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Legenden und Schöpfungsmythen aus Mittelamerika

1. Die Schöpfung der Welt (Maya)

 

2. Als entschieden wurde, den Menschen zu schaffen (Maya)

 

3. Das Lied von Quetzalcoatl (Azteken)

 

4. Die Überschwemmung von Bogotá (Kolumbien)

 

5. Der Wein und der Teufel (Mexico)

 

6. Der Pujpatzá (Mexico)

 

Die Schöpfung der Welt

Es ist außerordentlich notwendig, dies zu glauben. Dies sind die kostbaren Steine, die unser Herr, der Vater, hier hinterlassen hat. Dies ist sein erstes Mahl, ist der heilige Wein, mit dem wir, die Herrschenden ihn hier ehren. Sehr zu Recht wurden diese kostbaren Steine als wahre Götter verehrt. Aber diese ersten Götter waren vergängliche Götter. Ihre Verehrung kam unvermeidlich zu einem Ende. Sie verloren ihre Wirksamkeit durch den Segen des Herrn, nachdem die Erlösung der Welt bewerkstelligt war. Dann wurde euer Gottesdienst abgeschafft, ihr Maya-Menschen. Wendet eure Herzen ab vom alten Glauben.

Und dies ist die Geschichte der Welt zu jenen Zeiten. Sie mußte aufgeschrieben werden mit all diesen Erklärungen, weil die Zeit noch nicht zu Ende ist. Diese Bücher sind hergestellt worden, damit die Maya-Menschen wissen, wie sie geboren wurden in diesem Land, und wie es gegründet worden ist.

Es war Katun 11 Ahau, als Al Mucencab hervortraten, um die Gesichter der Oxlahun-ti-ku zu blenden, aber sie kannten deren Namen nicht, außer den Namen der älteren Schwester und Söhne. Man sagt, daß sich sein Gesicht ihnen noch nicht gezeigt hatte. Dies geschah erst, nachdem die Schöpfung der Welt vollendet worden war, aber sie wußten nicht, daß sie nun vor sich gehen sollte. Dann wurden die Oxlahun-ti-ku ergriffen, ihre Schädel wurden verwundet, ihr Gesicht wurde eingestoßen. Man spie auf sie und warf sie auf den Rücken. Darauf nahm man ihnen das Szepter und das wolkenerzeugende schwarze Pulver fort. Dann wurden Sprossen des Yaxum-Baumes genommen, auch Lima-Bohnen mit zerstoßenen Knollen, Herzen der kleinen Kürbissaat, der großen Kürbissaat und Bohnen. Alles wurde zerstoßen. Dann machte man aus all dem den ersten Bolon Dz'acab und ging zum 13 Himmel. Dann blieb eine Masse Mais mit den Spitzen der Maiskolben hier auf der Erde. Dann verging das Herz wegen Oxlahun-ti-ku, aber sie merkten nicht, daß das Herz der Knollen fort war. Danach fielen die Vaterlosen, die Elenden und die ohne Ehemann auseinander. Sie waren lebendig, obwohl sie keine Herzen hatten. Dann wurden sie begraben im Sand und im Meer.

Es gab einen plötzlichen Schwall Wasser, als das Szepter der Oxlahun-ti-kus gestohlen wurde. Dann stürzte der Himmel herab und fiel auf die Erde, und die vier Bacabs wurden aufgerichtet, die das Ende dieses Universums herbeiführten.

Als nun die Zerstörung des Universums vollendet war, richteten sie einen Baum auf, damit der Pirol seinen Platz habe. Dann wurde der weiße Baum des Überflusses aufgerichtet. Eine Säule für den Himmel wurde hingestellt, als Zeichen für die Zerstörung des ersten Universums, das war der weiße Baum des Überflusses im Norden. Der schwarze Baum des Überflusses wurde aufgerichtet im Westen für den schwarzbrüstigen Pizd'oy-Vogel. Der gelbe Baum des Überflusses wurde aufgerichtet im Süden, als Symbol für die Zerstörung des Universums und für den gelben Pirol, den scheuen Vogel. Der grüne Baum des Überflusses wurde errichtet im Mittelpunkt der Welt als ein Mahnzeichen für das Ende des ersten Universums.

