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Wie bitte? Er ist doch nicht vollkommen ???

 

 

Keiner ist vollkommen. Auch nicht so ein Universalgenie, wie Leonardo da Vinci. Ein Rätsel beschäftigt sich mit der Freskomalerei. Dort kannst du lesen, daß man auf den noch nassen Putz malen muß. Das bedeutet aber auch, daß man sich nicht allzu viel Zeit mit der Malerei lassen kann, sobald eine zu große Fläche feuchter Putz zur Verfügung steht.

Leonardo da Vinci war ein Maler, der sich bei allem, was er tat sehr viel Zeit ließ, damit es auch wirklich seinen hohen Ansprüchen genügte. Keinen seiner Aufträge lieferte er pünktlich ab. Sein letztes Abendmahl sollte natürlich ein großartiges Gemälde werden. Weil aber die übliche Freskofarbe viel zu schnell trocknete, benutzte er einfach Öl- und Firnishaltige Farben. Und was daraufhin geschah, kannst du dir fast denken.

 

 

Leonardo da Vinci: das letzte Abendmahl "Cenacolo Vinciano" im Refektorium der Kirche Santa Maria della Grazia in Mailand, 9,04 Meter lang und 4,22 Meter hoch, also riesig.

Das Kirchengemäuer wurde feucht und die Farben fingen an, zu reißen. Schließlich bröckelte das Abendmahl schon nach 20 Jahren von der Wand. Damit ging der Streß erst richtig los. Das Gemälde war klasse und sollte für die Nachwelt erhalten werden. Seit dem 16. Jahrhundert machten sich Restauratoren daran, dieses großartige Kunstwerk vor dem totalen Verfall zu retten. Teilweise wurde dilettantisch gearbeitet und dem Bild eher geschadet, als es zu erhalten.

Schließlich war es 1999 soweit. Die Restaurierung war abgeschlossen und kostete nach Presseberichten etwa 3,62 Millionen Euro. Die UNESCO betrachtet dieses Gemälde seit 1980 als Weltkulturerbe der Menschheit, dann darf so eine Restaurierung ruhig etwas ins Geld gehen.

Wenn du das Gemälde heutzutage besichtigen willst, gehst du über den extra Eingang links neben der Kirche ins Refektorium, mußt drei Sicherheits - bzw. Staubschutzschleusen passieren und darfst innerhalb einer kleinen Gruppe 10 - 15 Minuten vor dem Bild verweilen.

 

 

Sehr viele Gemälde haben einen religiösen Hintergrund. So ist es auch hier. Leonardo gehört zu den Künstlern, die mit wissenschaftlicher Genauigkeit versuchten, sich an die biblische Vorlage zu halten. Neben dieser Vorlage war es für Leonardo ebenso wichtig, sowohl Jesus, als auch die Jünger so in Szene zu setzen, daß ihre Darstellung sowohl ihrem Äußeren, als auch ihrem Charakter entsprechen sollte.

Am bekanntesten sind uns die Verse 26-28 aus dem Evangelium des Matthäus Kap. 26, weil wir sie auch heute noch während des Abendmahls hören: Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmt und eßt; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinkt alle daraus; denn das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

Analog zu diesem Versen sind unzählige Gemälde entstanden, die genau nach Vorlage der genannten Verse Jesus beim Brot brechen zeigen. Leonardo hatte sich für seine Abendmahlsdarstellung aber eine andere Szene ausgesucht, denn vor dem Abendmahl erzählt Christus, daß einer unter ihnen Verrat begehen würde:

Matthäus 26, 20-22: "Und am Abend setzte er sich mit den Zwölfen zu Tisch. Und als sie aßen, sprach er: Wahrlich ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, jeder einzelne, ihn zu fragen: Herr bin ich's..."

Und genau das zeigt Leonardo: die Jüger hören, daß einer der Verräter sein wird und fangen sofort an, wie wild durcheinander zu gestikulieren und zu überlegen, wer das denn sein mag.

