{"id":2870,"date":"2012-05-08T20:37:46","date_gmt":"2012-05-08T19:37:46","guid":{"rendered":"http:\/\/susannealbers.de\/blog\/?p=2870"},"modified":"2012-05-08T20:38:05","modified_gmt":"2012-05-08T19:38:05","slug":"ein-ehlicher-wortwechsel-zwischen-jupiter-und-seiner-gemahlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/2012\/05\/08\/ein-ehlicher-wortwechsel-zwischen-jupiter-und-seiner-gemahlin\/","title":{"rendered":"Ein ehelicher Wortwechsel zwischen Jupiter und seiner Gemahlin"},"content":{"rendered":"<p><strong>V.<br \/>\nEin ehlicher Wortwechsel zwischen Jupiter und seiner Gemahlin.<\/strong><\/p>\n<p>Juno, Jupiter.<br \/>\nGanymed als stumme Person.<\/p>\n<p><strong>Juno.<\/strong> Seitdem du den Phrygischen Knaben da vom Ida geraubt und hieher gebracht hast, finde ich dich sehr kalt gegen mich, Jupiter.<\/p>\n<p><strong>Jupiter.<\/strong> Du bist also auch \u00fcber den unschuldigen harmlosen Jungen eifers\u00fcchtig? Ich dachte, nur die Weiber und M\u00e4dchen, die gut mit mir stehen, machten dich so \u00fcbellaunig.<\/p>\n<p><strong>Juno.<\/strong> Es ist in Wahrheit gar nicht sch\u00f6n an dir, und schickt sich sehr \u00fcbel f\u00fcr die W\u00fcrde des Monarchen der G\u00f6tter, deine rechtm\u00e4\u00dfige Ehegattin sitzen zu lassen, und da unten auf der Erde in Gestalt eines Schwans oder Stiers oder Satyrs \u00fcberall herum zu buhlen. Indessen bleiben die Creaturen doch noch wo sie hingeh\u00f6ren: aber diesen Hirtenjungen da, hast du, deiner g\u00f6ttlichen Majest\u00e4t zur Schmach, sogar in den Himmel heraufgehohlt, und mir vor die Nase hingesetzt, unter dem Vorwande da\u00df er dir den Nektar einschenken solle; als ob du so verlegen um einen Mundschenken w\u00e4rest, und Hebe oder Vulkan einem so schweren Amt nicht l\u00e4nger vorzustehen vermochten. Aber freylich nimmst du den Becher nie aus seiner Hand, ohne ihm vor unser aller Augen einen Ku\u00df zu geben, der dir besser als der Nektar schmeckt, so da\u00df du alle Augenblicke zu trinken verlangst, wenn du gleich keinen Durst hast; ja du treibst es so weit, da\u00df du den Becher, wenn du ihn nur ein wenig abgetrunken hast, dem Jungen hinreichst und ihn daraus trinken l\u00e4ssest um das, was er \u00fcbrig gelassen hat, als etwas gar k\u00f6stliches aufzuschl\u00fcrfen; und zwar auf der Seite die er mit seinen Lippen ber\u00fchrt hat, damit du zugleich das Vergn\u00fcgen zu trinken und zu k\u00fcssen habest. Und legtest du nicht neulich deine \u00c4gide und deinen Donnerkeil auf die Seite, und sch\u00e4mtest dich nicht, trotz deiner W\u00fcrde und dem gro\u00dfen Bart den du herunter h\u00e4ngen hast, auf dem Boden zu sitzen und mit ihm zu spielen? Bilde dir ja nicht ein, als ob du deine Sachen so heimlich triebest; ich sehe alles recht gut.<\/p>\n<p><strong>Jupiter.<\/strong> Und was ist denn das so entsetzliches, Frau Gemahlin, wenn ich etwa, um mir ein doppeltes Vergn\u00fcgen zu machen, einem so sch\u00f6nen Knaben unterm Trinken einmal einen Ku\u00df gebe? Wenn ich ihm erlaubte dich ein einziges mal zu k\u00fcssen, du w\u00fcrdest mir gewi\u00df kein Verbrechen mehr daraus machen, da\u00df ich seine K\u00fcsse dem Nektar vorziehe.