{"id":2303,"date":"2011-08-21T03:00:43","date_gmt":"2011-08-21T02:00:43","guid":{"rendered":"http:\/\/susannealbers.de\/blog\/?p=2303"},"modified":"2011-08-21T03:03:59","modified_gmt":"2011-08-21T02:03:59","slug":"fruhwarnung-fur-epileptiker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/2011\/08\/21\/fruhwarnung-fur-epileptiker\/","title":{"rendered":"Fr\u00fchwarnung f\u00fcr Epileptiker"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2302\" aria-describedby=\"caption-attachment-2302\" style=\"width: 133px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/epilepsie-pager.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/epilepsie-pager.jpg\" alt=\"(Bild: Stock.XCHNG - Darren Hester)\" title=\"epilepsie-pager\" width=\"133\" height=\"100\" class=\"size-full wp-image-2302\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2302\" class=\"wp-caption-text\">(Bild: Stock.XCHNG - Darren Hester)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Fr\u00fchwarnung f\u00fcr Epileptiker<\/strong><\/p>\n<ul>\nNeue Gehirn-OP kann Leben retten<\/ul>\n<p><em>Von Andreas Stummer<\/em><br \/>\nEtwa alle zwei Wochen wird der 26-j\u00e4hrige Australier Jason Dent von einem schweren Krampfanfall heimgesucht. Er leidet unter Epilepsie. Seit einem neuartigen Eingriff am Gehirn wird er \u00fcber einen Pager vor einem Anfall gewarnt &#8211; und hat wieder Kontrolle \u00fcber sein Leben.<\/p>\n<p>Das zentrale Nervensystem des Menschen: Jedes \u00dcberlegen, jede Gem\u00fctsregung und jede Bewegung werden dort verarbeitet. Gedankenschnell. Dank Milliarden von Nervenzellen, die, sozusagen, unter Strom stehen. Doch ist das zentrale Nervensystem gest\u00f6rt wird der gleichm\u00e4\u00dfige, elektrische Fluss abrupt unterbrochen. Alle Reize entladen sich gleichzeitig. \u00c4rzte nennen es einen epileptischen Anfall, einen Kurzschluss. Als ob im Gehirn eine Sicherung durchbrennen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&#8220;Es f\u00fchlt sich so an, als w\u00e4re ein Gewitter in deinem Gehirn&#8221;, beschreibt der Australier Jason Dent einen Anfall. Jason leidet unter schwerer Epilepsie. Medikamente helfen ihm nicht, auch keine Operation. Etwa alle zwei Wochen hat er einen Krampfanfall. V\u00f6llig willk\u00fcrlich, ohne Vorwarnung, verliert Jason sein Bewusstsein. Seine Augen sind weit ge\u00f6ffnet, aber er ist ohne Orientierung, verwirrt &#8211; und er reagiert nicht, wenn er angesprochen wird. Jasons ganzer K\u00f6rper ist au\u00dfer Kontrolle. Er zuckt, als bek\u00e4me er Stromst\u00f6sse, seine H\u00e4nde zittern, immer wieder wirft er den Kopf zur\u00fcck in den Nacken.<\/p>\n<p>Ein solcher Anfall dauert oft nur Sekunden, manchmal aber auch l\u00e4nger als eine Minute. Hinterher erinnert sich Jason an nichts. Epilepsie bestimmt seinen Alltag. Er kann nicht Autofahren, kochen oder alleine schwimmen gehen. Selbst ohne Begleitung die Stra\u00dfe zu \u00fcberqueren kann f\u00fcr ihn lebensgef\u00e4hrlich sein. Jason ist 26, seine Mutter Helen aber muss sich rund um die Uhr um ihn k\u00fcmmern &#8211; wie um einen F\u00fcnfj\u00e4hrigen.<\/p>\n<p>&#8220;Wir machen uns st\u00e4ndig Sorgen, dass etwas passieren k\u00f6nnte. Wir lassen ihn nicht aus den Augen. Andauernd fragen wir uns: &#8216;Wo ist er? Was macht er? Ist er in Ordnung?&#8217; Es ist frustrierend, wie abh\u00e4ngig er von uns ist. Sein gr\u00f6\u00dfter Wunsch ist wieder Cricket zu spielen &#8211; seinen Lieblingssport. Er war todtraurig, dass er das nicht konnte.