Leonardo sagt selbst zum Abendmahl:

"Einer hat getrunken und den Becher liegen lassen, er wendet sich mit dem Haupte zum Redner. Ein anderer, die Finger beider Hände ineinander verkrampft und mit starren Augenbrauen, wendet sich dem Gefährten zu, der andere zeigte die Innenflächen seiner geöffneten Hände, zieht die Schultern hoch, und um seinen Mund steht das Staunen. Wieder einer flüsterte ins Ohr des nächsten, und dieser hört, ihm zugewendet, mit offenem Ohr zu, in der einen Hand das Messer, in der andern das Brot, das er eben mit dem Messer geteilt hat, und wieder einer wirft, während er sich umwendet, mit dem Messer, das er in einer Hand hält, den Becher auf den Tisch.
Einer legt seine Hände auf den Tisch und schaut, ein anderer kühlt den Bissen. Einer beugt sich vor, um den Sprechenden zu sehen und hält die Hand über die Augen, ein anderer tritt hinter den Vorgebeugten zurück und sucht zwischen ihm und der Mauer nach dem Sprechenden zu sehen."

Hier siehst du nun ein Foto aus dem Innenraum des Refektoriums mit dem Abendmahl an der Altarwand:

 

und nun das Abendmahl zum vergrößern:

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Leonardo da Vinci - Das letzte Abendmahl - Santa Maria della Grazia, Mailand, 1495-98

Die Berufung der ersten Jünger.

Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simons, die auf dem See ihr Netze auswarfen, sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. Sofort rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Taglöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach. (Mk 1, 16-20.)

Andreas

 

Petrus

 

Thomas

 

Petrus

Stammt aus Bethsaida, war vorher Fischer in Kafárnaum. Jesus hat ihm den Beinamen Kephas gegeben. Er war der erste Papst und erlitt um das Jahr 60 in Rom den Märtyrertod. Er ist der Patron der Färber, Fischer, Brückenbauer, Schmiede, Metzger, Steinbrucharbeiter und Uhrmacher. Er ist auch "Himmelspförtner und Wettermacher." Dargestellt wird er mit einem Schlüssel. Sein Fest feiern wir zusammen mit dem Apostel Paulus am 29. Juni. Eigentl. Name Simon; Sohn des Jona, Bruder des Andreas. Fischer; Partner mit Johannes und Jakobus

Jakobus, (Sohn des Zebedäus)

Er war wie Petrus Fischer und lebte am See Gennesaret. Er wird zusammen mit Petrus und Johannes zu den "Donnersöhnen" gezählt. Auch er wurde für seinen Glauben um 44 n. Chr. umgebracht. Bekannt ist er als Pilger mit Muschel. Er ist Schutzheiliger der Winzer und Wallfahrer. Der Festtag ist der 25. Juli. Sohn der Salome, Bruder des Johannes.

Johannes, (Sohn des Zebedäus)

Er war der Lieblingsjünger Jesu, hatte als einziger Jünger unter dem Kreuz gestanden. Er war der Adoptivsohn Marias, der Mutter Jesu, die er bis zu ihrem Tod bei sich aufgenommen hatte, und war unter Kaiser Domitian auf die Insel Patmos verbannt worden. Er starb ungefähr um das 100 n. Chr. Er ist wahrscheinlich weder der Verfasser des Johannesevangeliums, noch der Apokalypse, noch der Apostelbriefe. Dargestellt wird er aber trotzdem als Apostel ,mit einem Adler, einer Palme oder einem Becher Wein. Er ist Patron der Schriftsetzer, Kopisten, Winzer und Kerzenzieher. Sohn der Salome, Bruder des Jakobus

Andreas

Er ist der stille Bruder des Petrus und gehört zu den ersten Jüngern. Er lebte wie Petrus in Kafárnaum und war Fischer. Seine Missionsgebiete waren die unteren Donauländer, Trakien und Griechenland. Er starb als Märtyrer in der Stadt Patras um das Jahr 60 n. Chr. Man hatte ihn an ein Kreuz geheftet, das aussah wie ein X (= Andreaskreuz). Sein Apostelfest feiern wir am 30. November. Stammte aus Betsaida; Sohn des Jona.

Philippus

Philippus war der Freund des Andreas. Er war, bevor er zu Jesus kam, ein Jünger Johannes des Täufers. Seine Mission ging nach Phrygien. Seine sterblichen Überreste kannst du in Rom in der Kirche der zwölf Apostel finden. Dargestellt wird er oft mit Kreuz, Buch und Geißel. Er ist der Patron der Walker, Hutmacher und Kaufleute. Sein Festtag: 3. Mai. Stammte aus Betsaida in Galiläa.