<\/p>\n<p><strong>Juno.<\/strong> Das sind sehr unanst\u00e4ndige Reden, Jupiter! So weit soll es hoffentlich mit meinem Verstande nie kommen, da\u00df ich meine Lippen an einem Phrygischen Hirtenjungen, und dazu an einem solchen weibischen Weichling, verunreinigen m\u00f6chte!<\/p>\n<p><strong>Jupiter hitzig.<\/strong> M\u00e4\u00dfigen Sie Sich in ihren Ausdr\u00fccken, Madame &#8211; dieser weibische Knabe, dieser Phrygische Hirtenjunge, dieser Weichling &#8211; doch, ich will lieber nichts sagen, um mir die Galle nicht noch mehr zu erhitzen!<\/p>\n<p><strong>Juno.<\/strong> O\u00a0meinetwegen kannst du ihn gar heurathen! Ich sagte das nur, um dich zu erinnern, was f\u00fcr Unanst\u00e4ndigkeiten du mich um deines Mundschenken willen zu leiden n\u00f6thigest.<\/p>\n<p><strong>Jupiter.<\/strong> So? dein sauberer Sohn Vulkan also, so schmutzig und mit Kohlenstaub bedeckt, wie er von seiner Schmied-Esse zu Lemnos k\u00f6mmt, der sollte also um die Tafel herum hinken und uns den Wein einschenken?1) Aus solchen Fingern sollten wir den Becher nehmen, und uns wohl gar noch, meynst du nicht? an seinen ru\u00dfichten K\u00fcssen laben, vor denen dir doch selbst ekelt, wiewohl du seine Mutter bist2). Das w\u00fcrde was angenehmes seyn! das w\u00e4re ein Mundschenk der die G\u00f6ttertafel zieren w\u00fcrde! den Ganymed mu\u00df man nach dem Ida zur\u00fcckschicken; denn der ist reinlich, und hat Rosenfinger, und reicht den Pocal mit Grazie hin, und, was dich am meisten \u00e4rgert, k\u00fc\u00dft s\u00fc\u00dfer als Nektar.<\/p>\n<p><strong>Juno.<\/strong> Also, seit uns der Berg Ida dieses sch\u00f6ne kraushaarige B\u00fcrschgen auferzogen hat, ist Vulkan nun auf einmal hinkend und mit Kohlenstaub \u00fcberpudert und ein ekelhafter Anblick f\u00fcr dich geworden! Vorher sahest du von dem allen nichts, und lie\u00dfest dich weder Funken noch Schmiedesse abhalten, dir den Nektar recht wohl belieben zu lassen, den er dir einschenkte.<\/p>\n<p><strong>Jupiter.<\/strong> Liebe Juno, du machst dir nur selbst Verdru\u00df; das ist alles was du mit deiner Eifersucht gewinnst: denn meine Liebe wird dadurch nur h\u00f6her gespannt. Im \u00fcbrigen, wenn es dir zuwider ist deinen Becher aus der Hand eines sch\u00f6nen Knaben zu nehmen, so la\u00df du dir immerhin von deinem Sohn einschenken; und du, Ganymed, bedienst mich k\u00fcnftig allein! Und mit jedem Becher k\u00fcsse mich zweymal; wenn du mir ihn reichst, und wenn du ihn wieder von mir zur\u00fcckempf\u00e4ngst. Ganymed f\u00e4ngt an zu weinen. Wie? was weinst du, mein Kind? F\u00fcrchte nichts! dem soll es \u00fcbel bekommen der dir was zu Leide thun wollte!<\/p>\n<p><strong><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.susannealbers.de\/literatur\/luegen\/lueg321.htm\">&#8230; mehr von Lukian<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>V. Ein ehlicher Wortwechsel zwischen Jupiter und seiner Gemahlin. Juno, Jupiter. Ganymed als stumme Person. Juno. Seitdem du den Phrygischen Knaben da vom Ida geraubt und hieher gebracht hast, finde ich dich sehr kalt gegen mich, Jupiter. Jupiter. 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