Ein Mann ist krank

Eine Frau begleitet ihren Ehemann zum Arzt. Nach der Untersuchung ruft der Arzt die Ehefrau allein in sein Zimmer und sagt: “Ihr Ehemann ist in einer schrecklichen Verfassung, er leidet unter einer sehr schweren Krankheit, die mit Stress verbunden ist. Sie müssen meinen Anweisungen folgen, oder er wird sterben: Machen Sie ihm jeden Morgen ein nahrhaftes Frühstück. Zum Mittagessen geben Sie ihm ein gutes Essen, das er mit zur Arbeit nehmen kann und am Abend kochen Sie ihm ein wirklich wohlschmeckendes Abendessen. Nerven Sie ihn nicht mit Alltäglichem und Kleinigkeiten, die seinen Stress noch verschlimmern könnten. Besprechen Sie keine Probleme mit ihm. Versuchen Sie ihn zu entspannen und massieren Sie ihn häufig. Er soll vor allem viel Teamsport im Fernsehen ansehen und am wichtigsten, befriedigen Sie ihn komplett mehrmals die Woche sexuell. Wenn Sie das die nächsten zehn Monate tun, wird er wieder ganz gesund werden.” Auf dem Weg nach Hause fragt ihr Ehemann: “Und was hat der Arzt Dir gesagt?” – “Dass Du sterben wirst”, antwortet die Frau trocken.

Loriot ist tot

Loriot ist im Alter von 87 Jahren gestern, am 22. August 2011 gestorben.

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Loriot, bürgerlich Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow, kurz Vicco von Bülow (* 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel; † 22. August 2011 in Ammerland am Starnberger See)

etablierte sich seit den 1950er Jahren in Literatur, Fernsehen, Theater und Film als einer der vielseitigsten deutschen Humoristen. Loriot betätigte sich auch als Karikaturist, Regisseur, Schauspieler, Bühnen- und Kostümbildner und wurde 2003 von der Universität der Künste Berlin zum Professor für Theaterkunst ernannt.

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Der Künstlername Loriot ist die französische Bezeichnung des Pirols, des Wappentieres der Familie von Bülow. In der mecklenburgischen Heimat des Adelsgeschlechtes ist Vogel Bülow eine gängige Bezeichnung für den Pirol.

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Tageslosung und Lehrtext für Montag, 22. August 2011

Siehe, ich habe dich geprüft im Glutofen des Elends.
Jesaja 48,10

Ein Aussätziger kam heran und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen. Und Jesus streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will’s tun; sei rein! Und sogleich wurde er von seinem Aussatz rein.
Matthäus 8,2-3

Und jetzt Wum’s Gesang:

Lolita ist tot

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Schlagersängerin Lolita ist tot

Seemann deine Heimat ist das Meer

Salzburg (dpa) – Die Schlagersängerin Lolita ist tot. Die Österreicherin, die 1960 mit dem Titel «Seemann, Deine Heimat ist das Meer» auch international Erfolge feierte, sei im Alter von 79 Jahren in Salzburg gestorben, berichtete die Zeitung «Kurier».

Medienberichten zufolge erlag sie einem Krebsleiden. In den 70er Jahren moderierte sie zusammen mit Maxl Graf die Musiksendung «Lustige Musikanten» im ZDF. Insgesamt hat Lolita mehr als 20 Millionen Tonträger verkauft. 1931 als Edith Einzinger in St. Pölten geboren, war sie zunächst Kindergärtnerin, trat aber bereits nebenbei bei Veranstaltungen als Sängerin auf. Dabei wurde sie vom ORF Landesstudio Linz entdeckt und widmete sich fortan ihrer Gesangs-Karriere.

«Weißer Holunder» hieß 1957 ihr erster Schlager, wobei Lolita auch im gleichnamigen Film zu sehen war. Im selben Jahr erreichte sie mit «Der weiße Mond von Maratonga» den Platz zwei der deutschen Hitparade.

Der Durchbruch gelang ihr drei Jahre später mit ihrem Seemanns- Ohrwurm, der viele Wochen in den Charts war und es in der englischen Version sogar auf Platz fünf der US-Hitparade schaffte. Der Titel, der auch in den japanischen Charts vertreten war, verkaufte sich mehr als zwei Millionen Mal. Immer wieder trat Lolita in der Folgezeit auch in Filmen auf, in denen sie ihre Schlager sang.

