{"id":1579,"date":"2010-04-12T20:08:11","date_gmt":"2010-04-12T19:08:11","guid":{"rendered":"http:\/\/susannealbers.de\/blog\/?p=1579"},"modified":"2010-04-12T20:08:11","modified_gmt":"2010-04-12T19:08:11","slug":"neue-kuhe-furs-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/2010\/04\/12\/neue-kuhe-furs-land\/","title":{"rendered":"Neue K\u00fche f\u00fcrs Land"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/schildneu.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/schildneu.jpeg\" alt=\"schildneu\" title=\"schildneu\" width=\"227\" height=\"170\" class=\"alignleft size-full wp-image-1577\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/schildalt.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/schildalt.jpeg\" alt=\"schildalt\" title=\"schildalt\" width=\"227\" height=\"170\" class=\"alignleft size-full wp-image-1578\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein supertoller Artikel von Marcus Rohwetter Datum 12.4.2010 &#8211; 06:33 Uhr Quelle DIE ZEIT, 08.04.2010 Nr. 15<br \/>\nNeue K\u00fche f\u00fcrs Land<br \/>\nEin bizarrer Schilderstreit k\u00f6nnte St\u00e4dten und Gemeinden teuer zu stehen kommen.<\/p>\n<p>Es tut sich was auf deutschen Stra\u00dfen: Hunderttausende Verkehrsschilder m\u00fcssen ersetzt werden, weil sie aus der Mode gekommen sind. Als ob wir sonst keine Sorgen h\u00e4tten: Das M\u00e4nnchen auf dem Zebrastreifenschild darf keinen Hut mehr tragen.<\/p>\n<p>Man muss schon sehr genau hinschauen, um \u00fcberhaupt zu bemerken, dass zahlreiche Schilder in zwei Versionen an heimischen Alleen, Autobahnen, Einbahnstra\u00dfen und Sackgassen stehen. Etwa die runden blauen an den Fu\u00dfwegen: In der alten Fassung tr\u00e4gt die Frau mit dem M\u00e4dchen an der Hand eine Sechziger-Jahre-Frisur und einen schmal geschnittenen Rock. In der neuen Fassung fehlt die Haarpracht, w\u00e4hrend der Rock lampenschirmartig daherkommt. Moderner sieht das aus, sachlicher, irgendwie piktogrammiger. Aber eigentlich ist es v\u00f6llig wurscht, solange jeder wei\u00df, was gemeint ist. Und das wusste ja auch bisher jeder. <\/p>\n<p>Trotzdem m\u00fcssen jetzt s\u00e4mtliche Altschilder ersetzt werden. Sie widersprechen n\u00e4mlich den j\u00fcngsten Designrichtlinien \u2013 die freilich ihrerseits bereits 18 Jahre alt sind. Damals wurden die Verkehrszeichen grafisch \u00fcberarbeitet. Die alten Schilder sollten urspr\u00fcnglich so lange g\u00fcltig bleiben, bis sie rostzerfressen von der Stange rutschen, und eigentlich war das ziemlich vern\u00fcnftig, denn die \u00c4nderungen sind ja minimal. Zum Herbst vergangenen Jahres aber wurde diese lebensnahe Regel au\u00dfer Kraft gesetzt. Seitdem gilt: Die Altschilder sind ung\u00fcltig. Also weg damit. Angeordnet haben das vor mehr als einem Jahr der fr\u00fchere Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und sein Kollege vom Umweltressort, Sigmar Gabriel (beide SPD). Und zahlen sollen die Kommunen, die zwar kein Geld f\u00fcr Theater und Schwimmb\u00e4der haben, jetzt aber rund 200 Euro f\u00fcr jedes neue Schild berappen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wie teuer die Wiederaufforstung des Schilderwaldes insgesamt wird und wie lange sie dauert, l\u00e4sst sich kaum absch\u00e4tzen. Denn, so hei\u00dft es in der damaligen ministeriellen Verordnung: \u00bbDie Zahl der Verkehrszeichen, die in Deutschland aufgestellt sind, ist nicht genau bekannt.\u00ab Einig sei man sich blo\u00df dar\u00fcber, dass es \u00bbzu viele\u00ab seien.<\/p>\n<p>Also m\u00fcssen die Kommunen ihre Schilder erst einmal suchen lassen, bevor sie sie ersetzen.<\/p>\n<p>Derweil k\u00f6nnen sich Autofahrer die Reisezeit durch eine Partie \u00bbFinde den Unterschied\u00ab verk\u00fcrzen: \u00dcberholverbote gelten neuerdings blo\u00df f\u00fcr Autos mit flachen Kotfl\u00fcgeln oder Lkw mit Doppelbereifung. Auf dem Gehweg parkt besser nicht, wer ein Stufenheckauto besitzt. Sogar Tiere haben sich der Stra\u00dfenverkehrsordnung angepasst: Die neue Kuh im rot umrandeten Dreieck sieht aus, als h\u00e4tte sie ein St\u00fcck Weidezaun verschluckt \u2013 zumindest ist sie ihr Hohlkreuz losgeworden. Und der Wildwechsel-Hirsch springt neuerdings in einem etwas flacheren Winkel ab. Was waidm\u00e4nnisch betrachtet sicher korrekt ist, aber letztlich nebens\u00e4chlich, wenn einem ein Zw\u00f6lfender erst mal auf der K\u00fchlerhaube hockt.<\/p>\n<p>Schon streiten spitzfindige Juristen dar\u00fcber, ob Falschparker ihren Strafzettel \u00fcberhaupt bezahlen m\u00fcssen, wenn das Halteverbot falsch beschildert wurde. Dazu muss man wissen: Halteverbote beginnen jetzt, wenn der Pfeil oben steht.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher stand er n\u00e4mlich unten. Aber wo geh\u00f6rt der Pfeil nun hin? Und wo nicht? Wahrscheinlich werden solche Fragen f\u00fcr die n\u00e4chsten paar Jahre deutsche Verwaltungsgerichte besch\u00e4ftigen. Damit eines Tages auch h\u00f6chstrichterlich gekl\u00e4rt ist, wann ein Pfeil den Designidealen der Stra\u00dfenverkehrsordnung entspricht. Diese verlangt im \u00dcbrigen nun ausschlie\u00dflich kantige Pfeile. Die bisher verwendeten, leicht abgerundeten \u00bbHerzpfeile\u00ab sollen demgegen\u00fcber verschwinden. Und das ist ausnahmsweise auch gut so. Denn Herzlichkeit hat im Stra\u00dfenverkehr nun wirklich nichts zu suchen.<\/p>\n<p>Von Marcus Rohwetter Datum 12.4.2010 &#8211; 06:33 Uhr Quelle DIE ZEIT, 08.04.2010 Nr. 15<br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2010\/15\/Ungueltige-Schilder\">Zeit Artikel<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein supertoller Artikel von Marcus Rohwetter Datum 12.4.2010 &#8211; 06:33 Uhr Quelle DIE ZEIT, 08.04.2010 Nr. 15 Neue K\u00fche f\u00fcrs Land Ein bizarrer Schilderstreit k\u00f6nnte St\u00e4dten und Gemeinden teuer zu stehen kommen. Es tut sich was auf deutschen Stra\u00dfen: Hunderttausende Verkehrsschilder m\u00fcssen ersetzt werden, weil sie aus der Mode gekommen sind. 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