Die Tafel eines anderen Katun wurde angebracht an ihrem Platz von Botschaftern des Herrn. Der rote Piltec kam in den Osten der Welt, um die Leute zum Herrn zu führen. Der weiße Piltec wurde eingesetzt im Norden der Welt, um die Leute zum Herrn zu führen. Lahun Chaan wurde eingesetzt im Westen, um Dinge zu seinem Herrn zu bringen. Der gelbe Piltec wurde eingesetzt im Süden, um Dinge zu seinem Herrn zu bringen. Aber über die ganze Welt wurde Ah Uue Cheknal eingesetzt. Er kam aus der siebenten Schicht der Erde und befruchtete Itzam-kab-ain, als er mit der Lebendigkeit eines Engels zwischen Himmel und Erde umherflog. Sie rückten unter die vier Lichter, unter die vier Lagen Sterne. Die Welt war noch nicht hell. Es gab weder Tag noch Nacht noch Mond. Dann nahmen sie wahr, daß die Welt erschaffen wurde. Dann dämmerte der Morgen der Schöpfung über der Welt.

Als entschieden wurde, den Menschen zu schaffen

Hier ist nun der Anfang, als entschieden wurde, den Menschen zu erschaffen, und was in das Fleisch des Menschen eingehen sollte, wurde gesucht.

Und die Vorväter, der Schöpfer und der Macher, die genannt wurden Tepeu und Gucumatz, sagten: "Die Zeit des Morgengrauens ist gekommen, laßt uns das Werk beenden. Laßt jene, die uns ernähren und erhalten sollen, erscheinen, die edlen Söhne, die zivilisierten Vasallen, laßt den Menschen erscheinen. Laßt die Menschlichkeit entstehen im Gesicht der Erde." Also sprachen sie.

Sie versammelten sich und hielten Rat in der Dunkelheit und in der Nacht. Sie redeten und suchten. Sie dachten nach und grübelten. Auf diese Art kam ihre Entscheidung klar ans Licht. Sie fanden und entdeckten, was eingehen sollte in das Fleisch des Menschen.

Es war, gerade ehe die Sonne, der Mond und die Sterne erschienen über dem Schöpfer und dem Macher. Von Paxil, von Cayalá kamen die Sprossen des gelben Mais und die Sprossen des weißen Mais.

Und dies sind die Namen jener Tiere, die die Nahrung brachten: yac (die Gebirgskatze), utiú (der Kojote), quel (ein kleiner Papagei) und bob (die Krähe). Diese vier Tiere riefen den gelben Mais und den weißen Mais und wiesen den Pflanzen den Weg. So erfanden sie die Nahrung, und dies war es, was in das Fleisch des erschaffenen Menschen einging; dies war es, woraus das Blut des Menschen gemacht wurde.

Und die Menschen waren erfüllt von Freude, weil sie ein schönes Land vorfanden, voll der Freuden, üppig gefüllt mit weißem und gelbem Mais und voll unzähliger anderer Früchte und Honig. Es gab Nahrung in Hülle und Fülle in jenen Dörfern, die Paxil und Cayalá hießen. Es gab Nahrung aller Art, kleine und große Nahrung, kleine Pflanzen und große Pflanzen.

Die Tiere wiesen dem Mais den Weg. Und dann mahlend den gelben und weißen Mais machte Xmucané neun Getränke. Davon kam Stärke. So wurden den Menschen Muskeln. Dies taten die Vorväter, Tepeu und Gucumatz wurden sie genannt. Danach begannen sie über die Schöpfung zu reden, über die Schöpfung unserer ersten Mutter und unseres ersten Vaters. Der gelbe und weiße Mais waren ihr Fleisch. Maismehl war es, aus dem sie die Arme und die Beine des Menschen machten. Nur Teig von Maismehl wurde verwendet für das Fleisch unserer ersten Väter. Vier Männer wurden erschaffen. Und dies waren ihre Namen: Balam-Quitzé, Balam-Acab, Mahucutah und Iqui-Balam.

Es ist überliefert, daß sie gemacht und geformt wurden, daß sie selbst keine Mutter und keinen Vater hatten. Man nannte sie nur Menschen. Sie wurden nicht von einem Weib geboren, noch wurden sie vom Schöpfer oder vom Macher gezeugt. Und da sie das Aussehen von Menschen hatten, waren sie Menschen. Sie redeten, sahen, hörten, gingen, griffen nach Dingen. Sie waren gut und schön. Ihre Gestalt war die Gestalt des Menschen.