Ein Verkehrsunfall, bei dem Lolita beinahe das Augenlicht verloren hätte, führte 1963 zu einer Zwangspause. Ein Jahr später war sie wieder da und landete Hits wie «Männer, Masten und Matrosen», «Matrosenliebe» und «Komm wieder». Später moderierte sie unter anderem beim Saarländischen Rundfunk die Fernsehsendung «Im Krug zum grünen Kranze».

© sueddeutsche.de – erschienen am 04.07.2010 um 15:38 Uhr

Heidi Kabel ist tot

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Heidi Kabel – In Hamburg sagt man Tschüss

Heidi Kabel ist am 15. Juni 2010 morgens um 6:00 Uhr in der Seniorenresidenz in Hamburg Othmarschen gestorben.
Liebe Heidi Kabel, Sie waren stets die absolute Bereicherung der Unterhaltungskultur. In Ihren zahlreichen Rollen als größte Hamburger Volksschauspielerin haben Sie uns alle begeistert. Jetzt sind wir sehr traurig.

Heidi Kabel – Manchmal war es nicht zum lachen

Harvst

von Johann Hinrich Fehrs

Dor kommt de Harvst mit Macht,
he schient un winkt un lacht,
sien Mantel geel un kopperroot,
en bunte Deck liggt to sien Foot.
Wo prächtig steiht he dor,
en König ganz un gor!
Keen schrökelt nu so traag
dörHeid un Holt un Haag?
Sien Oog is holl,
sein Aten koolt,
at fallt de Vagels in?
Wo wüllt de Bläder hin?
To’t Leven höört de Dood,
so will’t de leve Gott.
Wi sünd as Bläder op en Boom,
dat Leven is en Sommerdroom,
voll Radels bet to Enn,
voll Radels bet to Enn.

Brief eines zum Tode Verurteilten

Das Kriegsgericht hat mich zum Tode verurteilt. Ich schreibe diese Zeilen wenige Minuten vor dem Sterben. Ich fühle mich gesund, voller Tatkraft, voll unbegrenzter Lebenslust … Aber es gibt keine Möglichkeit der Rettung. Ich muß sterben. Ich gehe jedoch mit Festigkeit, mit Mut in den Tod, wie es sich für Menschen unseres Schlages gehört. Ich habe 41 Jahre gelebt, 20 davon habe ich der Sache der Armen gewidmet, Mein ganzes Leben lang war ich ein ehrlicher, treuer, unermüdlicher Kämpfer ohne persönliche Interessen. Nie war ich unaufrichtig. Und wie ich gelebt habe, so sterbe ich, da ich weiß, daß unsere Sache gerecht ist, und daß der Sieg unser sein wird. Das Volk wird mich nicht vergessen, wenn bessere Zeiten kommen, Eines Tages wird die Geschichte die Wahrheit erzählen, auch in Bezug auf meine bescheidene Person. Ich sterbe, und ich werde leben.

Brief eines zum Tode Verurteilten

Alles Liebe

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Gestern habe ich meinen Vater im Hospiz besucht. Er hatte zuhause noch die Notfallklingel betätigt, nachdem er zusammengebrochen war. Der Pflegedienst kam, rief Krankenwagen und Notarzt – Papa kam ins Krankenhaus. Die Ärzte besprachen sich – es ist Zeit für’s Hospiz. Schon am nächsten Tag kam er dort an. Es geht ihm wirklich sehr schlecht. Ja, und gestern besuchte ich ihn. Aus Gerhard Schönes Lied “Alles Liebe” kannte ich den Satz: “Die Frau, die ihre sterbenskranke Mutter füttert,…” das ist alles Liebe. Und so kam es: Papa konnte die Gabel nicht allein zum Mund führen und ich fütterte ihn. Er tut mir so leid – ich bin sehr traurig.

Gerhard Schöne – Alles Liebe

Wenn Dreizehnjährige nachts im Taschenlampenkegel
den ersten Brief beginnen an ihr Rockidol,
am Schluß mit rotem Lippenstift noch einen Kuß als Unterschrift.
Und wenn die Tante jeden Tag vorm Vogelbauer
dem lieben, guten Bubi Küsschen-Küsschen gibt.
Wenn sie ihn vorsichtig berührt und dann sein Herz so pochen spürt.

Das ist alles Liebe.
Schenk mir noch ein kleines bisschen, parlez moi d’amour.
Bin von Kopf bis all you need is love my baby.
Meistens dreht es sich ‘n Leben lang um dich.

Ich weiß, Verliebe, die getrennt sind, schauen manchmal
zu einem ganz bestimmten Stern zur gleichen Zeit.
Als hörte es der Liebste fern, so flüstern sie mit ihrem Stern.
Und unsre Nachtbarn schmeißen dauernd mit den Türen.
Er brüllt herum und sie sitzt heulend auf dem Bett.
Und kommt er mal zu spät nach Haus, schaut sie am Fenster nach ihm aus.