Bartholomäus

Er wird wiederum als Freund des Philippus genannt. Auch er gehört zu den Erstberufenen und wird im Johannesevangelium Nathanael genannt. Er ist als Apostel der Orients bekannt (Arabien, Mesopotamien, Ägypten.) Enthauptet wurde er in Syrien, wo man seine Grabstätte verehrt. Er ist auch ein Wetterheiliger und hilft bei Nervenkrankheiten. Dargestellt wird er mit Buch, Schindmesser und Fahne. Sein Fest ist der 24. August. (Nathanael). Aus Kanaa in Galiläa.

Matthäus

Der Apostel Matthäus war vorher Zöllner. Forscher meinen heute, der Apostel Matthäus ist nicht der Matthäus, der das Evangelium geschrieben hat. Über seine Missionsreisen und seinen Tod wissen wir sehr wenig. Seine Gebeine werden heute in Salerno verehrt. Das Apostelfest feiern wir am 21. September. Dieser Tag ist zugleich ein Lostag in der Witterung.

Thomas

Der Apostel Thomas (=Didymus = Zwilling) ist dadurch bekannt, daß er, ohne Jesus nicht gesehen zu haben, nicht an seine Auferstehung glauben konnte. Seine Mission endete in Indien, wo er in Mailapur für seinen Glauben hingerichtet wurde (indische Christen werden Thomas - Christen genannt). Seinen Namenstag feiern wir am 3. Juli.

Jakobus, (Sohn des Alphäus)

Über diesem Apostel wissen wir soviel wie gar nichts. Viele haben ihn mit dem Herrenbruder Jakobus gleichgesetzt. Diese Annahme ist aber falsch. Er ist der Patron der Walker, Hutmacher, Krämer und Pastetenbäcker. Dargestellt wird er mit Walkerstange oder Keule, mit einem Kranz in den Händen. Festtag ist auch der 3. Mai. Sohn des Alphäus; Sohn der Maria, Auch als "Der Jüngere" oder "Kleinere" bekannt.

Judas Thaddäus

Er wird auch der Sohn des Jakobus genannt. Auch von ihm wissen wir nicht viel. Seine Verehrung hat vor 200 Jahren begonnen. Er wird dargestellt als Apostel mit Buch, Keule und Steinen. Er ist Patron in schweren Nöten und Anliegen. Sein Festtag steht im Kalender am 28. Oktober.Bruder des Jakobus; Vielleicht ein Zelot; Laut Tradition hat er in Armenien gepredigt.

Simon Kanaanäus (Zelotes)

Dieser Apostel gehörte, bevor er ein Apostel Jesu wurde, zur Partei der Zeloten. Sonst wissen wir über ihn nichts mehr. Dargestellt wird er als Apostel mit Säge und Lanze, Knüppel oder Schwert. Er ist der Patron der Holzhauer, Maurer, Gerber, Weber und Färber. Sei Fest feiern wir auch am 28. Oktober. Laut Tradition zusammen mit Judas in Armenien als Märtyrer gestorben

Matthias

Er ist der Apostel, der statt Judas Iskariot in die Schar der Apostel aufgenommen wurde. Lies nach im 1. Kapitel der Apostelgeschichte. Seine Mission dürfte nach Äthiopien gegangen sein. Mehr wissen wir nicht. Dargestellt wird er als Apostel mit Buch und Rolle, Schwert oder Beil, auch mit Steinen und Lanze. Er ist der Patron der Bauhandwerker, Zimmerleute, Schmiede, Fleischhauer, Zuckerbäcker und Schneider. Sein Festtag wird bei uns am 24. Februar gefeiert, im römischen Kalender ist sein Namenstag der 14. Mai.

Judas Iskariot

Verräter Jesu Christi , Wurde von Jesus "Teufel" und "Sohn des Verderbens" genannt, Schatzmeister der Apostel, Beging Selbstmord.

