{"id":4532,"date":"2019-09-14T02:05:07","date_gmt":"2019-09-14T00:05:07","guid":{"rendered":"http:\/\/susannealbers.de\/blog\/?p=4532"},"modified":"2020-07-23T03:49:01","modified_gmt":"2020-07-23T01:49:01","slug":"das-weise-licht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/2019\/09\/14\/das-weise-licht\/","title":{"rendered":"Das wei\u00dfe Licht"},"content":{"rendered":"\n<p>Das wei\u00dfe Licht<\/p>\n\n\n\n<p>18. Mai 2000, ein Nachmittag.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Stimme sagte: \u201eEntschuldigung Frau Albers, ich muss Sie das als Erstes fragen: Sie hatten 9 Minuten Nulllinie auf meinem Monitor, haben Sie auf der anderen Seite ein wei\u00dfes Licht gesehen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich verstand nicht, ich lag in meinem Arbeitszimmer auf dem Teppichboden. 10 Augen blickten mich an. Neben mir kniete ein Notarzt, um mich herum standen 3 Sanit\u00e4ter und mein damaliger Ehemann.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine spontane Idee blitzte in mir zur Beantwortung der Frage auf: \u201eDas werde ich dir nie erz\u00e4hlen, wer das nicht erlebt hat, darf auch die Antwort nicht erfahren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Doch was war passiert? Der Notarzt kl\u00e4rte mich auf: \u201eSie hatten einen gro\u00dfen epileptischen Anfall, dabei h\u00f6rte ihr Herz auf zu schlagen; ich musste sie mit dem Defibrillator wiederbeleben; Sie haben uns einen ganz sch\u00f6nen Schrecken eingejagt, wir dachten Sie w\u00fcrden sterben, doch gl\u00fccklicherweise sind sie ja wieder da.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>1 Million Gedanken schossen mir durch den Kopf. Ich hatte es also geschafft. Wer, wie und von wo hatte den Notarzt alarmiert? Warum ist mein damaliger Ehemann pl\u00f6tzlich da? Viele philosophische und theologische Gedanken bewegten mich. Mein Gehirn sp\u00fclte mir die M\u00f6glichkeiten im Tausendstel Sekundentakt durch die Nervenbahnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann war da ja noch seine Frage, was sollte ich ihm nur antworten? Unh\u00f6flich wollte ich auch nicht sein, schlie\u00dflich hatte er mir das Leben gerettet. Aber verraten kam nicht in Frage. Also konzentrierte ich mich zun\u00e4chst auf meine Antwort, ich sagte:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas m\u00f6chte ich Ihnen nicht sagen, das bleibt mein Geheimnis.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas zerknirscht erhob er sich, er h\u00e4tte schon gerne etwas mehr von mir erfahren, das merkte ich Ihm ganz deutlich an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNun erholen Sie sich erst mal mal, kommen Sie in Ruhe wieder richtig zu sich.\u201c sagte der Notarzt. \u201eWir packen dann alles zusammen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem er noch meinen weiteren gesamten Gesundheitszustand \u00fcberpr\u00fcft hatte, merkte er an: \u201eEigentlich w\u00fcrden wir sie jetzt mit ins Krankenhaus nehmen\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich \u00fcberlegte kurz, und antwortete: \u201eNein bitte nicht, Ich m\u00f6chte hierbleiben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich musste noch das \u00fcbliche Formular \u201egegen \u00e4rztlichen Rat\u201c unterzeichnen, und nach einigem hin und her sind sie dann gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein damaliger Ehemann tr\u00f6stete mich und zeigte mir seine Zuneigung. Irgendwie mussten wir uns erst einmal sortieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Was war geschehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts anderes, als das ich bei einem epileptischen Anfall im Vorjahr nach 5 Minuten Nulllinie bei einem anderen Notarzt mit dem Defibrillator wieder da war. Und auch nichts anderes, als ich noch ein weiteres zur\u00fcckliegendes Jahr nach nur 3 Minuten Defibrillator wieder da war.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, so war es an diesem Tag aber nun doch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich f\u00fchlte tief in mir, dass es dieses Mal anders war. Ich konnte es nur nicht beschreiben. Was ich genau wusste war, dass es haarschaf gerade noch einmal so geklappt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann war da dieses unglaubliche Gef\u00fchl der Dankbarkeit Gott gegen\u00fcber. Irgendetwas wird er wohl noch mit mir vorhaben, sonst w\u00e4re ich nicht mehr da.