Ich sah einmal zwei Männer, die zusammen leben,
in einer Badewanne, früh bei Kerzenschein.
Ein Frühstück mit Kaffee und Sekt, mit Trauben, Küssen und Konfekt.
Ach, und die Blicke der Soldaten nach den Mädchen
und ihre Witze, wenn sie nackt im Duschraum stehn.
Die Frauenfotos an der Tür, na, und das rosa Briefpapier.

Das ist alles Liebe.
Schenk mir noch ein kleines bisschen, parlez moi d’amour.
Bin von Kopf bis all you need is love my baby.
Meistens dreht es sich ‘n Leben lang um dich.

Ich mag die zarten Gesten alter Liebespaare,
wenn er ihr vorliest und sie ihm den Nacken krault,
wenn sie den Glatzenschweiß wegtupft und er ihr Kleid gerade zupft.
Und stehn sie später auf dem Friedhof dann alleine,
erzählen sie dem Grabstein, wie das Leben spielt
und harken mit geübter Hand ‘n schönes Muster in den Sand.

Das ist alles Liebe.
Schenk mir noch ein kleines bisschen, parlez moi d’amour.
Bin von Kopf bis all you need is love my baby.
Meistens dreht es sich ‘n Leben lang um dich.

Der Mann, der täglich irgendwas am Auto fummelt,
die Schwester, die dem Oberarzt den Tee serviert,
der plumpe Annäherungstrick, na, und durchs Schlüsselloch der Blick.
Die Frau, die ihre sterbenskranke Mutter füttert,
der Polizist, der einer Sünderin vergibt,
die schlimmen Sprüche auf’m Klo, die Schnulze aus dem Radio.

Das ist alles Liebe.
Schenk mir noch ein kleines bisschen, parlez moi d’amour.
Bin von Kopf bis all you need is love my baby.
Meistens dreht es sich ‘n Leben lang um dich.

Gerhard Schöne CD’s finden sich auf seiner Homepage

Nachtrag vom 17. Mai 2010

Papa hat es nicht geschafft. Gestern, am 16. Mai 2010 ist er morgens um 10:35 Uhr friedlich und ohne Schmerzen eingeschlafen. Ich bin sehr traurig. Am Liebsten war er an der Nordseeküste unterwegs. Er hätte sich über das folgende Lied sicherlich gefreut:

Freddy Quinn – Wo die Nordseewellen

Aktion T4

Diese 2 Dokumente habe ich noch bei mir auf der Festplatte gefunden. Man sollte sie niemals vergessen. Ich habe Epilepsie und hatte schon
Psychosen. Würde ich in der Nazizeit leben, wäre ich mit Sicherheit auch vergast oder zumindest zwangssterilisiert worden.

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Vanitas Stillleben

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„Du sihst / wohin du sihst, nur eitelkeit auff erden.
Was dieser heute bawt / reist jener morgen ein:
Wo itzund städte stehn / wird eine wiesen sein,
Auff der ein schäffers kind wird spilen mitt den heerden.

Was itzund prächtig blüht sol bald zutretten werden.
Was itzt so pocht vnd trotzt ist morgen asch und bein.
Nichts ist das ewig sey / kein ertz kein marmorstein.
Itzt lacht das Gluck vns an / bald donnern die beschwerden.

Der hohen thaten ruhm mus wie ein traum vergehn.
Sol denn das spiell der zeitt / der leichte mensch bestehn.
Ach! was ist alles dis was wir für köstlich achten,

Als schlechte nichtikeitt / als schaten, staub vnd windt.
Als eine wiesen blum / die man nicht wiederfindt.
Noch wil was ewig ist kein einig mensch betrachten.“

Andreas Gryphius: Es ist alles eitell. (1643)

Das Vanitas-Stillleben (Vanitas (lat.) bedeutet „Eitelkeit“ und ist gleichzusetzen mit „wertlos“ oder „vergänglich“) ist eine besondere Stilform der Stillleben-Malerei im Barock. Dabei wird das Prinzip der Stillleben-Malerei, die Darstellung lebloser Gegenstände, auf die Spitze getrieben, indem zusätzlich Sinnbilder der Vergänglichkeit (z. B. ein Totenschädel) hinzugefügt werden.

