{"id":3735,"date":"2014-09-18T22:08:02","date_gmt":"2014-09-18T21:08:02","guid":{"rendered":"http:\/\/susannealbers.de\/blog\/?p=3735"},"modified":"2014-09-18T22:08:02","modified_gmt":"2014-09-18T21:08:02","slug":"die-sieben-todsunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/2014\/09\/18\/die-sieben-todsunden\/","title":{"rendered":"Die Sieben Tods\u00fcnden"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.susannealbers.de\/03philosophie-todsuenden.html\" title=\"http:\/\/www.susannealbers.de\/03philosophie-todsuenden.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.susannealbers.de\/03philosophie-todsuenden.html<\/a><\/p>\n<p>Das Bild \u201eDie Sieben Tods\u00fcnden\u201c und \u201eDie vier letzten Dinge\u201c, im Museo del Prado in Madrid aufbewahrt, ist die Oberfl\u00e4che einer Tischplatte.<\/p>\n<p>\u201aLemma\u2019 und \u201aEpigramm\u2019 enthalten lateinische Stellen aus Deuteronomium: \u201egens absque consilio est et sine prudentia utinam saperent et intellegerent ac novissima providerent\u201c (32:28f., \u00dcbersetzung nach Luther: \u201eDenn es ist ein Volk, darin kein Rat ist, und ist kein Verstand in ihnen. O, da\u00df sie weise w\u00e4ren und vern\u00e4hmen solches, da\u00df sie verst\u00fcnden, was ihnen hernach begegnen wird!\u201c).[2] \u201eabscondam faciem meam ab eis et considerabo novissima eorum\u201c (32:20): \u201eIch will mein Antlitz vor ihnen verbergen, will sehen, was ihnen zuletzt widerfahren wird.\u201c.[2]<br \/>\nDie Sieben Tods\u00fcnden<br \/>\nDie Darstellung<br \/>\nDas Hauptbild, die Tods\u00fcnden, bildet den gr\u00f6\u00dferen Mittelteil des Tisches. Um dieses Rundbild (Tondo) herum sind in den Ecken des Tischs vier weitere Tonden angeordnet, die \u201eDie vier letzten Dinge\u201c, n\u00e4mlich das \u201eSterben\u201c, das \u201eJ\u00fcngste Gericht\u201c, den \u201eHimmel\u201c und die \u201eH\u00f6lle\u201c abbilden. Sie sind in ihrer Darstellung eher starr und konservativ, es ist auch nicht sicher, ob Hieronymus Bosch diese Bilder angefertigt hat.<\/p>\n<p>\u201eDie Sieben Tods\u00fcnden\u201c ranken sich um \u201eDas Auge Gottes\u201c, in dessen Pupille Jesus Christus zu sehen ist, der seine Wundmale zeigt. Untertitelt ist diese Abbildung mit dem lateinischen Text: \u201eCave cave dominus videt\u201c (\u201eH\u00fcte dich, h\u00fcte dich, der Herr sieht [es]\u201c). Den einzelnen Darstellungen der Tods\u00fcnden hat Bosch eine Richtung zugewiesen: Der kompositorische Schwerpunkt der Bilder neigt sich \u2013 durch eine angedeutete Bewegung, durch Blicke der Figuren \u2013 nach rechts. Ein Betrachter, der sich von den Abbildungen leiten l\u00e4sst, w\u00fcrde daher automatisch gegen den Uhrzeigersinn um den Tisch herumlaufen.<\/p>\n<p>Die Bilder sind mit den lateinischen Begriffen der Tods\u00fcnden untertitelt: Beginnend mit der am Fu\u00dfe der Jesusdarstellung sind dies \u201eira\u201c (Zorn), \u201esuperbia\u201c (Hochmut), \u201eluxuria\u201c (Wollust), \u201eacedia\u201c (das einzige griechische Wort: Gleichg\u00fcltigkeit, hier als Tr\u00e4gheit verstanden), \u201egula\u201c (w\u00f6rtlich: Kehle, gemeint: V\u00f6llerei), \u201eavaritia\u201c (Habgier) und \u201einvidia\u201c (Neid). Im Gegensatz zu den Figuren in den Tonden \u201eDie vier letzten Dinge\u201c sind die dargestellten Personen der \u201eSieben Tods\u00fcnden\u201c bis zur Fratze verzerrt.<\/p>\n<p>Die Abbildung des \u201eZorns\u201c zeigt eine Schl\u00e4gerei vor einem Wirtshaus, bei der auch das Mobiliar nicht verschont bleibt. Eine Frau versucht einzugreifen<br \/>\n\u201eHochmut\u201c (im Mittelalter oft als \u201eHoffart\u201c bezeichnet) stellt sich dar als eine Frau, die keinen Blick f\u00fcr ihre Umgebung und schon gar nicht f\u00fcr den Betrachter \u00fcbrig hat, wendet sie ihm doch den R\u00fccken zu. Der vor Ihr befindliche Hausaltar scheint sich zu schlie\u00dfen und statt diesem gilt ihr Blick ausschlie\u00dflich einem Spiegel, den ihr ein teuflisches Wesen vorh\u00e4lt.