{"id":5121,"date":"2022-12-17T13:06:35","date_gmt":"2022-12-17T12:06:35","guid":{"rendered":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/?p=5121"},"modified":"2023-01-04T08:45:17","modified_gmt":"2023-01-04T07:45:17","slug":"im-rechtlosen-raum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/2022\/12\/17\/im-rechtlosen-raum\/","title":{"rendered":"Im rechtlosen Raum\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<p>Im rechtlosen Raum<br>Station 84<br>Psychiatrie, Vivantes Klinikum Neuk\u00f6lln<\/p>\n\n\n\n<p>Vorwort<br>Nat\u00fcrlich sind nicht alle Pflegekr\u00e4fte und \u00c4rzte so \u201eb\u00f6se und lieblos\u201c, wie ich im folgenden beschreibe, aber das folgende habe ich erlebt und das ist das kranke Gesundheitssystem in diesem unserem Lande. Man k\u00f6nnte nat\u00fcrlich trefflich dar\u00fcber streiten, ob es nur das Gesundheitssystem ist. Vielleicht l\u00e4uft dann doch bei uns mehr als das, was ich beschreibe schief.<\/p>\n\n\n\n<p>Start:<\/p>\n\n\n\n<p>Ich, Susanne Albers aus Berlin, 57 Jahre alt, habe folgendes erlebt:<\/p>\n\n\n\n<p>Am 4. Dezember 2022 legte ich mich morgens fr\u00fch um 6:00 Uhr nackt auf unsere Wiese unter den Ahornbaum im Hinterhof am Kiehlufer.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Beweggr\u00fcnde, daf\u00fcr lasse ich erst mal weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Freundin Bettina Werner, 58 Jahre alt, kam hinter mir her und stellte sich besorgt auf den Laubengang.<br>Sie rief mir zu: \u201e Susanne, steh auf, es ist kalt\u201c.<br>Ich antwortete: \u201eerst wenn du sagst, dass ich Gott bin\u201c.<br>\u201e nein, du bist nicht Gott, du bist Susanne\u201c sagte Bettina.<br>Darauf antwortete ich \u201edann steh ich auch nicht auf\u201c<br>Dieses Spiel wiederholt sich ein, zweimal.<br>Bettina war sehr besorgt um mich. Schlie\u00dflich war es kalt und so rief sie die Feuerwehr.<br>Ich lag immer noch nackt im Hinterhof, da traf die Feuerwehr ein.<br>Soweit ich mich erinnere, waren es drei Feuerwehrleute. Sie lie\u00dfen sich von Bettina schildern, was geschehen war. Dann kamen sie zu mir.<br>Ein Feuerwehrmann sagte: \u201eFrau Albers, nun stehen sie doch auf, es ist kalt\u201c<br>Nein, sagte ich erst wenn Bettina sagt, dass ich Gott bin<br>Ein anderer Feuerwehrmann hatte eine goldene Alufolie und wollte sie unter mich legen. Damit war ich nicht einverstanden und legt mich wieder daneben.<br>Schlie\u00dflich kam noch die Polizei.<br>Der Feuerwehrmann wurde nerv\u00f6s, \u201emeine G\u00fcte, es ist kalt, es ist Dezember stehen sie endlich auf.\u201c<br>Ich bin passiv und still liegen geblieben und sagte: \u201e Wenn Bettina sagt, dass ich Gott bin, stehe ich sofort auf.\u201c<br>Dann zerrten alle drei Feuerwehrleute schmerzhaft an mir herum und deckten mich mit der Alufolie zu. Das wollte ich nicht Ich nahm die Alufolie von meinem K\u00f6rper.<br>Dann sagte ich: \u201e Bettina, dann bist du Gott, wenn du sagst, dass du Gott bist stehe ich auf\u201c<br>Bettina rief: \u201enein, ich bin nicht Gott ich bin Bettina und du bist Susanne\u201c.<br>Ich rief zu Bettina: \u201eOkay, dann bist du der Teufel und ich bin die Ausgeburt der H\u00f6lle. Ich kann mich auch ganz klein machen. Ist dir das recht?\u201c<br>Nein, rief Bettina, du bist Susanne und ich bin Bettina.<br>Die Gesamtsituation war total angespannt die Feuerwehrleute wurden nerv\u00f6s. Wieder sagten sie, Frau Albers stehen sie endlich auf sie k\u00f6nnen hier nicht liegen.<br>Bettina erz\u00e4hlte, dass ich 2009 eine Psychose hatte, sie Angst um mich hat, dass ich mir wieder die Hand abschneiden w\u00fcrde und dass jetzt wieder etwas passieren w\u00fcrde.<br>Ich blieb stur und blieb liegen.<br>Einer der Feuerwehrleute sagte, so geht es nicht, wir nehmen sie jetzt mit.<br>Die Feuerwehrleute breiten wieder die goldene Alufolie aus und dann ging\u2019s los : sie zogen, und sie zerrten an meinen H\u00e4nden, Armen, Beinen und F\u00fc\u00dfen, ein Polizist fesselte mir die H\u00e4nde mit Handschellen auf dem R\u00fccken, deckten mich mit Alu Folie ab. Ich hatte starke Schmerzen und Sch\u00fcrfwunden, Ich schrie ohne Ende. Nach einigen weiteren dramatischen Minuten hatten sie mich in den Notarztwagen gelegt.