Sie waren begabt mit Verstand. Sie sahen. Und sofort sahen sie weit, und es gelang ihnen zu sehen und zu wissen all das, was in der Welt war. Sie schauten, und sofort sahen sie alles rings um sich, und bei angestrengtem Sehen sahen sie über den ganzen Bogen des Himmels und über das ganze Gesicht der Erde hin. Alle Dinge, verborgen in der Ferne, sahen sie, ohne sich von der Stelle zu bewegen. Groß war ihr Wissen, und ihr Sehen erreichte die Wälder, die Felsen, die Seen, die Meere, die Gebirge und die Täler. Wirklich, es waren bewunderungswürdige Menschen.

Da sprachen der Schöpfer und der Macher zu ihnen: "Wie denkt ihr über euer Sein. Seht ihr nicht? Hört ihr nicht? Ist es nicht gut, daß ihr sprechen und gehen könnt? Schaut also. Vertieft euch in die Welt, seht die Gebirge und die Täler erscheinen. Versucht, sie zu schauen."

Dies sagten sie zu den ersten vier Männern. Und augenblicklich sahen die ersten vier Männer, was da alles ist auf der Welt. Dann dankten sie dem Schöpfer und dem Macher: "Wirklich, wir danken euch zwei- und dreimal. Wir sind erschaffen worden. Wir haben einen Mund, ein Gesicht. Wir sprechen, wir hören, wir denken, wir gehen, wir fühlen uns vollkommen, und wir wissen, was weit und was nah ist. Wir sehen, was groß und was klein ist im Himmel und auf Erden."

Sie waren fähig, alles zu wissen, und sie betrachteten die vier Ecken, die vier Punkte des Himmelsbogens und das ganze runde Gesicht der Erde.

Aber der Schöpfer und der Macher hörten das gar nicht gern: "Es ist nicht gut, daß unserer Arbeit Ergebnis, unsere Geschöpfe, sagen, sie wüßten alles, Großes und Kleines", so sprachen sie.

Und also hielten die Vorväter wieder Rat.

"Was sollen wir mit ihnen machen? Richten wir es so ein, daß sie nur sehen, was nahe ist. Laßt sie nur wenig sehen vom Gesicht der Erde. Es ist nicht recht, was sie sagen. Wer weiß, vielleicht sind sie doch nicht einfach Geschöpfe unserer Hervorbringung? Vielleicht sind sie auch Götter? Und wenn sie sich nicht vermehren, was wird beim Morgengrauen geschehen, wenn die Sonne aufgeht?" Also sprachen sie.

"Laßt uns ihre Wünsche etwas einschränken. Denn so ist es nicht recht. Sie sollten wirklich nicht uns gleich und ebenbürtig sein." Also sprachen die Vorväter, der Schöpfer und der Macher. Also sprachen sie und veränderten das Wesen ihrer Kreaturen.

Das Herz des Himmels blies Nebel in die Augen der ersten Männer. Ihr Blick wurde getrübt wie ein Spiegel, auf den man haucht. Ihre Augen wurden abgedeckt. Sie konnten nur noch sehen, was nahe und was deutlich war.

Auf diese Art wurde die Weisheit und all das Wissen der vier ersten Männer zerstört.

Dann wurden die Frauen gemacht. Gott selbst machte sie sorgfältig. Und so im Schlaf tauchten sie plötzlich auf, wahrhaftig und schön, die Frauen des Balam-Quitzé, Balam-Acab, des Mahucutah und des Iqui-Balam. Sie waren ihre Frauen, und als sie erwachten und sie fühlten, war sofort ihr Herz mit Freude erfüllt, weil sie nun Frauen hatten...

Viele Menschen wurden gemacht, und in der Dunkelheit vermehrten sie sich. Weder die Sonne noch das Licht waren bisher gemacht, als sie sich so vermehrten.

Alle lebten zusammen. Es gab sie in großer Zahl, und sie gingen dort im Osten umher. Sie sorgten nicht für ihren Gott. Sie schauten zum Himmel, aber sie wußten nicht, warum es soweit gekommen war.

