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Jean Paul - Bemerkungen über uns närrische Menschen - Aphorismen 3

3. Bändgen - Bemerkungen über uns närrische Menschen - (Jenn. 1797)

Niemand ändert sich schwerer, als der stets unter andern oder in Geschäften lebt, d. i. träumt - die andringende, überhäufende Gegenwart ersticket jeden stillen Keim.

Ein Autor bringt durch Selbstdefension(en) seine Anklagen auf und in die Nachwelt. Für die Mitwelt sind sie entbehrlich; seine Freunde glauben den Anklagen nicht, seine Feinde den Defensionen nicht.

Man denkt, jeder gehe dahin, wohin man geht.

Die Schwachheiten großer Menschen werden von kleinen so leicht erraten als die der Lehrer von Kindern.

Nichts führt von aller innerer Beschauung weiter ab und vom Blick gegen die verschleierte Welt als Ehrgeiz.

Niemand könnte sich verhaßter und langweiliger machen als einer, der in allen Sozietäten Menschen nur lobte.

Man ist gerechter gegen seine Feinde als gegen seine Freunde.

Um froh zu sein, muß man einen langen Geschäftsplan haben, der doch die Freuden nicht aussperret, sondern einschließet: am besten wenn die Geschäfte und Freuden in eins fallen (bei mir).

Wenn an den Großen alles erstirbt, sogar der Ehrgeiz, grünet doch die Eitelkeit noch.

Es hilft wenig, daß uns das Schicksal reich macht: unsere Wünsche machen uns wieder arm.

Der Schlechteste kennt einen Preis, wofür er seine Rechtschaffenheit nicht hingibt; er unterscheidet sich vom Guten durch den kleinern (nicht vom Besten).

Jedes Geschlecht vergibt bloß die Fehler des seinigen dem andern Geschlecht nicht.

Man tut oft bloß stolz, weil man vermutet, der andere denke stolz.

Der aus dem gemeinen kriechenden Stand Emporgekommene will stolz sein und kann es nicht, und ihm entfährt immer Höflichkeit gegen die alten Gegenstände.

Eheweiber sind scharfsichtig, wenn ein Mensch sich den Ehemännern empfehlen will, und diese, wenn ein Mensch sich der Frau.

Ein berühmter Autor sollte auch Sätze, die andere gesagt, wiederholen, um der Wahrheit sein Gewicht hinzuzutun.

Je mehr man Menschen kennt, desto weniger schildert man Individuen.

In den Augen des Bewunderten ist der Bewunderer nicht stets klug, wie Helvetius sagt, aber doch gut.

Jeder hält seine Verstellung für feiner als die fremde und wird daher betrogen.

Den meisten Menschen gilt Bewunderung, Schätzung so viel als Liebe, sie vermengen beide.

Werke, die man schreibt und die man tut, kann man erst lange nach ihrer Vollendung korrigieren.

Die Menschen hassen und merken in der Liebe leicht das Gefühl der Unabhängigkeit.

Die Geschichten, die man in der Kindheit las, nehmen etwas vom Zauber unserer eignen Kindheit an.

Die erste Wiedererblickung lang ersehnter Menschen gibt diesen etwas von der Idealität der Vorstellung.

Nichts ist bei der häufigen Lektüre schädlicher, als daß uns die Lehren der Weisheit - ohne daß eine gegenwärtige Erfahrung sie auf uns bezöge - so wiederholet werden, daß wir sie nie auf uns anwenden.

Man muß nicht seine Vorzüge auskramen, um den andern zu gewinnen, sondern ihn gewinnen, um jene auszukramen. Die Höflichkeit etc., womit ich jemand aufnehme, ist die Grundierung, worauf er mein Bild aufträgt.

Gewisse Dinge (Mode, Kleider, Lebensart) muß man früher verachten als achten.

Wir halten die Leichtigkeit zu sündigen für die Erlaubnis dazu.

Der Spott über Abscheulichkeit (wenn es nicht juvenalischer ist), z.B. Päderastie, mindert den Abscheu mehr, als er ihn mehrt.

Ein berühmter Autor und ein Fürst brauchen nur zu reden, nicht gut zu reden, um zu gefallen.

Die Weiber ändern ihre Meinungen schwerer als die Männer, weil sie mehr Gefühle als Schlüsse sind.

Kein Enthusiasmus der Liebe ist so groß als der der Zusammengewöhnung, der auf jenen folgt.

Sprachmaschine ist wegen MenschenÄhnlichkeit so fürchterlich als Wachsbild.

Die Weiber halten sich für besser als die Männer; jene fehlen ohne Bewußtsein des Fehlers, diese mit.

In der Sprache der Liebe gibt es keine Pleonasmen.

Weiber sprechen lieber von als in ihrer Liebe, Männer umgekehrt.

Den berühmten Mann freuet kein anderes Lob weiter als ein größeres.

Sanftmut muß stets nach der Kraft (Jugend) kommen, sonst Schlaffheit.

Mit Intoleranz muß der Jüngling anfangen, nicht enden, nicht umgekehrt.

Wenn man zuviel wichtige Dinge zu sagen hat, fängt man mit den unwichtigen an.

In einer ewigen Meßstadt würde alle Menschenliebe aufhören.

Man ist in der Liebe darum ungerecht, weil man den andern für vollkommen hielt.

Das Reden mehrt die eigne Rührung mehr als fremde.

Ein wiederholtes Abschiednehmen entkräftet das letzte.

Manche halten ihre veränderte Ansicht eines Menschen für eine Veränderung desselben.

