{"id":1195,"date":"2010-02-25T15:46:15","date_gmt":"2010-02-25T14:46:15","guid":{"rendered":"http:\/\/susannealbers.de\/blog\/?p=1195"},"modified":"2010-02-25T20:50:01","modified_gmt":"2010-02-25T19:50:01","slug":"kasmann-schluss-mit-dem-verstandnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/2010\/02\/25\/kasmann-schluss-mit-dem-verstandnis\/","title":{"rendered":"K\u00e4\u00dfmann &#8211; Schluss mit dem Verst\u00e4ndnis"},"content":{"rendered":"<p>Einerseits bin ich traurig, da\u00df Frau Dr. K\u00e4\u00dfmann ihre \u00c4mter niedergelegt hat, andererseits finde ich den Schritt absolut richtig.<br \/>\nJetzt st\u00f6bere ich schon die ganze Zeit durch die verf\u00fcgbaren Artikel der Tagespresse, und habe endlich einen Artikel gefunden, der mir aus der Seele spricht, und den ich unterschreiben w\u00fcrde. Stefan Weigel von der Financial Times Deutschland hat ihn geschrieben &#8211; und ich m\u00f6chte Euch hier im Blog eine Kopie davon hereinkopieren.<br \/>\nHerzliche Gr\u00fc\u00dfe, Susanne<\/p>\n<p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:kaessmanns-trunkenheitsfahrt-schluss-mit-dem-verstaendnis\/50079975.html\">Artikel von Stefan Weigel in der FTD<\/a><\/p>\n<p>K\u00e4\u00dfmanns Trunkenheitsfahrt &#8211; Schluss mit dem Verst\u00e4ndnis!<br \/>\nKommentar<br \/>\nMan kann viele Fehler verzeihen. Sogar wenn Bisch\u00f6fe betrunken Auto fahren. Aber wir sollten endlich wieder den Mut haben, falsches Verhalten auch \u00f6ffentlich zu \u00e4chten. von Stefan Weigel<br \/>\nSie ist zur\u00fcckgetreten. Gott sei Dank! Margot K\u00e4\u00dfmann, die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), hat nach ihrer Trunkenheitsfahrt ihre \u00c4mter als EKD-Ratsvorsitzende und als hannoversche Landesbisch\u00f6fin niedergelegt. Der Schritt der Vorsitzenden kommt z\u00fcgig, ist klar, nachvollziehbar und verdient Respekt. Was weniger Respekt verdient, ist allerdings die Haltung der evangelischen Kirche in diesem Fall. &#8220;In ungeteiltem Vertrauen \u00fcberl\u00e4sst der Rat seiner Vorsitzenden die Entscheidung \u00fcber den Weg, der dann gemeinsam eingeschlagen werden soll&#8221;, lie\u00df der Rat der Evangelischen Kirche verlauten. Man stelle sich einm\u00fctig hinter Frau K\u00e4\u00dfmann. Einm\u00fctig? Hinter Frau K\u00e4\u00dfmann? Darf ich mal fragen, warum? Weil man da die Fahne nicht so riecht?<br \/>\nLiebe Ratsmitglieder der evangelischen Kirche, ich will Euch mal eines sagen: Ich habe einen Sohn, der in wenigen Wochen konfirmiert wird. Einen 13-j\u00e4hrigen Jungen, der sich wie viele Kinder seines Alters manchmal \u00e4lter f\u00fchlt, als er ist, und der manchmal fragt, ob er nicht wie viele Kinder seines Alters endlich auch mal ein Bier trinken darf. Bis jetzt habe ich dieses Ansinnen immer abschl\u00e4gig beschieden &#8211; mit recht guten Argumenten, wie ich finde. Bislang hat er das auch immer verstanden und akzeptiert, vermutlich auch, weil er im tiefsten Innern seines Herzens wei\u00df, dass es falsch ist, wenn ein 13-J\u00e4hriger Bier trinkt. Er lernt ja auch gerade im Konfirmandenunterricht, wie man richtiges von falschem Verhalten unterscheidet.<\/p>\n<p>So weit, so gut. Aber jetzt kommt Eure Chefin um die Kurve. Eine Bisch\u00f6fin der evangelischen Kirche gie\u00dft sich abends sch\u00f6n einen auf die Lampe, steigt dann ins Auto und donnert besoffen bei Rot \u00fcber die Ampel. Ein Verhalten, das selbst jemand als falsch erkennen kann, der nicht zw\u00f6lf Semester Theologie studiert hat, sogar jemand, der nicht den Konfirmandenunterricht besucht.