Sie waren vorhanden in großer Zahl: die schwarzen Menschen und die weißen Menschen, Menschen vieler Klassen, Menschen vieler Zungen, und es war herrlich, ihnen zuzuhören.

Es gibt Generationen auf der Welt, es gibt Völker in Ländern, deren Gesicht wir nicht sehen, die kein Heim haben. Sie wandern nur durch die kleinen und großen Wälder wie Verrückte. So spricht man verächtlich von den Menschen des Waldes. So redeten sie dort, wo sie die aufgehende Sonne sahen. Die Rede von allen war gleich. Sie beschworen nicht Holz noch Stein. Sie erinnerten sich des Wortes des Schöpfers und des Machers, des Herzens des Himmels, des Herzens der Erde.

Und dies sprachen sie, während sie an das Heraufziehen der Morgendämmerung dachten. In diesen Worten beteten sie zu Gott, liebend, gehorsam, furchtvoll. Sie blickten zum Himmel, wenn sie um Söhne und Töchter baten und sprachen: "Oh, du, Schöpfer und Macher! Schaut auf uns, hört uns an. Verlaßt uns nicht, gebt uns nicht auf. Oh, Gott, der du bist im Himmel und auf Erden, Herz des Himmels, Herz der Erde, gib uns Nachkommen, solange die Sonne sich bewegt, und Licht ist. Laß den Tag anfangen. Gib uns viele gute Straßen, flache Straßen. Mögen die Völker Frieden haben, viel Frieden, und mögen sie glücklich sein. Gib uns ein gutes Leben, eine sinnvolle Existenz. Oh, ihr, Huracáb, Chipi-Caculgá, Raxa-Caculhá, Chipi-Nanauac, Raxa-Nanauac, Voc, Hunahpú, Tepeu, Gucumatz, Alom, Quaholom, Xpiyacoc, Xmucané, Großmutter der Sonne, Großmutter des Lichts, laß es tagen, laß das Licht kommen."

Und so sprachen sie und beteten das Aufgehen der Sonne herbei, die Ankunft des Tages. Und zur selben Zeit sahen sie das Aufgehen der Sonne. Sie dachten an den Morgenstern, den Großen Stern, der vor der Sonne kommt, der das Himmelsgewölbe erleuchtet und die Oberfläche der Erde, der die Schritte der Menschen erhellt, die geschaffen worden waren und gemacht.

Das Lied von Quetzalcoatl

Quetzalcoatl wurde als Gott angesehen. Er wurde als Gott verehrt in alten Zeiten in Tula.
Sein Tempel war groß,
mit vielen Stufen,
mit engen Stufen.
Da lag er, das Gesicht verhüllt, riesig,
sein Gesicht wie ein großer Stein,
schwer, langbärtig.
Und sein Volk, die Tolteken, waren Künstler, sie schnitten in Stein, sie machten Federschmuck, sie waren Handwerker und hatten ihr Handwerk gelernt von Quetzalcoatl.
Dort in Tula stand sein grünes Steinhaus,
sein goldenes Haus,
sein Korallenhaus, sein Haus der Federn.
Nichts war weit für die Tolteken.
Sie waren schnell.
Man nannte sie "jene, die den ganzen Tag laufen,
ohne müde zu werden".
All die Tolteken waren reich.
Es gab keine Armen.
Und Quetzalcoatl tat Buße.
Er stach Dornen in sein Bein und ließ es bluten um zu büßen.