Man kann wohl einen Schwarm Mücken im Zimmer sumsen hören, aber nicht eine.

Den Verstand, Witz etc. des andern (Ehe) kriegt man satt, nie sein gutes Herz: nur dieses ist unerschöpflich.

In einer neuen Stadt sind die ersten begegnenden Mädgen am interessantesten.

Die kleinen Gründe erschaffen den Entschluß nicht, sondern man waffnet sich mit ihnen nur gegen äußere Anfechtungen desselben.

Ewige Unart, aus Gelehrsamkeit oder Tugend in einem Falle [und] Fache, auf sie in andern Fällen und Teilen zu schließen.

Statt einen Scheffel Salz(es) mit einem Freund zu essen, braucht man nur 6 Meilen mit ihm zu reisen.

Das Landleben ist in, nicht außer uns.

Äußerer gemäßigter Stolz gibt dem Verdienst einen größern Schein.

Ein Torheit, über die viele Satiren gemacht worden und bei der jede neue Satire verliert, ist in der Wirklichkeit desto komischer.

Hat einmal ein Mann alle männliche Tugenden: so verschönert ihn eine kleine weibliche, z. B. Reinlichkeit, unendlich in weiblichen Augen; und so umgekehr[t] mit Weib.

Wenn man sich eines Fehlers anklagt, so hat man ihn stets größer, als man ihn malt.

Gewisse Dinge, z. B. Entführung, sind uns in Büchern alt und [im] Leben neu und letzt(ere) wund(ern) uns dann.

Der Pöbel achtet Pedanten.

Der Mann bequemt sich zuweilen, um frei zu werden - die Frau muß sich ewig bequemen.

1 Kuß ist mehr wert als 2 oder gar 20.

Man beruft sich immer auf die Nachwelt, als ob sie nicht oft ebensoviel Lob nähme als gäbe.

Man muß sich immer einen Rat geben lassen - wenn man ihn auch nicht befolgt, so benützt man ihn doch.

Die Höflichkeiten der gemeinen Leute sind immer vom nächsten Stande über ihnen geborgt.

Der Uneigennützige hasset Egoisten nicht so sehr als der Egoist.

Vernunftgründe wirken nur auf Affekt, wenn sie ihn befödern.

In unserer Menschenliebe ist nicht bloß die Süßigkeit des Gefühls der Liebe, sondern auch die Süßigkeit des Gefühls des Rechttuns.

Die Weiber lieben den ganzen Tag; den Männern fällt das verdrüßlich, sie möchten es gern haben, daß jene gerade zur Stunde mit der Liebe da wären, wo sie sie haben.

Es ist oft sehr gefährlich, von seinem Verstande und Herzen zu schlecht zu denken - der Irrtum schafft die Wahrheit.

Man schreibt sich leichter falsche Vorzüge zu, als man seine wahren errät.

In feinen Gesellschaften wird nur der abwesende persifliert, in gemeinen spaßet man über d(en) gegenwärtigen.

Verachtung ist mehr als Haß; jene kann der Weise haben, sie ist unwillkürlich.

Die Wettergespräche [kommen] nicht von Langweile, sondern weil der Mensch immer eine starke fortdauernde Empfindung mit Worten äußern und geben will - wäre Krieg, so gäb's Kriegsgespräche.

Berühmte Leute, Fürsten, Schöne kann man selten durch ein Lob einnehmen, aber durch jeden Tadel erzürnen.
Wie Deutsche Straßenraub außer Landes für erlaubt hielten, so Mord im Krieg 18/12; so überall; Fehler, die man sich nicht gegen seine Familie etc. und Anhänger erlaubt, verstattet man sich gegen Fremde.

In höhern Ständen wirken die Weiber mehr auf fremde Männer, in nied(ern) auf eigne.

Die Verstellung und Eitelkeit durchgreift manche so, daß sie unbewußt es tun und es nicht mehr anders machen können.

In einer großen Stadt sein, heißet Reisen und umgekehrt.

Weiber argwöhnischer als wir.

Ein Mensch, dem zu lang die Liebe verweigert worden ist, findet dann in einer wirklichen zu wenig Reiz, aus Mangel an Verweigern.

Warum will der Mensch, wenn er nicht alle bekehren kann, nicht wenigstens einige Menschen ändern?

Mancher ist im Namen eines Lieblingsautors eifersüchtig - freuet sich über jedes Lob auf ihn -, aber bloß, weil er in sich eine Ähnlichkeit mit diesem ahnet.

Man glaubt stets, nur dieser Autor sei in der persönlichen Erscheinung schlecht, aber alle ungesehene herrlich.

Anfangs macht man das Buch nach sich, dann sich nach dem Buch.

Weiber sind rein menschlicher, weil der Staat ihnen keine einseitige Bildung aufdringt.

Je älter man wird, desto toleranter gegen das Herz und intoleranter gegen den Kopf.

Nichts wird weniger in Gesellschaft erraten als die Empfindsamkeit, besonders die männliche.

Die Kinder erraten die Eltern besser als diese jene.

Tätige Leute weniger Ordnung als müßige.

Ein Wirt 'Zum Erbprinzen' denkt nie, wenn er seinen Erbprinz sieht, daß er dessen Namen [führt] - so verschiedne Bedeutungen hat 1 Wort.

Ich will lieber lieben, ohne geliebt zu werden - als ohne zu lieben, geliebt werden.

Weiber behalten eigne Geheimnisse, Männer fremde.

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Wer ist der Tote ???

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