Links zum Thema:

http://www.bibelcenter.de/bibel/studien/d-std040.php - http://www.leibniz-gym.de/pr08/

 

Falls dir das Abendmahl gar nicht bekannt ist, dann ist es vielleicht der Vitruvianische Mann:

 

 

In der Ibykus habe ich einen Artikel gefunden, in dem ein Leonardo Experte zu Wort kommt. Auch wenn es dir vielleicht schwer formuliert erscheint, ist so ein Interview etwas sehr Interessantes. Du wirst feststellen, daß seine Meinung und seine Hintergrundinformation auf den ersten Blick etwas abwegig erscheint, weil Leonardo da Vinci für die meisten Menschen nur der ist, der die Mona Lisa gemalt hat. Viele Informationen und Hintergründe aus Leonardos Schaffenszeit sind sehr vielen Menschen überhaupt nicht bekannt. So ist es sinnvoll, einmal zu lesen, was ein Experte zu sagen hat:

Aus Ibykus Nr. 79 (2/2002):

Ein Gespräch mit dem Leonardo-Experten Dr. Carlo Bertelli:

"Die Funktionsweise der Natur verstehen und dies in die Malerei übertragen"

Dr. Carlo Bertelli ist als ehemaliger Leiter der Mailänder Pinakothek und ehemaliger Inspekteur des Zentralinstituts für Restaurierungen in Rom führender Leonardo da Vinci-Experte. Er war maßgeblich beteiligt an der Konzipierung der Restaurierungsarbeiten an Leonardos Abendmahl. Das folgende Gespräch führte Leonardo Servadio für Ibykus.

Ibykus: Als Begründer der modernen Wissenschaft gilt heute Galileo Galilei, aber wäre es nicht richtiger, das Werk Leonardo da Vincis als Grundstein der heutigen Wissenschaft zu betrachten?

Bertelli: Galileos Aktivität ist mathematisch ausgerichtet. Ihm ging es darum, Gegenstände und Bewegungen zu messen und Experimente so durchzuführen, daß sie präzise und fehlerfrei reproduzierbar waren. Für Galileo ist die Mathematik ein logisches Prinzip - Leonardo benutzte sie nur, um zu messen. Galileo forschte nach linearen und regelmäßigen Erscheinungen; er versuchte Regeln zu finden, welche dem Universum zugrundeliegen.

Leonardo schaut nicht nach universell funktionalen Regeln: Er operiert "innerhalb" der Erscheinungen. Nehmen wir ein Beispiel aus Leonardos anatomischen Manuskripten: "Wenn der Rücken gerade ist, kannst du immer eine Beziehung zwischen Brustmuskeln und Rücken finden...", d.h. wenn der Rücken gerade ist, liegt das Schulterblatt in der gleichen Höhe wie die Brustmuskeln." Von einer spezifischen Beobachtung leitet Leonardo eine Regel ab, die abhängig von dem Ziel, das er kurzfristig im Auge hat, vorübergehend gilt. Sein eigentliches Ziel ist jedoch, die Funktionsweise der Natur zu verstehen und dies dann in die Malerei zu übertragen.

Leonardo beobachtet, "daß es eine Kraft gibt, die in der Natur agiert". Er ist ständig darum bemüht, zu erklären, was er in der Natur beobachtet. Aber er erreicht niemals die wissenschaftliche Strenge, die nötig ist, um empirisch nachprüfbare universelle Gesetze zu formulieren.

Leonardo liebte es, Vergleiche anzustellen - z.B. zwischen dem menschlichen Fuß und der Pranke eines Bären. Es handelt sich um Forschungen eines genialischen Geistes, eines rationalen Denkers mit einer sehr ausgeprägten künstlerischen Ausrichtung. Er ist aber kein Wissenschaftler, dem es darum geht, abstrakte und replizierbare Regeln aufzustellen.

Ibykus: Leonardos Felsenzeichnungen und seine Schriften zu diesem Thema zeigen einen Forscher, dem es darum ging, den Ursachen der Dinge auf den Grund zu gehen.

Bertelli: Unter den Zeichnungen aus der zweiten Mailänder Periode Leonardos befinden sich Bilder, in denen eine Sintflut dargestellt wird. Man kann dies interpretieren als Ankündigung der künftigen Zerstörung der Welt oder aber auch als eine Hypothese, wie die Welt erzeugt wurde und wie sie sich wieder auflösen wird. Als er den Berg Grigna bestieg und dort fossile Muschelschalen fand, fragte er sich, wie es zu dieser geologischen Formation gekommen sein mochte.

In seinen Zeichnungen sieht man genau, wie sein künstlerischer Verstand arbeitet. Er benutzt ein sehr schönes Bild von dem Menschen, der in die Höhle eintritt, um Wissen zu erlangen. Er ist eine Art Visionär. Zum Beispiel entwarf er einen Plan für den Bau eines 300 Meter hohen Turms für das Mailänder Schloß: eine völlig unrealistische Idee, da man mit den Materialien, die man damals verwendete, gar keinen Turm von dieser Höhe bauen konnte.