<br><br>Bettina blieb besorgt zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich fasse also kurz zusammen: \u201eIm Deutschland 2022 ist es im Dezember verboten, sich morgens um 6:00 Uhr nackt und absolut passiv in den Hinterhof zu legen. Wenn man das tut, wird man von der Feuerwehr und Polizei abgeholt und in die Psychiatrie gebracht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Da ich im Stadtteil Berlin Neuk\u00f6lln wohne, ist f\u00fcr mich das Vivantes Klinikum Neuk\u00f6lln zust\u00e4ndig.<br>Ich lag im Feuerwehrwagen, H\u00e4nde auf den R\u00fccken gefesselt, fixiert und zitterte wie Espenlaub.<br>Nach etwa 15 Minuten Fahrt trafen wir ein.<br>Das Feuerwehrauto hielt auf der Rampe, die Feuerwehrleute, stiegen aus, \u00f6ffneten die Heckt\u00fcren und wuchten, die Trage, auf der ich lag aus dem Auto heraus.<br>Dann schob man mich stark ruckelnd in die Notaufnahme.<br>Dort angekommen, fanden sich sofort einige Pfleger und \u00c4rzte an meiner Trage. Es herrscht gro\u00dfe Aufregung.<br>Die Feuerwehrleute schilderten ihre Sicht der Dinge der \u00c4rztin und man schob meine Trage weiter in den Raum hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich war ich v\u00f6llig passiv und schuldlos in dieses Schlamassel hinein geraten. Ich hatte niemandem etwas getan. Ich hatte nur nackt auf der Wiese gelegen, und jetzt liege ich gefesselt auf einer Trage in der Notaufnahme.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich blieb dabei. Ich war die Liebe. Ich war Gott, mein Dauerhelfer ist Lucy. Lucy war meine Cocker Spaniel H\u00fcndin, und f\u00fcr mich ist sie so etwas wie der heilige Geist. Jetzt gibt es Lucy nicht mehr, weil sie gestorben ist aber daf\u00fcr gibt es unsere Katze Laura. Laura nimmt jetzt Lucys Stellung ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wenn ich in Not bin, dann habe ich einen Trick ersonnen, mit dem ich mir helfen kann. Auf meiner Homepage gibt es ein Lied von Carole King. Es hei\u00dft you\u2019ve Got a Friend. Sobald man mir dieses Lied vor spielt, wird alles gut. Und ganz klar musste etwas passieren. Ich war in h\u00f6chster Not.<br>Und so geschah es auch. Pl\u00f6tzlich stand ein Pfleger namens Mohammed neben meiner trage. Er war ganz lieb, streichelte \u00fcber meine Wange und sagte: Susanne alles wird gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine gefesselten H\u00e4nde auf dem R\u00fccken schmerzten unendlich doll. Ich war schmutzig, vom zerren im Hinterhof und eine \u00c4rztin kam und sprach mich forsch an. Daran kann ich mich nicht mehr so gut erinnern. Daf\u00fcr wei\u00df ich aber sehr genau, was ich getan habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich zitterte und stotterte und sagte, ich bin die Liebe. Ich sende Ihnen ganz viel Liebe. Dann sagte ich noch, man solle meine Homepage \u00f6ffnen und Carole Kings Lied abspielen. Und ich fing an Weihnachtslieder zu singen.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann wurden dann die Handschellen auf meinem R\u00fccken gel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>Die n\u00e4chsten Stunden war ich so platt, dass ich mich bewusst kaum an etwas erinnern kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Als mein Bewusstsein wieder einsetzte, erwachte ich in einem Krankenhaus Zimmer. Ich war weder gewaschen, noch von all den Schmutz, den ich von der Wiese mitgebracht hatte, befreit worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Drau\u00dfen auf dem Flur ersp\u00e4hte ich andere Patienten und Pflegekr\u00e4fte.