<\/p>\n\n\n\n<p>In meinem Gehirn ratterte es unentwegt. Mein gesamtes bisheriges Leben durchdachte ich im Schnelldurchlauf; sogar alle vergangenen epileptischen Anf\u00e4lle hatte ich genau vor Augen. Alle philosophischen und theologischen M\u00f6glichkeiten die ich bis dato kannte und mir herleiten konnte, verglich ich mit diesem Nahtoderlebnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon nach wenigen Tagen Denkerei gab ich auf. Was auch immer, wo und wie auch immer gewesen sein mag und kommen w\u00fcrde, ich bekam es nicht zusammen gedacht. Es war so unglaublich kompliziert. Ich musste einfach &#8211; wie sagt man &#8211; abwarten und Kaffee trinken. Darin lag nun aber auf keinen Fall meine St\u00e4rke, ich war und bin die Ungeduld in Person.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit diesen 9 Minuten Nulllinie am 18. Mai 2000 schlitterte ich in allen folgenden Jahren von einem hochkar\u00e4tigen pers\u00f6nlichen und gesundheitlichen Gro\u00dfereignis ins N\u00e4chste. Mir blieb die Spucke weg. Alles Sch\u00f6ne, aber auch Schlimme, was man sich vorstellen konnte, war und ist dabei. Und kaum hatte ich mich von dem Einen erholt, ging es mit dem N\u00e4chsten weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend dieser ganzen Zeit \u00fcberlegte ich st\u00e4ndig: Wie konnte das nur wieder geschehen? Warum ich? Was kommt noch? Woher habe ich die Kraft? Wer schickt mir die vielen Ideen f\u00fcr meine Homepage? usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf viele dieser Fragen erhielt ich im Laufe der langen Jahre tats\u00e4chlich eine Antwort. Allerdings erhielt ich sie nicht im typischen Zwiegespr\u00e4ch mit anderen Menschen, sondern ich las sehr viele B\u00fccher aus dem psychologischen, philosophischen und spirituellen Bereich und zog daraus meine Schl\u00fcsse.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit meiner fr\u00fchen Jugend war ich im evangelischen Christentum beheimatet. Man k\u00f6nnte \u00fcber mich sagen: \u201eJa, diese Person ist sehr religi\u00f6s.\u201c Aber zu \u201eglauben\u201c bedeutet f\u00fcr mich nicht, alle Regeln, Dogmen und Thesen die ich bis dato kannte, sang- und klanglos zu befolgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Glauben bedeutet immer auch zu fragen, zu \u00fcberpr\u00fcfen und sich weiter zu entwickeln. Da es angesichts meiner vielen existenziellen Erlebnisse nun aber nicht um Kleinigkeiten ging, stand mein Gottesbild Kopf. Ich stellte im Laufe vieler \u00dcberlegungen meinen gesamten Glauben auf den Pr\u00fcfstein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gott, an den ich glaube und den ich mir vorstelle, muss immer auch der Gott sein, der \u00fcber den indigenen Bewohner des s\u00fcdamerikanischen Regenwaldes, der noch niemals von unserer Zivilisation geh\u00f6rt hat und von ihr beeinflusst wurde, wacht und ihn besch\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles, was f\u00fcr mich gilt, das gilt auch f\u00fcr diesen Indianer.<\/p>\n\n\n\n<p>Und damit bin ich noch lange nicht bei Jesus Christus und dem Neuen Testament.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nicht nur das, es muss ein Gott sein, der nicht nur wacht und besch\u00fctzt, sondern es ist ein Gott, den ich mir auch im Tier und in der Pflanze vorstellen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte dazu ein pr\u00e4gnantes Beispiel heran f\u00fchren: Genau einen Tag nachdem meine Mutter zuhause gestorben war, waren alle ihre Pflanzen auf der gro\u00dfen Fensterbank im Wohnzimmer eingegangen. Es braucht niemand zu mir kommen, der mir erz\u00e4hlt, dass Pflanzen keine Gef\u00fchle h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn schon ich etwas G\u00f6ttliches in mir f\u00fchle, dann gilt das f\u00fcr alles, was es um mich herum gibt. In jedem kleinsten und gr\u00f6\u00dften Teilchen in unserem Kosmos ist etwas G\u00f6ttliches.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gr\u00f6\u00dfe dieses Gottes in uns l\u00e4sst sich daran ermessen, wie sehr wir, im besten Fall, nur durch Liebe geleitet handeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott ist die Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p>In allen Religionen und philosophischen oder ethischen Betrachtungen der Welt gibt es eine mehr oder weniger gleich lautende Formel f\u00fcr ein gelingendes Miteinander. Man nennt sie die Goldene Regel:<\/p>\n\n\n\n<p>Den Kindern sagt man: \u201eBehandle jeden anderen Menschen, wie du selbst behandelt werden m\u00f6chtest\u201c, abgek\u00fcrzt und gereimt: \u201ewas du nicht willst, dass man dir tu, das f\u00fcg auch keinem anderen zu.