Ibykus: In verschiedenen seiner Schriften werden auch Hinweise auf technische Studien gemacht...

Bertelli: Er studierte vor allem den Gebrauch von Kurbeln - um das Wasser in dem ausgedehnten Kanalsystem, das seit dem Mittelalter rund um Mailand existierte, besser zu kontrollieren. Leonardo arbeitete vor allem am Ausbau der Staustufen am Martesana-Kanal. Es ist überraschend zu sehen, wie intensiv er die Dynamik des Wassers studierte, nicht jedoch die Dynamik des Windes. Dabei gab es zu seiner Zeit in Holland sehr beeindruckende Windmühlen.

Ibykus: Er entwarf und zeichnete sehr viele Pläne für den Bau von Maschinen. War das zu seiner Zeit üblich?

Bertelli: Kürzlich gab es in Siena eine Ausstellung unter dem Titel Vor Leonardo. Darin wurden verschiedene Maschinen ausgestellt, die im 15. Jahrhundert in Siena entworfen wurden. Es gab verschiedene Leute, die Maschinen zeichneten. Zum Beispiel war Mariano Taccola ein solcher Erfinder von Maschinen, die man jedoch manchmal gar nicht bauen konnte. Ohne Zweifel gab es an den Höfen Italiens Leute, die die Forschung in diese Richtung förderten. Man fühlte sich herausgefordert, das Undenkbare auszuprobieren und zu erfinden. Voltario zeichnete eine ganze Reihe von Kriegsmaschinen. Ebenso Leonardo, der sich bei seinen Entwürfen von der Lektüre Frontinos und dessen Zeichnungen leiten ließ.

Warum so viele Maschinenentwürfe gemacht wurden, hängt damit zusammen, daß die kleinen italienischen Höfe versuchten, technische Lösungen zu finden, mit denen man aus Kostengründen den Einsatz von Soldaten reduzieren konnte. Sie wollten menschliche "Intelligenz" als militärische Kraft benutzen.

In einem Brief an Ludovico il Moro schrieb Leonardo, er könne Kanonen und Maschinen bauen. Das war an den verschiedenen Höfen Italiens sehr begehrt. Wir müssen uns klarmachen, daß Leonardos Aktivitäten während seines Aufenthalts in Mailand sehr vielfältig und von Unterbrechungen gekennzeichnet waren. Er konnte sich oft nicht konzentrieren, weil er immer wieder mit neuen Aufgaben konfrontiert wurde. Seine Arbeit am Abendmahl wurde ständig unterbrochen: So gab man ihm den Auftrag, das große Pferd zu schaffen, was er dann geplant, aber nie wirklich gebaut hat. Oder er sollte Kriegsmaschinen bauen, weil Italien damals Angst vor einer Invasion der Moslems hatte. Er selbst tendierte dazu, an mehreren Projekten gleichzeitig zu arbeiten. Während er am Ausbau des Martesana-Kanals arbeitete, bestieg er den Berg Grigna und beschloß dort, seine geologischen Studien zu beginnen.

Ibykus: Hatte Leonardo eine besondere Methode?

Bertelli: Es ist für uns schwierig zu verstehen, wie er operierte, um seine Beobachtungen in Bilder umzusetzen. Wenn er Wasserbewegung beobachtete, merkte er an, daß Wasser sich wie Luft bewegt und Luft wie Wasser. Es liebte es, Vergleiche anzustellen. Er wollte Abhandlungen schreiben, machte sich ständig Notizen und Skizzenentwürfe.

Ibykus: Ist es denkbar, daß noch irgendwelche neuen Schriften Leonardos entdeckt werden?

Bertelli: Noch vor 25 Jahren wurden in Madrid zwei bis dahin unbekannte Schriften Leonardos entdeckt. Sie enthielten verschiedene Notizen, die er mit der Absicht gemacht haben muß, eine neue Abhandlung über das Wasser zu schreiben. Es ist möglich, daß es noch immer unbekannte Schriften Leonardos gibt - nicht notwendigerweise komplette Abhandlungen. Neben dem Codex Madrid gibt es den aus dem Erbe von Melzi stammenden Codex Atlanticus, der sich später in der Ambrosianischen Bibliothek befand. Der Besitz von Carlo Urbani ging verloren. Dann haben wir den Codex Hammer, der ein lange Liste mit italienischen und lateinischen Worten enthält, was darauf hinweist, wie sehr Leonardo sich bemühte, diese Sprache zu meistern.