Das Erlebnis des Todes stand den Menschen des ausgehenden 16. Jahrhunderts und der folgenden Jahrzehnte deutlich vor Augen, und in allegorischen und moralisierenden Bildern erlebte das „Memento mori“ („Gedenken des Todes“), immer neue bildliche Interpretationen. Nach dem Ausspruch des König Salomo: „Vanitas vanitatum, et omnia vanitas“ („Vergänglichkeit des Vergänglichen, und alles ist vergänglich“) nennt man diese Stillleben Vanitas-Stillleben.

Entwickelt wurden sie in Flandern im 16. Jahrhundert, doch erlebten sie ihre große Blüte in den Niederlanden im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts. Haarlem und besonders die Universitätsstadt Leiden waren die Zentren dieses Bildtyps.

Die Requisiten (das Zubehör) der Vanitas-Stillleben lassen sich in zwei große Gruppen aufteilen. Zum einen sind es Sinnbilder der Vergänglichkeit, Dinge also, denen der Zerfall eigen ist und deren Erscheinung den Gedanken daran weckt: Totenschädel, Sanduhr, verlöschende Kerze, welkende Blumen und ähnliches. Zum anderen sind es Dinge, deren Wert nur scheinbar beständig ist: Bücher, Geld und Kostbarkeiten, Insignien von Macht und Größe, Werke der bildenden Kunst. Sie treten in allen nur denkbaren Kombinationen auf.

Im 18. Jahrhundert verlieren die Vanitas-Symbole ihre vordergründige Funktion als religiöse Warnung, bleiben jedoch bis in die Kunst der Gegenwart hinein gebräuchlich. Seither werden sie entweder als makaberer Reiz verwendet oder ins Gegenteil des Dauerhaften und Lebendigen umgedeutet, wobei sie den Zusammenhang mit dem Stillleben verlieren: Das Buch oder der Brief etwa sind nicht mehr verwaist, sondern werden umringt von Lesern.

Vanitas Stillleben von Pieter Claesz 1630
Quelle des Textes hier

Suizidale Horizonterweiterung

Suizidale Horizonterweiterung frei nach Hermann Hesse

Ende von “Klein und Wagner (1920)”

Draußen, weit im See, zog er die Ruder ein. Es war nun soweit, und er war zufrieden. Früher hatte er, in den Augenblicken, wo Sterben ihm unvermeidlich schien, doch immer gern noch ein wenig gezögert, die Sache auf morgen verschoben, es erst noch einmal mit dem Weiterleben probiert. Davon war nichts mehr da. Sein kleines Boot, das war er, das war sein kleines, umgrenztes, künstlich versichertes Leben – rundum aber das weite Grau, das war die Welt, das war All und Gott, dahinein sich fallen zu lassen war nicht schwer, das war leicht, das war froh.

Er setzte sich auf den Rand des Bootes nach außen, die Füße hingen ins Wasser. Er neigte sich langsam vor, neigte sich vor, bis hinter ihm das Boot elastisch entglitt. Er war im All.

In die kleine Zahl von Augenblicken, welche er von da an noch lebte, war viel mehr Ereignis gedrängt als in die vierzig Jahre, die er zuvor bis zu diesem Ziel unterwegs gewesen war.

Es begann damit: Im Moment, wo er fiel, wo er einen Blitz lang zwischen Bootsrand und Wasser schwebte, stellte sich ihm dar, daß er einen Selbstmord begehe, eine Kinderei, etwas zwar nicht Schlimmes, aber Komisches und ziemlich Törichtes. Das Pathos des Sterbenwollens und das Pathos des Sterbens selbst fiel in sich zusammen, es war nichts damit. Es war erwünscht, es war schön und willkommen, aber notwendig war es nicht mehr. Seit dem Moment, seit dem aufblitzenden Sekundenteil, wo er sich mit ganzem Wollen, mit ganzem Verzicht auf jedes Wollen, mit ganzer Hingabe hatte vom Bootsrand fallen lassen, in den Schoß der Mitte, in den Arm Gottes – seit diesem Augenblick hatte das Sterben keine Bedeutung mehr. Es war ja alles so einfach, es war ja alles so wunderbar leicht, es gab ja keine Abgründe, keine Schwierigkeiten mehr. Die ganze Kunst war sich fallen lassen! Das leuchtete als Ergebnis seines Lebens hell durch sein ganzes Wesen: sich fallen lassen! Hatte man das einmal getan, hatte man einmal sich dahingegeben, sich anheimgestellt, sich ergeben, hatte man einmal auf alle Stützen und jeden festen Boden unter sich verzichtet, hörte man ganz und gar nur noch auf den Führer im eigenen Herzen, dann war alles gewonnen, dann war alles gut, keine Angst mehr, keine Gefahr mehr.