&#8221;<\/p>\n<p>Das Reden \u00fcberl\u00e4sst Jason seiner Mutter Helen. Sie erz\u00e4hlt, wie er sich in Melbourne, beim St. Vincent&#8217;s-Krankenhaus, freiwillig gemeldet hat: Gesucht waren Testpatienten f\u00fcr ein neuartigen Ger\u00e4t, das ein Leben mit Epilepsie leichter machen sollte. Jason wurde von Mark Cook, dem Chefneurologen, als erster Empf\u00e4nger ausgew\u00e4hlt. F\u00fcr Cook hat Epilepsie etwas Heimt\u00fcckisches: Sie ist selten t\u00f6dlich, aber ihre Folgen sind oft lebensgef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>&#8220;Rechnet man die Zeit zusammen, die ein Epileptiker unter einem akuten Anfall leidet, dann sind das &#8211; \u00fcber ein Jahr gesehen &#8211; oft nur ein paar Minuten. \u00dcber ein ganzes Leben verteilt ist das eine sehr kurze Zeit. Aber wenn sie ein Auto h\u00e4tten, das immer wieder unerkl\u00e4rlich nicht mehr funktioniert, dann w\u00e4re es gef\u00e4hrlich, damit zu fahren. So \u00e4hnlich ist es bei einem Menschen mit Epilepsie.&#8221;<\/p>\n<p>Der Eingriff war eine Weltpremiere. So ungew\u00f6hnlich, dass er mitgefilmt wurde. W\u00e4hrend der dreist\u00fcndigen Operation brachten die Chirurgen Elektroden an Jasons Gehirn an und verbanden sie unter der Haut &#8211; den Nacken hinab &#8211; mit einem Ger\u00e4t in Jasons Brust. Der Apparat, der aussieht wie ein Herzschrittmacher, misst die elektrischen Str\u00f6me im Gehirn und leitet jede Spannungs\u00e4nderung an einen kleinen Kontroll-Pager weiter.<\/p>\n<p>Der etwa Z\u00fcndholzschachtel gro\u00dfe Pager kann, wie ein Mobiltelefon, am G\u00fcrtel getragen werden und hat drei Lichter. Sie warnen den Patienten vor einem m\u00f6glichen Krampfanfall. &#8220;Blau&#8221; steht f\u00fcr eine geringe, &#8220;wei\u00df&#8221; f\u00fcr eine erh\u00f6hte Wahrscheinlichkeit &#8211; und das rote Licht leuchtet auf, wenn das Risiko sehr hoch ist. Seit Jason das Ger\u00e4t tr\u00e4gt, wurde er nicht mehr von einem epileptischen Anfall \u00fcberrascht. &#8220;Das Fr\u00fchwarnsystem scheint zu funktionieren&#8221;, sagt Neurologen Mark Cook, &#8220;und ich bin sicher: Es wird auch Leben retten.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Wenn das Ger\u00e4t eine Warnung anzeigt, kann der Patient ein Medikament einnehmen, das den bevorstehenden Anfall schnell unter Kontrolle bringt &#8211; das ist der wohl gr\u00f6\u00dfte Vorteil. Es bleibt aber auch genug Zeit, um sich auf einen Anfall einzustellen: Verwandte benachrichtigen, einen Arzt aufsuchen und so weiter. Der Betroffene kontrolliert sein eigenes Schicksal. Dieses Ger\u00e4t wird hoffentlich das Leben vieler Patienten von Grund auf ver\u00e4ndern.&#8221;<\/p>\n<p>Vor Monaten konnte er nur vom Spielfeldrand aus zusehen, jetzt aber trainiert Jason Dent wieder mit Helm, Schl\u00e4ger und dicken Beinschonern f\u00fcr die n\u00e4chste Begegnung seines Cricketteams. &#8220;So gl\u00fccklich war er seit Jahren nicht&#8221;, sagt seine Mutter. Jason ist nicht geheilt. Er hat weiter Epilepsie, wahrscheinlich f\u00fcr den Rest seines Lebens. Aber was er daraus macht, das bestimmt nicht l\u00e4nger seine Krankheit &#8211; sondern er selbst.<\/p>\n<p>&#8220;Jetzt wei\u00df ich, dass er sicher ist &#8211; ich muss mir nicht mehr so viele Sorgen machen. Endlich hat er wieder Kontrolle \u00fcber alles, was er tut. Die Ungewissheit, die er jeden Tag hatte, ist vorbei. Und das ist wundervoll.&#8221;<\/p>\n<p>http:\/\/www.dradio.de\/dkultur\/sendungen\/wissenschaft\/1528700\/<\/p>\n<p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dkultur\/sendungen\/wissenschaft\/1528700\/\">DeutschlandradioKultur<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fchwarnung f\u00fcr Epileptiker Neue Gehirn-OP kann Leben retten Von Andreas Stummer Etwa alle zwei Wochen wird der 26-j\u00e4hrige Australier Jason Dent von einem schweren Krampfanfall heimgesucht. Er leidet unter Epilepsie. Seit einem neuartigen Eingriff am Gehirn wird er \u00fcber einen Pager vor einem Anfall gewarnt &#8211; und hat wieder Kontrolle \u00fcber sein Leben. 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