Ibykus: Warum denken Sie, hat Leonardo solch eigenartige Felsformationen gemalt, die vom Standpunkt der Statik so gar nicht möglich sind, wie z.B. die Felsengrottenmadonna?

Bertelli: Die Idee einer überhängenden Landschaft ist typisch für die Florentiner. Betrachten Sie Leonardos Zeichnung einer Landschaft aus dem Jahre 1473. Dort sehen Sie rohe Natur und gepflügte Felder nebeneinander: Es ist das Bild des Gegensatzes zwischen einer nicht beherrschbaren Natur und der Anwesenheit des Menschen. Es handelt sich um ein theologisches Konzept: der Idee, daß mit der Fleischwerdung der Schöpfer zur Erde zurückkehrte, um nicht nur den Menschen, sondern auch die Natur, die ganze Schöpfung, zu erlösen.

Man sieht dasselbe Denken in dem unvollendeten Werk Die Anbetung der Könige. Da nach der antiken Tradition das Auftauchen des Kometen günstigen oder ungünstigen Ereignissen entsprach, sieht man im Hintergrund den Kampf der Reiter. Es handelt sich um etwas, was offensichtlich nichts mit der Anbetung zu tun hat, und die Könige sind völlig verwirrt angesichts des Ereignisses. Die Natur ist Teil der Geschichte des Menschen. Und das Konzept von der Zeitlichkeit des menschlichen Lebens ist damit eng verknüpft. Es ist die Idee, daß sich die Erde in einem kontinuierlichen Transformationsprozeß befindet. In der Felsengrottenmadonna sind Menschen so gemalt, als befänden sie sich in einem ausgetrockneten Flußbett. Leonardo hat definitiv ein Konzept kontinuierlicher Bewegung. Es gibt nichts Fixes - das einzig kontinuierliche ist der Prozeß der Veränderung. Der Mensch ist gemäß der Auffassung Leonardos derjenige, der in das Universum Ordnung bringt, und diese Aktivität ist eine Folge seiner künstlerischen Intuition, und nicht so sehr Folge des Verstandes.

Ibykus: Sie haben die erste Phase der Restaurierungsarbeiten am Abendmahl geleitet. Was sind Ihre Gedanken zu diesem Projekt?

Bertelli: Ich habe die Restaurierung begonnen, sie jedoch nicht vollendet. Man muß das Gemälde in Bezug auf den Raum sehen, in dem es gemalt wurde. Es befindet sich im ehemaligen Speisesaal des Dominikanerklosters. Als Leonardo das Abendmahl malte, stand dieses Werk in einer ambivalenten Beziehung zu dem Raum.

Ich hätte gerne die ursprüngliche Farbe und die Lichtverhältnisse zwischen Gemälde und Decke beibehalten: Diese hatte eine dunklere Farbe als die, die sie jetzt nach der Restaurierung hat. Ursprünglich war sie als Sternenhimmel gemalt. Ein anderes wichtiges Element, das den ursprünglichen Raum verletzt, ist die Tür direkt in der Mitte des Tisches vom Abendmahl. Diese Tür, die man beibehalten hat, bricht die Kontinuität des Gemäldes. Sie war nicht vorhanden, als Leonardo an dem Werk arbeitete.

Dann haben wir das Problem der beiden Säulen, die an den beiden Seiten das Abendmahls gemalt sind: Es ist nicht klar, ob sie eine quadratische oder eine rechteckige Basis haben. Das ist von Bedeutung für die von Leo Steinberg aufgestellte Hypothese. Danach sollte man das Abendmahl als Apsis einer Kirche betrachten - die Apsis der Kirche, in der die Eucharistie eingesetzt wird. Hier liegt die Ambiguität im Verhältnis zwischen Gemälde und Raum. Die Ambiguität ist künstlerisch fruchtbar und leitet die Menschen zur Betrachtung und Reflexion. Diese Ambiguität hätte man besser demonstrieren können, als es mit der nun zu Ende gebrachten Restaurierung geschah.

Leonardo da Vinci Wissenschaftler - Erfinder - Künstler

 

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