Dies war erreicht, dies Große, Einzige: er hatte sich fallen lassen! Daß er sich ins Wasser und in den Tod fallen ließ, wäre nicht notwendig gewesen, ebensogut hätte er sich ins Leben fallen lassen können. Aber daran lag nicht viel, wichtig war dies nicht. Er würde leben, er würde wieder kommen. Dann aber würde er keinen Selbstmord mehr brauchen und keinen von all diesen seltsamen Umwegen, keine von all diesen mühsamen und schmerzlichen Torheiten mehr, denn er würde die Angst überwunden haben.

Wunderbarer Gedanke: ein Leben ohne Angst! Die Angst überwinden, das war die Seligkeit, das war die Erlösung. Wie hatte er sein Leben lang Angst gelitten, und nun, wo der Tod ihn schon am Halse würgte, fühlte er nichts mehr davon, keine Angst, kein Grauen, nur Lächeln, nur Erlösung, nur Einverstandensein. Er wußte nun plötzlich, was Angst ist, und daß sie nur von dem überwunden werden kann, den sie erkannt hat. Man hat vor tausend Dingen Angst, vor Schmerzen, vor Richtern, vor dem Erwachen, vor dem Alleinsein, vor der Kälte, vor dem Wahnsinn, vor dem Tode – namentlich vor ihm, vor dem Tode. Aber all das waren nur Masken und Verkleidungen. In Wirklichkeit gab es nur eines, vor dem man Angst hatte: das Sichfallenlassen, den Schritt in das Ungewisse hinaus, den kleinen Schritt hinweg über all die Versicherungen, die es gab. Und wer sich einmal, ein einziges Mal hingegeben hatte, wer einmal das große Vertrauen geübt und sich dem Schicksal anvertraut hatte, der war befreit. Er gehorchte nicht mehr den Erdgesetzen, er war in den Weltraum gefallen und schwang im Reigen der Gestirne mit. So war das. Es war so einfach, jedes Kind konnte das verstehen, konnte das wissen.

Er dachte dies nicht, wie man Gedanken denkt, er lebte, fühlte, tastete, roch und schmeckte es. Er schmeckte, roch, sah und verstand, was Leben war. Er sah die Erschaffung der Welt, er sah den Untergang der Welt, beide wie zwei Heerzüge beständig gegeneinander in Bewegung, nie vollendet, ewig unterwegs. Die Welt wurde immerfort geboren, sie starb immerfort. Jedes Sterben war ein Atemzug, von Gott ausgestoßen. Jedes Sterben war ein Atemzug, von Gott eingesogen. Wer gelernt hatte, nicht zu widerstreben, sich fallen zu lassen, der starb leicht, der wurde leicht geboren. Wer widerstrebte, der litt Angst, der starb schwer, der wurde ungern geboren.

Im grauen Regendunkel über dem Nachtsee sah der Untersinkende das Spiel der Welt gespiegelt und dargestellt: Sonnen und Sterne rollten herauf, rollten hinab, Chöre von Menschen und Tieren, Geistern und Engeln standen gegeneinander, sangen, schweigen, schrien, Züge von Wesen zogen gegeneinander, jedes sich selbst mißkennend, sich selbst hassend, und sich in jedem andern Wesen hassend und verfolgend. Ihrer aller Sehnsucht war nach Tod, war nach Ruhe, ihr Ziel war Gott, war die Wiederkehr zu Gott und das Bleiben in Gott. Dies Ziel schuf Angst, denn es war ein Irrtum. Es gab kein bleiben in Gott. Es gab keine Ruhe! Es gab nur das ewige, ewige, herrliche, heilige Ausgearmetwerden und Eingeatmetwerden, Gestaltung und Auflösung, Geburt und Tod, Auszug und Wiederkehr, ohne Pause, ohne Ende. Und darum gab es nur Eine Kunst, nur Eine Lehre, nur Ein Geheimnis: sich fallen lassen, sich nicht gegen Gottes Willen sträuben, sich an nichts klammern, nicht an Gut noch Böse. Dann war man erlöst, dann war man frei von Leid, frei von Angst, nur dann.

