht auch mit Ihren Filmen? Die wirken doch oft wie Parabeln.

Greenaway: Ich bin nur an Ästhetik interessiert, das können Sie mir glauben. Mich interessiert das Sehen selbst, ich will meinen Blick schulen. Wissen Sie, die meisten Menschen sind ja visuelle Analphabeten. Unsere ganze Kultur ist ungemein textfixiert, das fängt schon in der Schule an. Da lernen wir alle das Alphabet, über Bilder aber erfahren wir nichts. Nur weil wir Augen haben, heißt das ja noch lange nicht, dass wir auch sehen können. Auch das will gelernt sein. Und ich finde, in der Kunst lässt sich das am besten lernen.

ZEIT: Haben Sie jemals versucht, wie Rembrandt zu malen?

Greenaway: Als Jugendlicher habe ich alles Mögliche versucht. Die Zeiten sind zum Glück vorbei.

ZEIT: Warum zum Glück?

Greenaway: Weil es einfach Blödsinn ist, sich immer noch mit dieser Art von Realismus, wie Rembrandt ihn pflegte, zu befassen. Es ist absurd, die Wirklichkeit akribisch nachahmen zu wollen. Das erstaunlichste Ding im Universum ist doch das menschliche Hirn. Also lasst es uns gebrauchen, denken wir uns etwas aus! Und verlassen wir uns nicht einfach auf unsere Augen.

ZEIT: Aber genau das tut doch Rembrandt. Seine Bilder sind immer Bild-Erfindungen und erschöpfen sich nicht im naturalistischen Nachpinseln.

Greenaway: Da muss ich Ihnen widersprechen. Nehmen Sie das Nachtwachen-Bild, das will Sie doch davon überzeugen, dass es ein Stück des realen Lebens ist, ein Fenster zur Welt. Ich hingegen habe immer daran gearbeitet, gerade mit meinen Filmen, dass sie nicht wie reales Leben aussehen und kein Fenster zur Welt sind. Wenn ich auf die Welt schauen will, dann gucke ich hier in meiner Wohnung aus dem Fenster, dafür brauche ich die Kunst nicht. Ich halte es da mit Picasso, der hat gesagt: Ich male nicht, was ich sehe, ich male, was ich denke.

ZEIT: Und was ist mit Vermeer, den Sie so schätzen? Der malt doch auch naturalistisch.

Greenaway: Eher überspringt er das Naturalistische. Viele seiner Bilder durchbrechen den Realismus und gewinnen eine Art ikonischer Präsenz, sie werden auf eine stille Weise anbetungswürdig. Rembrandts Bilder sind hingegen meist anekdotisch. Es ist nichts Klassisches in seiner Kunst, weil er sich vor allem für den Augenblick interessiert, für das Flüchtige, auch für das Gewöhnliche.

ZEIT: Ist er deshalb heute so beliebt?

Greenaway: Das ist bestimmt ein wichtiger Grund. So hat Rembrandt ja einige der erotischsten Nackten in der ganzen westlichen Kunstgeschichte gemalt. Erotisch sind diese Frauen vor allem deshalb, weil sie wie die Mädchen von nebenan aussehen. Sie sind nicht heroisch, sind nicht entrückt, sie stehen nicht als Juno oder Minerva auf einem Sockel. Es hat ja so manche Klagen über Rembrandt gegeben, weil man bei seinen Frauen ab und an sogar die Spuren des Strumpfbands an den Beinen sehen kann. Doch gerade diese Liebe für das Alltägliche ist es, die Rembrandt so populär macht.

ZEIT: Ebenso populär sind im Moment viele seiner Kollegen des 17. Jahrhunderts, Rubens etwa, der riesige Besuchermengen anlockt. Fast könnte man meinen, wir erlebten gerade so etwas wie die Renaissance des Barock.

Greenaway: Ich glaube, unsere Gegenwart ist noch barocker, als es das Barock je war. Die Umbrüche und Verschiebungen sind mindestens so groß wie damals, riesige Informationsmengen stürzen auf uns ein, massenhaft oberflächliche Details, wohin man auch sieht. Wir sind von der barocken Idee besessen, dass die Quantität in Qualität umschlagen wird.

ZEIT: Ist es diese Idee, die Sie mit ihren Filmen immer wieder ins 17. Jahrhundert ziehen lässt?

Greenaway: Damals begann halt die moderne Geschichte, es entwickelte sich die Aufklärung und die Empfindsamkeit. Und plötzlich spielte die Kunst eine ganz großartige Rolle, was mich als Maler natürlich besonders fasziniert. Die Engländer, die zu Rembrandts Zeiten nach Holland kamen, waren hocherstaunt darüber, in jedem Haus ein gutes Dutzend Gemälde vorzufinden. So etwas kannte man bei ihnen zu Hause nicht. Es gab in Holland damals eine sehr ungewöhnliche Beziehung zwischen dem Künstler, der Öffentlichkeit und den Bildmotiven. Vor dem Goldenen Zeitalter wurden die meisten Bilder von Aristokraten oder von der Kirche in Auftrag gegeben, die Kunst war elitär. Danach wurden die Künstler autonom, die Kunst war egozentrisch. Und nur in den 70 Jahren dazwischen gab es diese sehr einzigartige, sehr ideale Übereinstimmung. Jeder verstand, was der je andere wollte und brauchte, die Künstler fanden für sich einen idealen Ort in der Gesellschaft. Da lässt sich viel für heute lernen.