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>So einfach dieser Satz klingt, so schwer kann im Einzelfall seine Umsetzung sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun hatte ich also diesen Gott, das G\u00f6ttliche, in mir ersp\u00fcrt. Und nicht nur das, ich f\u00fchlte ihn \u00fcberall. Und es ist nicht nur ein \u201eer\u201c, es kann auch eine \u201esie\u201c oder ein \u201ees\u201c sein, das spielt keine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich war sonnenklar, dass das neben mir auch jeder andere f\u00fchlen kann. Gott im Menschen, Gott im Tier, Gott in der Pflanze &#8211; und ganz verwegen, Gott im Sand und im Stein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn irgendwo ein Kind geboren wird, liegt es nur an seiner Sozialisation und seinem Lebensverlauf, wieviel von dieser urspr\u00fcnglichen 100 prozentigen G\u00f6ttlichkeit \u00fcbrig bleibt. Was lasse ich diesem Kind angedeihen, damit es sich bestm\u00f6glich entwickelt? Das ist die Frage, die zu jeder Zeit und in jeder Gesellschaft immer wieder gepr\u00fcft und beantwortet werden muss. Das unschuldige Kind &#8211; und ich gehe weiter, das unschuldige K\u00fcken, das unschuldige Ferkel. Klar schreibe ich idealisiert. Aber das ist mir egal. Wir m\u00fcssen immer wieder pr\u00fcfen, wie weit wir als Menschen in unserer Allmacht gehen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie alt ist der Kosmos? Wie alt ist allein unser Planet? Und wie lange gibt es uns als Menschheit?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich spreche in diesem Text nur f\u00fcr meine Verantwortung f\u00fcr mich und mein Umfeld. Alles was ich tue, verantworte ich auch vor dem g\u00f6ttlichen Anteil in mir. Da ist nicht nur mein immer in Vormachtstellung tretendes Ego, nein, da ist auch Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott und mein Ego. Ich k\u00f6nnte auch schreiben: Gut und B\u00f6se.<\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Umkehrschluss w\u00e4re das die L\u00f6sung. Wer wirkt am st\u00e4rksten in mir?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss das so genannte B\u00f6se, das Ego nicht erst im Au\u00dfen suchen. In meinem gesamten Leben habe ich es oft genug gef\u00fcttert. Es gab Zeiten, da war es riesig gro\u00df in mir.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will nicht darauf hinaus, mein Ego in Zukunft klein zu halten, oder wie die Buddhisten es nennen, allen Anhaftungen zu entsagen, um ins Nirvana einzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin ein Mensch mit positiven und negativen Z\u00fcgen in und an mir. Wie alle anderen auch. Ich habe eine sehr lange Zeit, viel Kraft und Nervenst\u00e4rke gebraucht, zu diesen, hier beschreibenen Erkenntnissen zu gelangen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich pers\u00f6nlich stelle ich fest, dass nicht nur ich in dem Sinne erleuchtet bin, sondern alle anderen Menschen, Tiere und Pflanzen es ebenso sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Erleuchtet zu sein, oder sich g\u00f6ttlich zu f\u00fchlen, ist nichts Besonderes, sondern es wurde uns allen in die Wiege gelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Besondere ist nur, sich selbst zu erkennen, und diese unglaubliche und unendliche Gl\u00fcckseligkeit tats\u00e4chlich zu f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Und um noch einmal auf das wei\u00dfe Licht zur\u00fcck zu kommen: ich kann mich jetzt nicht daran erinnern, und konnte mich auch damals nicht daran erinnern, \u00fcberhaupt etwas gesehen zu haben. Was ich allerdings kann, ist mich an einen Komazustand im Jahre 2009 zu erinnern, der mich mindestens 3, ich schreibe mal vage &#8220;vergangene Leben&#8221;, deren Bilder ich auch heute noch genau vor Augen habe, durchschreiten und erleben liess.<\/p>\n\n\n\n<p>ENDE<\/p>\n\n\n\n<p>Text: Susanne Albers (2019)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das wei\u00dfe Licht 18. Mai 2000, ein Nachmittag. 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