Sein Leben lag vor ihm wie ein Land mir Wäldern, Talschaften und Dörfern, das man vom Kamm eines hohen Gebirges übersieht. Alles war gut gewesen, einfach und gut gewesen, und alles war durch seine Angst, durch sein Sträuben zu Qual und Verwicklung, zu schauerlichen Knäulen und Krämpfen von Jammer und Elend geworden! Es gab keine Frau, ohne die man nicht leben konnte – und es gab auch kein Frau, mit der man nicht hätte leben können. Es gab kein Ding in der Welt, das nicht ebenso schön, ebenso begehrenswert, ebenso beglückend war wie sein Gegenteil! Es war selig zu leben, es war selig zu sterben, sobald man allein im Weltraum hing. Ruhe von außen gab es nicht, keine Ruhe im Friedhof, keine Ruhe in Gott, kein Zauber unterbrach je die ewige Kette der Geburten, die unendliche Reihe im eigenen Innern zu finden.! Sie hieß: Laß dich fallen! Wehre Dich nicht” Stirb gern! Leben gern!

Alle Gestalten seines Lebens waren bei ihm, alle Gesichter seiner Liebe, alle Wechsel seines Leidens. Seine Frau war rein und ohne Schuld wie er selbst, Teresina lächelte kindlich her. Der Mörder Wagner, dessen Schatten so breit über Kleins Leben gefallen war, lächelte ihm ernst ins Gesicht, und sein Lächeln erzählte, daß auch Mord und Blut und Scheußlichkeit nicht Dinge sind, welche wahrhaft existieren, sondern nur Wertungen unserer eigenen, selbstquälerischen Seele. Mit dem Morde Wagners hatte er, Klein, Jahre seines Lebens hingebracht, in Verwerfen und Billigen, Verurteilen und Bewundern, Verabscheuen und Nachahmen hatte er sich aus diesem Morde unendliche Ketten von Qualen, von Ängsten seinem eigenen Tode beigewohnt, er hatte sich aus Angst seinem eigenen Tode beigewohnt, er hatte sich auf dem Schafott, sterben sehen, er hatte den Schnitt des Rasiermessers durch seinen Hals gefühlt und die Kugel in seiner Schläfe – und nun, da er den gefürchteten Tod wirklich starb, war es so leicht, war es so einfach, war es Freude und Triumph! Nichts in der Welt war so zu fürchten, nichts war schrecklich – nur im Wahn machten wir uns all diese Furcht, all dies Leid, nur in unsrer eigenen, geängstigten Seele entstand Gut und Böse, Wert und Unwert, Begehren und Furcht.

Die Gestalt Wagners versank weit in der Ferne. Er war nicht Wagner, nicht mehr, es gab keinen Wagner, das alles war Täuschung gewesen. Nun, mochte Wagner sterben! Er, Klein, würde leben.

Wasser floß ihm in den Mund, und er trank. Von allen Seiten, durch alle Sinne floß Wasser herein, alles löste sich auf. Er wurde angesogen, er wurde eingeatmet. Neben ihm, an ihn gedrängt, so eng beisammen wie die Tropfen um Wasser, schwammen andere Menschen, schwamm Teresina, schwamm der alte Sänger, schwamm seine einstige Frau, sein Vater, seine Mutter und Schwester und tausend, tausend, tausend andre Menschen, und auch Bilder und Häuser, Tizians Venus und das Münster von Straßburg, alles schwamm, eng aneinander, in einem ungeheuren Strom dahin, von Notwendigkeit getrieben, rasch und rascher, rasend – und diesem ungeheuer, rasenden Riesenstrom der Gestaltungen kam ein anderer Strom entgegen, ungeheuer, rasend, ein Strom von Gesichtern, Beinen, Bäuchen, von Tieren, Blumen, Gedanken, Morden, Selbstmorden, geschriebene Büchern, geweinten Tränen, dicht, dicht, voll, voll, Kinderaugen und schwarze Locken und Fischköpfe, ein Weib mit langem starren Messer im blutigen Bauch, ein junger Mensch, ihm selbst ähnlich, das Gesicht voll heiliger Leidenschaft, das war er selbst, zwanzigjährig, jener verschollene Klein von damals! Wie gut, daß auch diese Erkenntnis nun zu ihm kam: daß es keine Zeit gab! Das einzige, was zwischen Alter und Jugend, zwischen Babylon und Berlin, zwischen Gut und Böse, Geben und Nehmen stand, das einzige, was die Welt mit Unterschieden, Wertungen, Leid, Streit, Krieg erfüllt, war der Menschengeist, der junge ungestüme und grausame Menschengeist im Zustand der tobenden Jugend, noch fern vom Wissen, noch weit von Gott. Er erfand Gegensätze, er erfand Namen. Dinge nannte er schön, Dinge häßlich, diese gut, diese schlecht. Ein Stück Leben wurde Liebe genannt, ein anderes Mord. So war dieser Geist, jung, töricht, komisch. Eine seiner Erfindungen war die zeit. Eine feine Erfindung, ein raffiniertes Instrument, sich noch inniger zu quälen und die Welt vielfach und schwierig zu machen! Von allem, was der Mensch begehrte, war er immer nur durch Zeit getrennt, nur durch diese Zeit, diese tolle Erfindung! Sie war eine der Stützen, eine der Krücken, die man vor allem fahren lassen mußte, wenn man frei werden wollte.