ZEIT: Was zum Beispiel?

Greenaway: Heute halten ja viele Leute die Malerei für etwas sehr Abgelegenes und Unbedeutendes. Das ist ein fürchterlicher Irrtum. Die Malerei ist immer vorneweg, wenn es um gesellschaftliche oder philosophische Entwicklungen geht. Schauen Sie sich doch das 20. Jahrhundert an, alle philosophischen Bewegungen begannen mit Malerei. Kubismus, Surrealismus, Minimalismus, Strukturalismus und so weiter. Immer formuliert sich dort eine neue Weise, über die Welt nachzudenken. Für mich ist die Malerei die Führende aller Künste.

ZEIT: Aber das Kino ist doch viel einflussreicher?

Greenaway: Was? Oh, nein, nein, das Kino ist am Ende. Das Kino hat seit Jahrzehnten nichts Neues mehr hervorgebracht. Was Sie da zu sehen bekommen, sind doch nur abgefilmte Bücher, nichts weiter. Zum Beispiel Martin Scorsese – der macht genau das, was ein David Griffith vor achtzig Jahren schon gemacht hat. Dieselbe Art zu erzählen, dieselben Dramaturgien, dieselbe christliche Moral. Eine eigene Sprache hat das Kino bislang nicht gefunden, es hängt immer noch an den narrativen Strukturen des 19. Jahrhunderts. Ganz anders als die Malerei, die sich ständig neu erfindet.

ZEIT: Wie erklären Sie sich das?

Greenaway: Na, es liegt daran, dass die meisten Produzenten vom Kino, also von den Bildern, nichts verstehen. Wenn ich bei denen mit zwei Gemälden, drei Lithografien und einem Skizzenbuch ankäme, um ihnen einen neuen Film vorzuschlagen, dann würde ich doch ausgelacht. Das Einzige, was die verstehen, sind Bücher – wie lächerlich. Man muss allerdings zugeben, dass es in der Malerei auch viel leichter ist, etwas wirklich Radikales zu tun. Francis Bacon hat einmal gesagt, er habe von 100 Bildern ungefähr 99 weggeworfen. Wenn ich so etwas mit meinen Filmen machen würde, ich wäre längst bankrott. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe es, Filme zu drehen. Doch ich hasse es, ins Kino zu gehen.

ZEIT: Vielleicht gehen Sie in die falschen Filme.

Greenaway: Nein, es gibt ja nur die eine Sorte Film, nämlich die autoritäre Sorte. Vor dem Fernseher haben Sie die Freiheit, ins nächste Programm zu zappen. Im Museum haben Sie die Freiheit, sich die Mona Lisa drei Sekunden, drei Stunden oder drei Tage lang anzusehen. Im Kino hingegen liegt die Kontrolle ganz beim Regisseur, er bestimmt über das, was ich sehe und wie lange ich es sehe.

ZEIT: Warum aber holen Sie dann Rembrandt ins Kino? Warum lassen Sie ihn nicht dort, wo er ist?

Greenaway: Warum sollte ich nicht versuchen, den Film weiterzuentwickeln? Vielleicht scheitere ich, vielleicht auch nicht. Jedenfalls will ich mich nicht maulend zurückziehen und das Feld nur den anderen überlassen. Rembrandt hat seine Nachtwache als Bühnenstück gemalt, jetzt holen wir diese Bühne ins Kino. Und außerdem – Sie werden staunen – verwandeln wir das Reichsmuseum in ein Theater auf Zeit.

ZEIT: Um Rembrandt einen noch größeren Auftritt zu verschaffen?

Greenaway: Nein, um die Nachtwache einmal anders zu zeigen. Wir werden einen Zuschauerraum davor aufbauen, es neu ausleuchten, es mit Lichteffekten inszenieren.

ZEIT: Warum denn bloß darf die Kunst nicht für sich selbst sprechen?

Greenaway: Was für eine dumme Idee ist das, ein Museum müsse sich immer möglichst neutral verhalten! Es gibt keine Objektivität, also finde ich es gut, das Subjektive anzuerkennen. So eine persönlich geprägte Inszenierung kann sehr belebend wirken, sie muss ja auch nicht von Dauer sein.

ZEIT: Heißt das, 2007 ist Rembrandt dann wieder Rembrandt?

Greenaway: Wenn alles gut geht, wird Rembrandt dann ein anderer Rembrandt sein als heute.

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Die Fragen stellte Hanno Rauterberg - http://www.zeit.de/2006/01/Rembrandt-Greenaway

Quellen: http://de.wikipedia.org/wiki/Rembrandt - http://www.rembrandt400.nl/ - Rembrandt Meister der Kunst Braun & Co. - http://www.wga.hu/frames-e.html?/html/r/rembran/painting/portrai1/index.html - diverse weitere Bücher - Meyers Enzyklopädisches Lexikon usw.

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