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich war sonnenklar. Ich bin die Liebe. Die Liebe ist nicht k\u00e4uflich. Sie sendet Liebe, und sie kann auf keinen Fall etwas B\u00f6ses tun. Doch genau damit bekam ich es, hier auf dieser Station zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin sehr spirituell und hellf\u00fchlig und kann wei\u00dfe Magie von schwarzer Magie unterscheiden. Ich merke sehr genau, welche Personen vor meinem Zimmer vorbei liefen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Nachhineiein erz\u00e4hlte mir ein Pfleger, dass mein Blutdruck unentwegt bei etwa 250\/130 lag, und man sich sorgte, ich bek\u00e4me einen Schlaganfall. Ich wurde dann mehrfach gefragt, wie es mir geht. Ich antwortete jedesmal: \u201ces geht mir sehr gut\u201c und sendete weiter Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich fing einfach an jedes Mal, wenn eine Person an meinem Zimmer vorbei lief, Liebe zu senden. Die T\u00fcr stand offen, ich sagte immer wieder Ich sende ganz viel Liebe. Ich sende ganz viel Liebe. Und ich sang Weihnachtslieder. So ging das locker, stundenlang.<br>Die so genannten Schwarzmagier, die ich identifizierte, warfen mir zun\u00e4chst b\u00f6se Blicke zu. Sp\u00e4ter, trauen Sie sich nicht an meiner T\u00fcr vorbei, beschimpften mich und warfen mir Fl\u00fcche an den Kopf. Ich stand auf und trat kurz in den Flur. Auch dort, sagte ich, ich sende Liebe, ich sende Liebe. Diese so genannten Schwarzmagier waren zwei Frauen, die immer miteinander und nebeneinander liefen und zwei einzelne M\u00e4nner.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich erkl\u00e4rte ich mich; ich sei die Liebe, und die Liebe ist das gr\u00f6\u00dfte, was es gibt, und sei immer viel, viel st\u00e4rker als aller Hass und jedes B\u00f6se, was es geben k\u00f6nnte. Und ich sagte, weil ich die Liebe jetzt da sei, w\u00fcrde es nichts B\u00f6ses mehr geben. Schlie\u00dflich betonte ich noch, dass ich weder provozierbar noch k\u00e4uflich sei, und mich auf keinen Fall durch ein Wunder beweisen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit gingen die Provokationen los. Es begannen Schreiereien, Streitereien, T\u00fcren schlugen, schr\u00e4nke knallten. Und jedes Mal rief ich in die entsprechende Richtung. Ich sende liebe ich sende liebe, ich bin st\u00e4rker als alles b\u00f6se und jeder Hass.<br>Und dann legte ich mich wieder auf mein Bett, und sang lauthals Weihnachtslieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann soll es noch eine schwere Rangelei mit meiner Beteiligung gegeben haben. Ich soll auf die beiden von mir so bezeichneten schwarz magischen Hexen losgegangen sein, soll Ihnen die Haare rausgerissen haben und sie geschlagen haben leider kann ich mich daran nicht erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sendete weiter Liebe und sang Weihnachtslieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Und weil mein Liebe senden und Weihnachtslieder singen, so unglaublich gef\u00e4hrlich ist, wurde ich per richterlichem Beschluss gem\u00e4ss PsychKG bis zum 20. Dezember 2022 hier untergebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile hatte ich erfahren, dass ich in der Psychiatrie in Pavillon 2 auf Station 84 lag.<br>Bevor ich jetzt alle kleinen Einzelheiten schildere, m\u00f6chte ich einmal den Stationsalltag beschreiben:<\/p>\n\n\n\n<p>Um 8:00 Uhr gibt\u2019s Fr\u00fchst\u00fcck auf dem Tablett, das man sich vom Wagen holen muss. Danach muss man sich anstellen, um seine Medikamente zu nehmen. Es ist selbstverst\u00e4ndlich nicht klar, dass man wirklich seine eigenen Medikamente mit aut idem Original bekommt. Deshalb muss man immer darauf achten, welche Tabletten dort in den Sch\u00e4chtelchen drin sind. Um 12:00 Uhr gibt es Mittagessen, um 15 Uhr gibt es Kaffee (selbstverst\u00e4ndlich koffeinfrei) und um 18:00 Uhr gibt es Abendessen<br>Montags ist Zimmer Visite durch die Stations\u00e4rztin. Dienstags und Donnerstags ist Oberarzt Visite, wo man in einen Raum gerufen wird, wo dann der Oberarzt die Stations\u00e4rztin, die Pfleger und eine Dame vom Sozialdienst sitzt.<br>Ob sich jemand w\u00e4scht oder ob das Bett eventuell dreckig ist, interessiert die Pflegekr\u00e4fte einen Schei\u00dfdreck. Die Putzfrau wischt nur einmal im Kreis, in den Duschen herrscht Schimmelbefall.