Weiter quoll der Weltstrom der Gestaltungen, der von Gott eingesogene, und der andere, ihm entgegen, der ausgeatmete. Klein sah Wesen, die sich dem Strom widersetzten, die sich unter furchtbaren Krämpfen aufbäumten und sich grauenhafte Qualen schufen: Helden, Verbrecher, Wahnsinnige, Denker, Liebende, Religiöse. Andere sah er, gleich ihm selbst, rasch und leicht in inniger Wollust der Hingabe, des Einverstandenseins dahingetrieben, Selige wie er. Aus dem Gesang der Seligen und aus dem endlosen Qualschrei der Unseligen baute sich über den beiden Weltströmen eine durchsichtige Kugel oder Kuppel aus Tönen, ein Dom von Musik, in dessen Mitte saß Gott, saß ein heller, vor Helle unsichtbarer Glanzstern, ein Inbegriff von Licht, umbraust von der Musik der Weltchöre, in ewiger Bewegung.

Helden und Denker traten aus dem Weltstrom, Propheten, Verkünder. “Siehe, das ist Gott, der Herr, und sein Weg führt zum Frieden”, rief einer, und viele folgten ihm. Ein andrer verkündete, daß Gottes Bahn zum Kampf und Kriege führte. Einer, nannte ihn Licht, einer nannte ihn Nacht, einer Vater, einer Mutter. Einer pries ihn als Ruhe, einer als Bewegung, als Feuer, als Kühle, als Richter, als Tröster, als Schöpfer, als Vernichter, als Verzeiher, als Rächer. Gott selbst nannte sich nicht. Er wollte genannt, er wollte geliebt, er wollte gepriesen, verflucht, gehaßt, angebetet sein, denn die Musik der Weltchöre war sein Gotteshaus und war sein leben – aber galt ihm gleich, mit welchen Namen man ihn pries, ob man ihn liebte oder haßte, ob man bei ihm Ruhe und Schlaf, oder Tanz und Raserei suchte. Jeder konnte suchen. Jeder konnte finden.

Jetzt vernahm Klein seine eigene Stimme. Er sang. Mit einer neuen, gewaltigen, hellen hallenden Stimme sang er lau, sang er laut und hallend Gottes Lob, Gottes Preis. Er sang im rasenden Dahinschwimmen, inmitten der Millionen Geschöpfe, ein Prophet und Verkünder. Laut schallte sein Lied, hoch stieg das Gewölbe der Töne auf, strahlend saß Gott im Innern. Ungeheuer brausten die Ströme hin.

ENDE

…und nun Ihr Lieben… käme die Frage nach der Realisierung einer solchen Aktion, die wesentlich komplizierter ist, als man am Anfang dachte,…:-)))… wenn man zum Beispiel einen Fön ins Badewasser wirft, das machen übrigens sehr viele Leute, dann wäre auch diese Aktion von Mißerfolg gekrönt, denn es würde nur die FI Schutzsicherung herausfliegen..:-)))….oder man springt vom 5. Stock und bricht sich nur die Arme und Beine……. kann man sich also nur umbringen, wenn man es besonders “intelligent” anstellt???….:-)))….vor allem aber: wenn man schon so weit ist, es zu tun, und es mißlingt dann… fühlt man sich dann nicht noch beschissener, als vorher, oder ist man dann froh, daß es doch nicht geklappt hat…. und schließlich das Thema “Vorsehung” und “Schutzengel” mit dem Hintergedanken, daß es möglicherweise gar nicht klappen “sollte”….:-)))…es gibt also viele, viele Fragezeichen….???????????????.

Und nun noch ein Link zur Seite auf der Susili Homepage:

http://www.susili.de/psychose/schattenseiten/04psycho-esbeganndamit.html

Das Verbrechen hinter den Worten

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Das Verbrechen hinter den Worten
Tondokumente (1930-1964) zum nationalsozialistischen Völkermord

Eine Produktion des Deutschen Historischen Museums Berlin und des Deutschen Rundfunkarchivs Frankfurt/M. und Potsdam – Babelsberg

Am sechsten Jahrestag der nationalsozialistischen Machtübernahme, am 30. Januar 1939, drohte Hitler in seiner Reichstagsrede – die vom Rundfunk direkt übertragen wurde – die Vernichtung der Juden an, die dann in den Jahren nach 1941 unerbittliche Wahrheit für Millionen Menschen wurde.