Dann wurden Quetzalcoatl und die Tolteken träge, und drei böse Zauberer, drei Dämonen kamen nach Tula: Huizilpochtli, Tlacahuepan und Titlacahuan.
Letzterer begann seinen Zauber.
Er verwandelte sich in einen alten Mann.
Sein Haar war weiß und silbern, er ging vornübergebeugt, und so kam er zum Palast Quetzalcoatls und verlangte, diesen zu sehen, aber sie ließen ihn nicht vor, er beharrte darauf.
Endlich gab Quetzalcoatl nach.
"Laßt ihn kommen. Ich warte schon lange auf ihn."
Und der alte Mann sagte: "Wie geht es meinem Enkel? Wie steht es um seine Gesundheit? Ich habe dir eine Medizin mitgebracht. Hier, trink sie."
Und Quetzalcoatl antwortete: "Komm her, Alter. Du bist erschöpft von der Reise. Ich habe schon lange auf dich gewartet."
Und der alte Mann antwortete: "Aufrichtig, wie steht es um deine Gesundheit?"
"Ich bin krank am ganzen Leibe. Nichts an mir ist gesund."
"Dann trink diese Medizin. Sie wird dich kurieren. Du wirst weinen, dein Herz wird bekümmert sein. Du wirst über den Tod nachdenken und dich fragen, wohin du gehst."
"Und wohin werde ich gehen, alter Mann?" fragte Quetzalcoatl.
"Zu Tollan-Tlapallan, wo ein gealterter Wächter auf dich wartet. Und ihr werdet zusammen sprechen, und wenn du zurückkommst, wirst du wieder ein Kind sein."
Das beeindruckte Quetzalcoatl, und der alte Mann drängte ihn: "Nun los, trink diese Medizin."
Quetzalcoatl weigerte sich, und der alte Mann redete ihm zu: "Wenn du schon nicht alles trinken willst, dann trink wenigstens etwas, koste nur ein bißchen."
Und Quetzalcoatl trank erst ein bißchen und dann stürzte er den Rest hinunter. "Was ist das für eine Medizin. Ich fühle mich viel besser. Der Schmerz ist fort. Wie kann man so rasch gesund werden?"
"Ach, trink nur mehr", drängte der alte Mann, "je mehr du trinkst, desto stärker wirst du."
Und er trank, bis er betrunken war.
Als er aufstand, raste sein Herz, und er merkte, daß der alte Teufel ihn hineingelegt hatte.
Er hatte ihm weißen Mague-Wein gegeben und ihn betrunken gemacht.

Dann verkleidete sich Titlacahuan in einen Fremden und ging, den Penis unverhüllt, über den Marktplatz und verkaufte grünen Pfeffer.
Er ging und saß nackt auf dem Marktplatz vor dem Palast, und als die Tochter des Uemac ihn nackt sah, entbrannte sie vor Verlangen.
"Was ist mit meiner Tochter geschehen? Was hat sie so erregt?" fragte Vemar das Weib, das seine Tochter hütete.
"Der Fremde, der grünen Pfeffer verkauft, hat sie so verrückt gemacht."
Und ihr Vater befahl: "O Tolteken, bringt den Pfefferverkäufer zu mir."
Sie sahen sich überall nach ihm um, zuerst auf dem Marktplatz, wo er anfangs aufgetaucht war.
Und als sie ihn fanden, berichteten sie es Uemac, und Uemac lud ihn ein und fragte ihn: "Wo kommst du her?"
"Ich bin ein Fremder", sprach Titlacahuan, "ich verkaufe grünen Pfeffer."
"Bedeck dich, zieh dir Kleider an."
"Dort, wo ich herkomme, kleidet man sich so."
"Du hast meine Tochter verrückt gemacht", sprach Uemac, "du mußt sie auch wieder kurieren."
"Wie meint ihr das, mein guter Herr", sprach der Fremde, "dann ist es schon besser, ihr bringt mich gleich um."
"Nein", sagte Uemac, "du wirst sie heilen."
Und sie richteten Titlacahuan das Haar, badeten, salbten und kleideten ihn, und als er fertig war, sagte Uemac zu ihm: "Geh dort hinein. Dies ist das Zimmer meiner Tochter."
Und er ging hinein, beschlief sie, und sie wurde geheilt, und der "Fremde" wurde des Häuptlings Schwiegersohn.

Aber die Tolteken waren zornig, daß Uemacs Tochter einen Fremden zum Manne genommen hatte. Sie spotteten und sprachen schlecht von ihr und von ihm, und der Häuptling ließ die Leute kommen und sagte: "Ich weiß, was ihr hinter meinem Rücken gegen mich zischelt, aber ich habe einen Plan. Geht hin und kämpft gegen Cacatepec und Coatepec und im Getümmel des Gefechts gebt ihn auf."
Also erklärten die Tolteken den Krieg mit der Absicht, ihn mitten im Kampf seinem Schicksal zu überlassen.
Und Titlacahuan zog in den Krieg mit all den Zwergen und Krüppeln.
Und Titlacahuan feuerte diese Armee von Buckligen und Zwergen an. "Habt keine Furcht. Wir werden sie schlagen. Ihr Schicksal wird sie ereilen."
Und der Rest der Armee überließ Titlacahuan wie verabredet seinem Schicksal und kehrte heim und meldete es Uemac, den freute das, denn er schämte sich seines Schwiegersohnes.
Nur: als Titlacahuan angegriffen wurde, konnte der Feind ihn nicht besiegen. Er besiegte den Feind. Er machte alle nieder und kam heim im Triumph. Da sprach Uemac: "Jetzt sind meine Tolteken zufrieden mit dir, mein Schwiegersohn. Gut gemacht und willkommen daheim!"