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin jetzt den 13. Tag hier, und nun beschreibe ich, wie f\u00fcr uns Patienten der Stationsalltag l\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst einmal sei erw\u00e4hnt, dass ich in all den 13 Tagen keine neue Bettw\u00e4sche erhalten habe und auch mit einer replantierten Hand nicht in der Lage bin mein Bett neu zu beziehen. Wenn ich darauf das Pflegepersonal anspreche, wird kommentarlos nicht reagiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Positiv erw\u00e4hne ich, dass man mir wenigstens die Butter aufs Br\u00f6tchen geschmiert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Patientin habe ich noch nie in anderen Klamotten gesehen. Sie tr\u00e4gt Tag und Nacht eine dicke Jacke Silikonhandschuhe eine Kapuze, und sie sitzt in oder vor ihrem Zimmer auf dem Flur und redet und krakeelt lauthals Tag und Nacht. Sie ruft sehr oft bei den unterschiedlichsten Polizeidienststellen Berlins an und beschwert sich \u00fcber alles m\u00f6gliche. Da wir hier im Altbau sind, kann man das auch bei geschlossenen T\u00fcren und trotz Kopfh\u00f6rer \u00fcberall h\u00f6ren. Tag und Nacht hat sie ihr Handy in der Hand redet, h\u00f6rt Musik telefoniert, singt mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere sehr viele \u00e4ltere Patientin hat ihr Zimmer am Ende des Flurs und geht etwa 30-40 mal pro Tag den Flur entlang bis zur Kanzel des Pflegepersonals, dann biegt sie links ab und steuert Richtung Raucherraum. Im Raucherraum schnorrt sie eine Zigarette, l\u00e4sst sich die Zigarette anz\u00fcnden, zieht einmal daran und macht die Zigarette dann aus. Dann verl\u00e4sst sie wieder den Raucherraum, geht an der Kanzel vorbei Richtung ihres Zimmers, setzt sich aufs Bett, wartet einen kleinen Moment und dann geht sie wieder los und dann geschieht das selbe Spiel von neuem.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Patient konnte mein Liebe senden, nicht ertragen und hat sich ein Bettbezug \u00fcber den Kopf gezogen, bedrohte mich mit einem laufenden F\u00f6n und veranstalte vor meinem Zimmer ein schwarz magischen Tanz.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Patientin lebt im betreuten Wohnen. Ihr wurde zum 31. Dezember die Wohnung gek\u00fcndigt es sei denn, sie geht in die Psychiatrie und l\u00e4sst sich f\u00fcr verr\u00fcckt erkl\u00e4ren. Sie wird unter Androhung von Obdachlosigkeit dazu gezwungen, Neuroleptika zu schlucken, einer der Pfleger sagte ihr, es h\u00e4tte schwere Konsequenzen, wenn sie die Tabletten nicht nehmen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade kommt ein \u00e4lterer Herr den Flur entlang und fragt mich und meine Zimmernachbarin, wie er hier raus kommt und was er daf\u00fcr bezahlen muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch eine weitere \u00e4ltere Patientin geht den ganzen Tag lang in alle Toiletten und Duschen holt sich die Papierhandt\u00fccher aus den F\u00e4chern und verstopft damit die Toiletten und Waschbecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere etwa 18-j\u00e4hrige Patientin hat Freigang, m\u00f6chte aber nicht mehr leben und legt sich so ungef\u00e4hr dreimal pro Tag auf die Stra\u00dfe wird von der Polizei einkassiert und wieder auf unsere Station zur\u00fcckgebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Ablenkung, sorgt der Raucherraum. Ein Patient mit gelben Fingern\u00e4geln und gr\u00fcnen Fu\u00dfn\u00e4gel l\u00e4uft dort gerne im Kreis wichst unter seiner Schlafanzughose an seinem Penis und ich warte nur darauf, bis er mir seinen Erguss ins Gesicht spritzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade sitze ich wieder im Raucherraum, dort erz\u00e4hlt mir ein anderer Patient, dass ein Opa auf unserer Station eingezogen sei, der an der Pflegekr\u00e4fte Kanzel ewig lang gefragt hat, wo man hier Hosentr\u00e4ger kaufen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere etwa 70-j\u00e4hrige Patientin hat den Tag und Nacht Rhythmus vergessen und tanzt und singt gern des Nachts \u00fcber den Flur. Sie singt \u00fcbrigens sehr h\u00fcbsch nur leider kann man da nicht mehr schlafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Raucherraum passiert sowieso unglaubliches. Gestern sa\u00df dort ein Patient und redete und redete und redete einfach nur vor sich hin. Dann kam ein zweiter Patient hinzu der davon so genervt war, dass auch er anfing zu reden und zu reden und zu reden, allerdings in Englisch. Ich sa\u00df auch im Raucherraum man kann sich \u00fcberhaupt nicht vorstellen, wie unglaublich entspannend es ist, dort eine Zigarette zu rauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ich ja keine Ahnung hatte, wie die Stationszimmer Visite abl\u00e4uft fragte ich eine Schwester. Die Schwester sagte, es geht immer rechts herum. Die fangen Zimmer eins an bis unten zum Flur und gehen dann auf der linken Seite wieder zur\u00fcck. Ich bin in Zimmer vier, aber es ist klar, diese Station baut auf Provokation. Unser Zimmer Nummer vier wurde \u00fcbersprungen und es ging dann einfach Nummer f\u00fcnf weiter. Ich und meine Zimmernachbarin sollten provoziert werden, einen Affenaufstand zu machen, damit wir endlich an der Reihe waren. Und wenn wir diesen Affenaufstand dann machen, dann wird nat\u00fcrlich unser Aufenthalt per richterlichem Beschluss verl\u00e4ngert. Es soll ja Spa\u00df machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese ganze Provokationsgeschichte geh\u00f6rt eigentlich in einen extra Abschnitt, denn darauf baut das Stationsgeschehen auf. Nehmen wir nur einmal das Beispiel der Toiletten: Logo. Wenn eine Patientin t\u00e4glich stundenlang \u00fcber den Flur marschiert und alle Abfl\u00fcsse verstopft, ist es logisch, dass sich alle anderen Patienten dar\u00fcber aufregen, wenn sie nicht pinkeln oder kacken k\u00f6nnen. Selbstverst\u00e4ndlich geht man dann zum Pflegepersonal und beschwert sich dar\u00fcber, was macht das Pflegepersonal? Es tut so, als h\u00e4tte es das nicht geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am vergangenen Mittwoch bin ich morgens um sieben aufgewacht hab mir meine Zigaretten geschnappt und bin auf den Flur gegangen. Was hab ich gesehen? Der ganze Flur stand unter Wasser, eine Schwester und eine Patientin wischten das Wasser mit einem Schieber weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich k\u00f6nnte noch Unmengen weiteres schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Beispiel \u00fcber die Angst der Patienten vor der Macht der \u00c4rzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine pers\u00f6nliche Situation verh\u00e4lt sich nun aber der Gestalt, dass, wenn ich auch nur den kleinsten Fehler mache, sich mein Aufenthalt hier verl\u00e4ngert, weil die \u00c4rzte und Pflegekr\u00e4fte am l\u00e4ngeren Hebel sitzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und schliesslich hab ich in meiner Not auch mal bei der Polizei und dem Berliner Krisendienst angerufen und um Hilfe gebeten. Die ganz klare Antwort lautete: \u201cFrau Albers ab Freitag 15:00 Uhr ist kein Richter mehr da; Sie m\u00fcssen das bis Montag ertragen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe also absolut Null Rechte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin wegen der Schlaflosigkeit und diesem Dauerstress, dem wir alle ausgeliefert sind, derart angefressen und sauer, dass ich das nicht mehr in Worte fassen kann.<br>Nat\u00fcrlich bin ich auch nicht bl\u00f6d. Ich gehe weiter \u00fcber die Station und sende Liebe und ab und an singe ich noch ein kleines Weihnachtslied.<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte auch nochmal zur\u00fcck denken. Was w\u00e4re gewesen, wenn Bettina gesagt h\u00e4tte: Susanne du bist Gott. M\u00f6glicherweise w\u00e4re ich einfach aufgestanden, wieder zur\u00fcck in die Wohnung gegangen. Aber wer wei\u00df das schon?