Die hier zusammengestellten 15 Tondokumente aus der Zeit von 1930 bis 1964 spiegeln diese Entwicklung wider, von der vergeblichen Warnung durch den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, den “Nürnberger Gesetzen”, der Einführung des “Judensterns” im Deutschen Reich, der Wannsee-Konferenz bis zum Holocaust, der in den Nachkriegsprozessen in Nürnberg, Jerusalem und Frankfurt am Main ausführlich zur Sprache kommt.

Die Anklagen durch Sendungen des Deutschen Dienstes der BBC hatten keinerlei Wirkung, entscheidend waren die Eroberungen der Konzentrations- und Vernichtungslager durch die alliierten Armeen. “Wir wissen nicht, wie wir jemals den Befreiern – unseren Befreiern – danken sollen”, erklärte Charlotte Grunow am 15. April 1945 nach ihrer Befreiung aus Bergen-Belsen, und fuhr fort: “Wenn wir heute die Sonne untergehen sehen, denken wir an den Kamin in Auschwitz.”

CD für 5 Euro

1. Aug. 1930 Julius Brodnitz (Vorsitzender des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens):
Zu der Reichstagswahl am 14.9.1930 2′45″

2. 16.9.1935 Joseph Goebbels: Rede an die Gau- und Kreispropagandaleiter der NSDAP im Nürnberger Apollotheater
(nach dem Erlass der “Nürnberger Gesetze”) 4′03″

3. 10.11.1938 Reportage nach der Reichspogromnacht (”Kristallnacht”) in Wien 2′19″

4. 30.1.1939 Adolf Hitler: Ansprache auf der Reichstagssitzung in der Berliner Kroll-Oper 1′05″

5. 28.9 1941 Josef Grohé (Gauleiter der NSDAP): Rede auf einer NSDAP-Kundgebung in den Kölner Messehallen
(nach Einführung des “Judensterns” im Deutschen Reich) 2′38″

6. Dez. 1941 Thomas Mann: Ansprache über den Deutschen Dienst der BBC innerhalb der Sendereihe “Deutsche Hörer!”
(aufgenommen am 6.12.1941 in Kalifornien) 4′26″

7. 30.1.1942 Adolf Hitler auf einer Kundgebung im Berliner Sportpalast 2′00″

8. 24 12.1942 Sendung des Deutschen Dienstes der BBC: Über die Vernichtung der Juden im besetzten Europa durch den Nationalsozialismus 8′00″

9. 4.10.1943 Heinrich Himmler: Ansprache in Posen vor Generälen der Waffen-SS 3′37″

10. 21.6.1944 Heinrich Himmler in Sonthofen vor Wehrmachtsqenerälen 3′03″

11. 15.4.1945 Charlotte Grunow: Bericht über ihre Inhaftierung in den Konzentrationslagern Auschwitz und Bergen-Belsen 6′43″

12. 15.4.1946 Nürnberger Prozess: Zeugenvernehmung von Rudolf Höß, Kommandant des Vernichtungslagers Auschwitz (1940-1943); die Fragen stellt Rechtsanwalt Kurt Kauffmann 14′30″

13. 26 6 1961 Adolf Eichmann: Aussage vor dem Jerusalemer Bezirksgericht über die Wannsee-Konferenz 3′45″

14. 13.12.1961 Adolf Eichmann: Schlusswort 0′55″

15. 30.11.1964 Frankfurter Auschwitz-Prozess: Aussage des Zeugen Rudolf Vrba; Vorsitzender Richter: Hans Hofmeyer

Tsunami

Ich möchte noch einmal an den Tsunami in Südostasien erinnern. Hier das entscheidende Phoenix-Nachrichten-Bild vom 26.12.2004 zum Erdbeben:

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Banda Aceh vor dem Tsunami:

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Banda Aceh nach dem Tsunami:

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Allen, die durch das Erdbeben und die Flutkatastrophe einen geliebten Menschen verloren haben oder sich in großer Not befinden, gilt mein herzliches Beileid und Mitgefühl.

Toter Fötus

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Ist es nicht wirklich schlimm, daß alle Föten, die man auf solchen, eigentlich tollen Bildern sieht, bereits tot sind. Nur für das Photo wird die Situation als Fake aufbereitet.

Evelyn Hamann fehlt

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Ich bin immer noch traurig, daß Evelyn Hamann gestorben ist. Sie war wirklich eine außergewöhnlich Komödiantin und Schauspielerin.