<br \/>\nDie Abbildung der Tods\u00fcnde \u201eWollust\u201c pr\u00e4sentiert ein Zeltgelage. W\u00e4hrend M\u00e4nner und Frauen sich handelseinig werden, verdrischt ein M\u00f6nch den entbl\u00f6\u00dften Hintern eines Narren mit einem Kochl\u00f6ffel. Die Harfe, Symbol f\u00fcr ein himmlisches Instrument, ist achtlos beiseite geworfen.<br \/>\nMit \u201eTr\u00e4gheit\u201c ist die des Geistes gemeint. Bosch setzt sie in seinem Bild als Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber dem Glauben und Gott um. Ein Geistlicher hat es sich in seinem Lehnstuhl bequem gemacht, die Bibel liegt geschlossen neben ihm.<br \/>\nIn Zeiten, als Hunger noch eine reale Gefahr nach jedem Winter war, galt die \u201eV\u00f6llerei\u201c als besonders verwerflich, da zukunftsgef\u00e4hrdend. Die Szene beherrscht ein widerw\u00e4rtiger Fettwanst, der von einem ebenso fetten und h\u00e4sslichen Kind bedr\u00e4ngt wird, damit er ihm von seinem reichhaltigen Mahl abgebe.<br \/>\nDas Bild \u00fcber die \u201eHabgier\u201c scheint sich in zwei Szenen aufzuteilen: Ersichtlich handelt es sich um eine Gerichtsszene. W\u00e4hrend ein Mann seinen Geldbeutel umklammert, l\u00e4sst sich der Richter von dem hinter ihm Stehenden bestechen, n\u00e4mlich Geld zustecken. Er nimmt diese unrechte Leistung bedenkenlos an.<br \/>\nDie letzte Abbildung, der \u201eNeid\u201c, ist von missg\u00fcnstigen Blicken getragen. Nicht einmal die Tiere sind von dieser Tods\u00fcnde verschont. Ein Hund, dem ohnehin schon zwei Knochen vorliegen, giert nach einem dritten, ein weiterer Hund neidet seinem Artgenossen diese Beute.<\/p>\n<p>http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bilder_von_Hieronymus_Bosch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>http:\/\/www.susannealbers.de\/03philosophie-todsuenden.html Das Bild \u201eDie Sieben Tods\u00fcnden\u201c und \u201eDie vier letzten Dinge\u201c, im Museo del Prado in Madrid aufbewahrt, ist die Oberfl\u00e4che einer Tischplatte. \u201aLemma\u2019 und \u201aEpigramm\u2019 enthalten lateinische Stellen aus Deuteronomium: \u201egens absque consilio est et sine prudentia utinam saperent et intellegerent ac novissima providerent\u201c (32:28f., \u00dcbersetzung nach Luther: \u201eDenn es ist ein Volk, darin &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/2014\/09\/18\/die-sieben-todsunden\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &#8220;Die Sieben Tods\u00fcnden&#8221;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3045,3049,3047,3050,3042,3044,3043,1575,3048,3046],"class_list":["post-3735","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-acedia-das-einzige-griechische-wort-gleichgultigkeit","tag-avaritia-habgier","tag-gula-wortlich-kehle","tag-invidia-neid","tag-ira-zorn","tag-luxuria-wollust","tag-superbia-hochmut","tag-7-todsunden","tag-gemeint-vollerei","tag-hier-als-tragheit-verstanden"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3735","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3735"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3735\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3736,"href":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3735\/revisions\/3736"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3735"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3735"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3735"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}