<\/p>\n\n\n\n<p>Ja ich kann Bettina gut verstehen, f\u00fcr sie war es genau wie f\u00fcr mich purer Stress; nur was ist jetzt wenn ich am Dienstag meinen letzten Tag habe und am aller liebsten um 0:01 Uhr die Station verlassen m\u00f6chte dann komme ich wieder zu Bettina wenn dann wieder irgendetwas ist? Wird sie mich wieder in die Psychiatrie einweisen lassen, nachdem sie mitgekriegt hat, was hier so l\u00e4uft?<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht Ich, sondern Bettina ist am Arsch. Und so ist es jeder Angeh\u00f6rige der Angst um sein Familienmitglied hat und wegen ihr oder ihm die Feuerwehr ruft.<\/p>\n\n\n\n<p>Ach so, und das allerbeste kommt noch: am 20. Dezember um 23:59 Uhr l\u00e4uft mein richterlicher Beschluss aus. Ich hab mit einem Anwalt telefoniert. Er sagt ich k\u00f6nnte dann eigentlich um 0:01 Uhr am 21. Dezember gehen. Nun habe ich aber hier auf der Station erfahren, dass man erst am Folgetag um 15:00 Uhr gehen darf. F\u00fcr mich ist das pure Willk\u00fcr und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Das ist Macht in falschen H\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade gestern war hier eine Patientin, die auf gepackten Sachen um 15:00 Uhr sa\u00df und eigentlich raus durfte und raus wollte; und was war? Sie durfte nicht, sie musste hier bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und m\u00f6glicherweise ist es weiterhin so, das ich mir selber k\u00f6niglich ans Bein pisse, wenn ich diesen Text vor meiner Entlassung ver\u00f6ffentliche, aber ich glaub das ist es mir wert.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Gesundheitssystem und unser Rechtssystem w\u00fcrde am Ende eventuell sogar kommen und sagen okay: Susanne, Paragraph 51, sie ist unzurechnungsf\u00e4hig. Also kann die das alles gar nicht ernst gemeint haben, was sie gerade geschrieben hat und sie ist ja sowieso schizophren und v\u00f6llig verbl\u00f6det.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es wirklich so einfach?<br>Ist das wirklich so einfach, als Arzt oder als Pflegekraft machtgeil zu sein?<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Arzt und jede Pflegekraft k\u00f6nnte auch in einem ganz anderen Gesundheitsbereich, als gerade in der Psychiatrie arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade komme ich von der Toilette. Die Brille war voll gekotzt. Nat\u00fcrlich hat es keiner weg gewischt; soll das wirklich die Normalit\u00e4t in Deutschlands Psychiatrien sein?<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Bettnachbarin erz\u00e4hlte mir gerade, gestern war die selbe Klobrille voll geschissen wurde auch nicht weggewischt aber es ist ja v\u00f6llig normal.<\/p>\n\n\n\n<p>Okay, in der K\u00fcrze liegt die W\u00fcrze. Ich glaube, ihr habt verstanden, was ich meine.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sollten wohl doch die ein oder andere Kleinigkeit oder sagen wir mal Grossigkeit \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Gr\u00fc\u00dfe Susanne<br>Berlin, den 17.12.2022<\/p>\n\n\n\n<p>######## p.s. am 20.12.2022, durfte ich nach einigem Hin und Her ab 15:00 Uhr gehen und war um 17:55 Uhr zuhause  &#8211; der Pfleger sagte, ich sein zwar noch bis 23:59 Uhr &#8220;per richterlichen Beschlu\u00df untergebracht&#8221;, aber man verzichtet darauf, mir die Polizei hinterher zu schicken. #######<\/p>\n\n\n\n<p>p.p.s. am 24.12.2022 war mein covidtest positiv, ich habe mich auf der station 84 angesteckt. am 26.12.2022 um 0:30 uhr ging es auch bettina sehr schlecht, sie wurde von der feuerwehr in eine klinik gebracht<a href=\"\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im rechtlosen RaumStation 84Psychiatrie, Vivantes Klinikum Neuk\u00f6lln VorwortNat\u00fcrlich sind nicht alle Pflegekr\u00e4fte und \u00c4rzte so \u201eb\u00f6se und lieblos\u201c, wie ich im folgenden beschreibe, aber das folgende habe ich erlebt und das ist das kranke Gesundheitssystem in diesem unserem Lande. 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