Jetzt arbeitete Titlacahuan darauf hin, die Tolteken von innen zu zerstören, und Quetzalcoatl war bekümmert, und er beschloß, die Stadt Tula aufzugeben.
Alles ließ er verbrennen: sein goldenes Haus und das Korallenhaus ... und er versteckte die anderen Schätze im Gebirge.
All den sagenhaften Reichtum von Tula versteckte er.
Er schickte fort die kostbaren Vögel und verwandelte die Kakaobäume in Mosquitos.
Und sie brachen auf über die Straße nach Anahuac.

Und er tat Wunder, während er diese Straße entlang ging: er weinte, und seine Tränen fraßen Löcher in den Stein, er saß auf einem Stein, und zurück blieb der Abdruck seiner Hände und seines Hinterns, er pflanzte Mague, er baute einen Hof, um Ball zu spielen, er balancierte einen gewaltigen phallischen Stein so aus, daß die Berührung mit dem kleinen Finger ihn hätte umwerfen können.
Und als er all dies getan hatte, stieg er hinab zum Meer und machte sich ein Floß aus Schlangen und fuhr damit übers Meer zum Königreich von Tlapallan.

Die Überschwemmung von Bogotá

In einer fernen, fernen Zeit, als die Erde noch keinen Mond hatte, lebten auf der Ebene von Bogotá Menschen ohne Kultur als Wilde. Sie kannten weder den Ackerbau noch Gesetz und Ordnung.

Eines Tages erschien bei den wilden Stämmen ein alter Mann, der aus der Ebene im Osten der Cordillere von Chingasa stammte. Er war von einer ganz anderen Rasse als die Wilden von Bogotá und hatte einen langen, dichten Bart. Dieser Greis hörte auf drei verschiedene Namen: Bochica, Nemquetheba und Zuhe. Er nahm sich um die Menschen an und brachte ihnen bei, nicht mehr nackt zu laufen, sondern sich zu kleiden, die Felder zu bestellen und Früchte zu ernten, Hütten zu bauen und in Gemeinschaft zu leben.

Der Alte brachte auch seine Frau mit, die ebenfalls drei Namen hatte: Chia, Yubecayguaya und Huythaca. Leider war diese Frau ebenso schön wie böse. Sie haßte die Menschen jener Gegend, und wenn ihr Gatte etwas erschuf, so zerstörte sie es oft wieder. Durch Zauberei ließ sie den Fluß Funzha so ansteigen, daß er das ganze Tal von Bogotá überschwemmte. Durch diese Flut ertranken die meisten der Menschen, die dort lebten, und nur wenige konnten sich auf die Gipfel der umliegenden Berge retten. Als das der Alte sah, wurde er sehr zornig auf seine Frau. Er verjagte sie von der Erde und bannte sie an den Himmel. Seit der Zeit hat die Erde den Mond, der in der Nacht leuchtet.

Der Greis Bochica aber wurde von Mitleid mit den Menschen ergriffen, die im Hochgebirge leben mußten; er zerschmetterte die Felsen, die das Tal von Bogotá auf der Seite von Canoas und Tequendama einschlossen, so daß durch diese Öffnung die Wassermassen abfließen konnten.

Dann führte er die zerstreuten Menschen wieder zusammen, baute ihnen Häuser und Städte, lehrte sie den Kult der Sonne, ernannte ihre Oberhäupter, je einen für die weltliche und für die geistliche Macht.

Dann zog sich der Greis unter dem Namen Idacanzas in das heilige Tal von Iraca zurück, wo er als Eremit viele tausend Jahre lebte.

Der Wein und der Teufel

Die Welt war schon erschaffen, und Gott schickte sich an, einen Weinberg anzulegen. Da fragte der Teufel: "Was tust du da?"
"Ich pflanze Weintrauben", sagte Gott, "es wird Zeiten geben, da braucht der Mensch Wein, damit es ihm wieder etwas besser geht."