<\/p>\n<p>Und was macht Ihr, liebe Ratsmitglieder? Ihr sagt nicht, dass Frau K\u00e4\u00dfmann als Vorbild nicht mehr tragbar ist. Ihr fordert sie nicht auf, schleunigst zur\u00fcckzutreten. Zumindest tut Ihr das nicht \u00f6ffentlich. Ihr stellt Euch stattdessen hinter sie und sprecht Ihr Euer ungeteiltes Vertrauen aus. Klar. Schlie\u00dflich kann jeder mal einen Fehler machen. Stimmt ja auch. Das darf jeder. Aber mal unter uns, liebe Ratsmitglieder, Ihr d\u00fcrft ausnahmsweise ruhig sagen, wenn Ihr etwas richtig mies findet. Das w\u00fcrde man Kirchenvertretern zur Not mal durchgehen lassen. Es soll sogar Menschen geben, die genau das von Euch erwarten. Vielleicht wolltet Ihr Frau K\u00e4\u00dfmann die Gelegenheit geben, gesichtswahrend aus freien St\u00fccken zur\u00fcckzutreten. Das w\u00e4re immerhin ein ehrenwertes Motiv.<br \/>\nAber ganz ehrlich, das m\u00fcsst Ihr nicht. Ihr seid n\u00e4mlich kein Sportverband, der verbr\u00e4mt die sexuellen Eskapaden seiner Angestellten erkl\u00e4ren muss, und Ihr seid auch kein Unternehmen, das der \u00d6ffentlichkeit die Steuerhinterziehung des eigenen Vorstandsvorsitzenden m\u00f6glichst so zu verkaufen hat, dass die Firma keinen Imageschaden erleidet. Ihr seid, na klingelt&#8217;s, eine Kirche. Und es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn Ihr Euch auch so benehmen w\u00fcrdet.<br \/>\nDenn irgendwann f\u00e4ngt dieses Land an zu verrotten, weil st\u00e4ndig jeder f\u00fcr alles Verst\u00e4ndnis hat. F\u00fcr die armen katholischen Priester, die ja durch den Z\u00f6libat geradezu gezwungen sind, sich an Kindern zu vergehen; f\u00fcr den deutschen Mittelstand, den die Steuerpolitik quasi nach Liechtenstein treibt, oder f\u00fcr die Millionen von Hartz-IV-Empf\u00e4ngern, die durch staatliche Willk\u00fcr und das ungerechte Sozialhilfesystem gleichsam von regelm\u00e4\u00dfiger Arbeit ferngehalten werden. Und vermutlich kommt demn\u00e4chst auch noch jemand auf die Idee, den armen Polier in Schutz zu nehmen, der die Eisenteile, die eigentlich die K\u00f6lner U-Bahntunnel vor dem Einsturz sichern sollten, an einen Schrotth\u00e4ndler verkauft hat. Kann man verstehen, bei den saum\u00e4\u00dfigen L\u00f6hnen, die auf dem Bau gezahlt werden. Der Mann muss ja sicher auch eine Familie durchbringen. Kann man alles verstehen, wer will schlie\u00dflich den ersten Stein werfen?<br \/>\nNat\u00fcrlich leisten wir alle selbst einen erheblichen Beitrag zu diesem Prozess, weil wir im privaten Umfeld falsches Verhalten tolerieren: Wir haben Verst\u00e4ndnis, wenn unsere Freunde nach der Party betrunken mit dem Auto nach Hause fahren, ist schlie\u00dflich nicht mehr so viel los auf der Stra\u00dfe um die Zeit; wenn der Schwiegervater das Ferienhaus auf Mallorca bar bezahlt, der zahlt ohnehin den Spitzensteuersatz; wenn der Nachbar beim Einkommensnachweis ein bisschen mogelt, damit die Kindergartengeb\u00fchr nicht so hoch ist, denn Eltern mit Kindern sind gestraft genug, oder wenn der Kollege in Fr\u00fchrente geht, obwohl er durchaus noch arbeiten k\u00f6nnte, weil der in seinem Leben wei\u00df Gott genug geschuftet hat.<br \/>\nF\u00fcr alles haben wir Verst\u00e4ndnis. Manches machen wir sogar selbst. Macht schlie\u00dflich jeder. Menschlich verst\u00e4ndlich &#8211; aber trotzdem falsch. Wir sollten endlich damit anfangen, falsches Verhalten auch offen zu \u00e4chten. Man darf Fehler verzeihen. Aber Voraussetzung daf\u00fcr ist, dass wir Fehler auch Fehler nennen. Und zwar offen. Und es w\u00e4re sch\u00f6n, liebe Kirchenvertreter, wenn Ihr uns dazu ermutigen w\u00fcrdet. Am besten, indem Ihr mit gutem Beispiel vorangeht.<\/p>\n<p>ENDE<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einerseits bin ich traurig, da\u00df Frau Dr. K\u00e4\u00dfmann ihre \u00c4mter niedergelegt hat, andererseits finde ich den Schritt absolut richtig. Jetzt st\u00f6bere ich schon die ganze Zeit durch die verf\u00fcgbaren Artikel der Tagespresse, und habe endlich einen Artikel gefunden, der mir aus der Seele spricht, und den ich unterschreiben w\u00fcrde. 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