{"id":1083,"date":"2010-02-19T19:09:01","date_gmt":"2010-02-19T18:09:01","guid":{"rendered":"http:\/\/susannealbers.de\/blog\/?p=1083"},"modified":"2010-02-20T13:15:31","modified_gmt":"2010-02-20T12:15:31","slug":"vanitas-stillleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/2010\/02\/19\/vanitas-stillleben\/","title":{"rendered":"Vanitas Stillleben"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/vanitas.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/vanitas.jpg\" alt=\"vanitas\" title=\"vanitas\" width=\"470\" height=\"341\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1082\" srcset=\"https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/vanitas.jpg 470w, https:\/\/susannealbers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/vanitas-300x217.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u201eDu sihst \/ wohin du sihst, nur eitelkeit auff erden.<br \/>\nWas dieser heute bawt \/ reist jener morgen ein:<br \/>\nWo itzund st\u00e4dte stehn \/ wird eine wiesen sein,<br \/>\nAuff der ein sch\u00e4ffers kind wird spilen mitt den heerden.<\/p>\n<p>Was itzund pr\u00e4chtig bl\u00fcht sol bald zutretten werden.<br \/>\nWas itzt so pocht vnd trotzt ist morgen asch und bein.<br \/>\nNichts ist das ewig sey \/ kein ertz kein marmorstein.<br \/>\nItzt lacht das Gluck vns an \/ bald donnern die beschwerden.<\/p>\n<p>Der hohen thaten ruhm mus wie ein traum vergehn.<br \/>\nSol denn das spiell der zeitt \/ der leichte mensch bestehn.<br \/>\nAch! was ist alles dis was wir f\u00fcr k\u00f6stlich achten,<\/p>\n<p>Als schlechte nichtikeitt \/ als schaten, staub vnd windt.<br \/>\nAls eine wiesen blum \/ die man nicht wiederfindt.<br \/>\nNoch wil was ewig ist kein einig mensch betrachten.\u201c<\/p>\n<p>Andreas Gryphius: Es ist alles eitell. (1643)<\/p>\n<p>Das Vanitas-Stillleben (Vanitas (lat.) bedeutet \u201eEitelkeit\u201c und ist gleichzusetzen mit \u201ewertlos\u201c oder \u201everg\u00e4nglich\u201c) ist eine besondere Stilform der Stillleben-Malerei im Barock. Dabei wird das Prinzip der Stillleben-Malerei, die Darstellung lebloser Gegenst\u00e4nde, auf die Spitze getrieben, indem zus\u00e4tzlich Sinnbilder der Verg\u00e4nglichkeit (z. B. ein Totensch\u00e4del) hinzugef\u00fcgt werden.<\/p>\n<p>Das Erlebnis des Todes stand den Menschen des ausgehenden 16. Jahrhunderts und der folgenden Jahrzehnte deutlich vor Augen, und in allegorischen und moralisierenden Bildern erlebte das \u201eMemento mori\u201c (\u201eGedenken des Todes\u201c), immer neue bildliche Interpretationen. Nach dem Ausspruch des K\u00f6nig Salomo: \u201eVanitas vanitatum, et omnia vanitas\u201c (\u201eVerg\u00e4nglichkeit des Verg\u00e4nglichen, und alles ist verg\u00e4nglich\u201c) nennt man diese Stillleben Vanitas-Stillleben.<\/p>\n<p>Entwickelt wurden sie in Flandern im 16. Jahrhundert, doch erlebten sie ihre gro\u00dfe Bl\u00fcte in den Niederlanden im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts. Haarlem und besonders die Universit\u00e4tsstadt Leiden waren die Zentren dieses Bildtyps.<\/p>\n<p>Die Requisiten (das Zubeh\u00f6r) der Vanitas-Stillleben lassen sich in zwei gro\u00dfe Gruppen aufteilen. Zum einen sind es Sinnbilder der Verg\u00e4nglichkeit, Dinge also, denen der Zerfall eigen ist und deren Erscheinung den Gedanken daran weckt: Totensch\u00e4del, Sanduhr, verl\u00f6schende Kerze, welkende Blumen und \u00e4hnliches. Zum anderen sind es Dinge, deren Wert nur scheinbar best\u00e4ndig ist: B\u00fccher, Geld und Kostbarkeiten, Insignien von Macht und Gr\u00f6\u00dfe, Werke der bildenden Kunst. Sie treten in allen nur denkbaren Kombinationen auf.<\/p>\n<p>Im 18. Jahrhundert verlieren die Vanitas-Symbole ihre vordergr\u00fcndige Funktion als religi\u00f6se Warnung, bleiben jedoch bis in die Kunst der Gegenwart hinein gebr\u00e4uchlich. Seither werden sie entweder als makaberer Reiz verwendet oder ins Gegenteil des Dauerhaften und Lebendigen umgedeutet, wobei sie den Zusammenhang mit dem Stillleben verlieren: Das Buch oder der Brief etwa sind nicht mehr verwaist, sondern werden umringt von Lesern.<\/p>\n<p>Vanitas Stillleben von Pieter Claesz 1630<br \/>\nQuelle des Textes <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/de.academic.ru\/dic.nsf\/dewiki\/1449569\">hier<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDu sihst \/ wohin du sihst, nur eitelkeit auff erden. 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