"Hast du etwas dagegen, daß ich dir helfe?"
Gott dachte einen Augenblick nach.
"Was er wohl vor hat?" überlegte er. Na, was konnte schon Schlimmes passieren. Also antwortete er: "Von mir aus... du darfst helfen."
"Du wirst erstaunt sein, welche Hilfe du an mir hast", sagte der Teufel und machte sich augenblicklich an die Arbeit.
Zuerst tötete er eine Spottdrossel und ließ das Blut in die Reihen tropfen.
Dann tötete er einen Löwen und ein Schwein und sprengte ihr Blut aus von einem Ende des Weinberges bis zum anderen.
"Jetzt bin ich fertig", sprach er. "Jetzt können wir nichts anderes tun, als abzuwarten."

Alle wissen nur zu gut, was geschah.
Wenn die Menschen anfangen zu trinken, verspüren sie zuerst die Wirkung des Vogelblutes und fangen an zu singen. Trinken sie weiter, so kommt das Löwenblut zur Wirkung. Die Trinker fangen sich an zu streiten und zu schlagen. Trinken aber die Menschen immer noch weiter, beginnt auch das Schweineblut zu wirken, und die Zecher landen irgendwo in der Gosse.
Ay qué mala suerte!

Der Pujpatzá

Einmal kämpften die Zauberer von Tecpatán mit denen von Ostuacán, die auch Tzapasnos-Quiubay genannt wurden. Die Zauberer von Ostuacán beschlossen, Tecpatán zu zerstören, und alle Einwohner wollten sie im Wasser des Totopac Flusses, der am Rand der Stadt vorbeifließt, ertränken.

Sie schickten also einen Pujpatzá hin, einen Alligator, der sich aufblähen kann. Der Pujpatzá legte sich quer über das Flußbett und schwoll und schwoll, bis er so groß wie ein Gebirge war. Da stieg das Wasser immer mehr an, bis es in die Stadt geflossen kam, und die Menschen zu ertrinken drohten. Und niemand wußte, wie das zu erklären sei, denn von einem Pujpatzá hatten sie noch nie etwas gehört.

Die Zauberer von Tecpatán schickten Tiere aus, die sollten schauen, ob solch ein Alligator nicht auch eine schwache Stelle habe. Aber sie fanden nichts dergleichen. Die Eidechse, der kleine Fisch und die Enten gingen zu ihm hin und vermochten nichts zu entdecken. Auch sie hatten noch nie etwas von einem aufschwellenden Alligator gehört.

Da kam der Krebs und stieg ins Wasser. Er spazierte über die Felsen, und die Strömung trieb ihn gegen den Pujpatzá hin. Mit seinen Zangen tastete er des Tier Stück für Stück ab, bis er eine weiche Stelle gefunden hatte. Und es war die Stelle, wo die Hände und Füße beginnen, die Achseln.

Der Krebs war zufrieden und machte kehrt und sagte es den Zauberern. Und diese sprachen: "Wir wollen Feuer-Iguanas machen und so den Alligator töten."

Zu dieser Zeit bauten die Leute von Ostuacán, die auch Tzapasnos-Quiubay genannt werden, eine gewaltige Mauer, so daß die Leute von Ostuacán nicht nach Tecpatán gehen konnten, und die Leute von Tecpatán nicht nach Ostuacán. Die Leute von Tecpatán gruben Furchen in den Fels nahe dem Platz, der heißt El Azufre, wo schwefelhaltiges Wasser aus dem Boden tritt, und schleuderten die Feuer-Iguanas von dieser Stelle gegen die Mauer, um sie zu zerstören. Man berichtet: als die Feuer-Iguanas an die Mauer stießen, sei diese von den Tieren wie eine Feder aufgehoben und fortgetragen worden.

Nur ein kleiner Teil der Mauer ist stehengeblieben, und da sind heute noch Blutspritzer zu sehen. Danach setzte man die Feuer-Iguanas gegen den Alligator ein. Da man seine schwachen Stellen nun schon kannte, fiel es nicht schwer, mit ihm fertigzuwerden. Die Überschwemmung hatte ein Ende. Die Stadt war gerettet.

 

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